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Siluria: Drones zwischen Klangkunst und UKW-Radio

Der ungewöhnlicher Drone-Synthesizer von PhonicBloom
Siluria: Drones zwischen Klangkunst und UKW-Radio

Es gibt Synthesizer, die mit Hunderten Presets, ausgefeilten Sequenzern und möglichst vielen Funktionen beeindrucken wollen. Und dann gibt es den Siluria von PhonicBloom. Dieses ungewöhnliche Instrument verfolgt einen anderen Ansatz: Statt möglichst schnell fertige Melodien zu erzeugen, lädt es dazu ein, sich intensiv mit Klängen auseinanderzusetzen. Das Holzgehäuse, die berührungsempfindliche Tastatur und die zahlreichen Drehregler unterstreichen seinen eigenständigen Charakter.

Der Siluria ist ein sogenannter Drone-Synthesizer. Er konzentriert sich auf lang anhaltende Klänge, schwebende Tonflächen und sich langsam verändernde Klangstrukturen. Damit eignet er sich besonders für Ambient, experimentelle elektronische Musik und Sounddesign. Seine Besonderheit liegt in der Kombination aus digitaler Klangerzeugung, direkter Bedienung, integriertem UKW-Radio und der Möglichkeit, externe Audiosignale kreativ zu verändern. PhonicBloom verfolgt damit ein Konzept, das weniger auf Vielseitigkeit als auf eine bestimmte Art des musikalischen Experimentierens ausgerichtet ist.

Was genau ist ein Drone-Synthesizer?

Der Begriff Drone bezeichnet einen anhaltenden Klang oder Ton, der über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt. Solche Klänge können gleichmäßig wirken oder sich durch Obertöne, Modulationen und überlagerte Frequenzen kontinuierlich verändern. Während sie im Ambient häufig eine ruhige Atmosphäre erzeugen, können sie in experimenteller Musik ebenso düster, rau oder beinahe geräuschhaft klingen.

Der Siluria verbindet einen kontinuierlich spielbaren Drone mit einer zusätzlichen Synthesizerstimme, die über eine berührungsempfindliche Tastatur gespielt wird. Dadurch lassen sich sowohl statische Klangflächen als auch melodische Ergänzungen erzeugen. Schon kleine Veränderungen der Tonhöhe, Filter oder Effekte können den Klangcharakter deutlich verändern. Ein warmer Grundton kann sich beispielsweise allmählich in eine metallische Fläche verwandeln, während mehrere eng beieinanderliegende Frequenzen schwebende Klangbewegungen erzeugen.

Der Siluria ist deshalb weniger als Ersatz für einen klassischen Keyboard-Synthesizer gedacht. Seine Stärke liegt darin, Klang selbst zum Mittelpunkt der Musik zu machen, ohne dass ständig neue Noten oder komplexe Sequenzen erforderlich sind.

Die ungewöhnlichste Funktion: ein eingebautes UKW-Radio

Eine der kuriosesten Eigenschaften des Siluria ist sein integrierter UKW-Radioempfänger. Das empfangene Signal lässt sich in die Klanggestaltung einbeziehen und mit den verfügbaren Effekten bearbeiten. Dadurch wird das Radio zu einer unberechenbaren Klangquelle, die Sprache, Musik und Störgeräusche liefern kann.

Vielleicht taucht plötzlich eine menschliche Stimme auf, die durch Hall in einer Klangwolke verschwindet. Vielleicht verwandelt sich ein Ausschnitt aus einem Radioprogramm in eine raue, kaum wiedererkennbare Textur. Anders als bei einem gewöhnlichen Synthesizer stammt das Ausgangsmaterial teilweise von außen und lässt sich nicht vollständig kontrollieren.

Gerade für experimentelle Musiker ist diese Unvorhersehbarkeit interessant. Allerdings erzeugt nicht jedes Radiosignal automatisch außergewöhnliche Klänge. Das Ergebnis hängt von den Empfangsbedingungen, den Einstellungen und der eigenen Experimentierfreude ab. Wer das Radio nicht benötigt, kann sich selbstverständlich auf die übrigen Funktionen des Instruments konzentrieren.

Was das Radio besonders interessant macht

  • Unvorhersehbares Audiomaterial: Wechselnde Radioprogramme liefern immer wieder neue Ausgangssituationen.
  • Ungewöhnliche Klangtexturen: Stimmen, Musik und Störungen lassen sich durch Filter und Effekte verändern.
  • Experimentelles Sounddesign: Das Radiosignal ergänzt die internen Synthesizerstimmen um externe Klangquellen.
  • Spontanes Arbeiten: Audiomaterial kann unmittelbar verwendet werden, ohne vorher Samples am Computer vorbereiten zu müssen.

Drei Möglichkeiten, Klangmaterial einzuspeisen

Neben dem UKW-Radio bietet der Siluria einen Stereo-Line-Eingang und unterstützt WAV-Dateien, die über die Speicherkarte bereitgestellt werden können. Damit stehen drei unterschiedliche Wege zur Verfügung, um externes Audiomaterial in die Klanggestaltung einzubeziehen.

Das Radio eignet sich für spontane Experimente, während der Line-Eingang den Anschluss anderer Synthesizer, Sampler oder geeigneter Audiogeräte ermöglicht. WAV-Dateien sind dagegen sinnvoll, wenn man gezielt mit vorhandenen Aufnahmen arbeiten möchte. Dazu können Sprachaufnahmen, Naturgeräusche oder kurze musikalische Ausschnitte gehören.

Das Ziel besteht nicht unbedingt darin, das ursprüngliche Signal unverändert wiederzugeben. Vielmehr kann es durch Filter, Modulation und zeitbasierte Effekte seine ursprüngliche Identität verlieren und zu einer neuen Klangstruktur werden. Ein kurzer Sprachfetzen wird dadurch möglicherweise zu einer diffusen Fläche, während ein einfacher Ton einen beinahe organischen Charakter entwickelt. Diese Art der Klangverformung wird häufig als Sound Mangling bezeichnet und gehört zu den interessanten Einsatzmöglichkeiten des Siluria.

Digitale Klangerzeugung mit direkter Bedienung

Obwohl der Siluria durch sein Holzgehäuse einen handwerklichen Eindruck vermittelt, handelt es sich um einen digitalen Synthesizer. Seine Klangerzeugung und Signalverarbeitung basieren auf digitaler Technik, während die zahlreichen Drehregler eine unmittelbare Steuerung der Parameter ermöglichen.

Statt Einstellungen ausschließlich über verschachtelte Menüs vorzunehmen, kann man direkt an den Reglern drehen und die Veränderungen unmittelbar hören. Das ist besonders bei Drone-Synthesizern hilfreich, weil bereits kleine Anpassungen der Frequenz oder Effektintensität den Klang deutlich verändern können. Die Bedienelemente sind daher ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts und nicht bloß eine nostalgische Anspielung auf ältere Synthesizer.

Ganz ohne Einarbeitung kommt man allerdings nicht aus. Bestimmte Funktionen werden über Tastenkombinationen und die Bedienknöpfe aufgerufen, während ein kleines OLED-Display bei der Orientierung hilft. Wer das Instrument optimal nutzen möchte, sollte sich deshalb zunächst mit dem Handbuch vertraut machen.

Das Herzstück: der Drone und seine Klanggeneratoren

Der kontinuierliche Drone bildet den musikalischen Mittelpunkt des Siluria. Seine Tonhöhe lässt sich über einen eigenen Regler verändern. Für die Drone-Stimme stehen die Klangerzeugungsmodi SuperSaw, FM und Super Square zur Verfügung, die jeweils unterschiedliche Ausgangsklangfarben ermöglichen.

Die SuperSaw erzeugt durch mehrere leicht gegeneinander verstimmte Sägezahnschwingungen einen dichten, breiten Klang. FM steht für Frequenzmodulation und ermöglicht Klangfarben, die von glockenartig bis metallisch reichen können. Super Square basiert auf rechteckähnlichen Wellenformen, die einen markanten, obertonreichen Charakter besitzen.

Diese Klangerzeuger bilden lediglich den Ausgangspunkt für weitere Bearbeitungen. Durch Veränderungen der Tonhöhe und die Kombination mit Effekten entstehen Klangbilder, die von warmen, zurückhaltenden Drones bis hin zu scharfkantigen, beinahe geräuschhaften Strukturen reichen. Der musikalische Reiz entsteht dabei häufig nicht durch den Grundton allein, sondern durch dessen kontinuierliche Veränderung.

Eine Tastatur, die anders funktioniert

Neben dem Drone besitzt der Siluria eine berührungsempfindliche Tastatur mit zwölf Tasten. Anders als bei einem herkömmlichen Keyboard gibt es keine mechanisch beweglichen Tasten. Stattdessen reagiert die Oberfläche auf Berührungen und ermöglicht dadurch eine eigenständige Spielweise.

Über die Tastatur lässt sich eine zusätzliche Synthesizerstimme spielen, die einzelne Töne und einfache Melodien über den kontinuierlichen Drone legt. Vordefinierte Tonleitern erleichtern es, innerhalb eines bestimmten harmonischen Rahmens zu bleiben. Je nach Einstellung kann sich die Tonhöhensteuerung an der Grundtonhöhe des Drones orientieren.

Darüber hinaus unterstützt der Siluria polyphonen Aftertouch, wodurch zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten entstehen. Auch MIDI spielt eine wichtige Rolle: Das Instrument kann von externen Geräten gesteuert werden und selbst als MIDI-Controller dienen.

Was die Tastatur ermöglicht

  • Melodische Ergänzungen: Einzelne Töne und kurze Melodien lassen sich über den Drone legen.
  • Tonleitern: Vorgegebene Skalen erleichtern harmonisches Experimentieren.
  • Ungewöhnliche Spielweisen: Die berührungsempfindliche Oberfläche ermöglicht andere Bewegungen als eine mechanische Klaviatur.
  • MIDI-Steuerung: Das Instrument lässt sich in ein größeres elektronisches Musiksetup integrieren.

Effekte, die einfache Töne komplex machen

Die Effektbearbeitung gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Siluria. Zu den zentralen Möglichkeiten zählen Filter, Reverb, Delay und Flanger. Ihre genaue Verfügbarkeit und Kombination kann vom gewählten Patch abhängen.

Filter verändern den Frequenzbereich eines Signals und können einen hellen Klang abdunkeln oder bestimmte Obertöne hervorheben. Reverb erzeugt einen räumlichen Eindruck und verbindet einzelne Klänge zu zusammenhängenden Flächen. Delay fügt zeitlich verzögerte Wiederholungen hinzu, die von deutlichen Echos bis zu komplexen Klangmustern reichen. Ein Flanger erzeugt durch veränderliche Verzögerungen charakteristische, häufig metallisch oder schwebend wirkende Klangveränderungen.

Besonders interessant wird es, wenn diese Effekte miteinander kombiniert werden. Ein einfacher Ausgangston kann dadurch eine überraschende Komplexität entwickeln. Bei entsprechender Abstimmung entstehen zusätzliche Obertöne und Bewegungen, die den ursprünglichen Klangcharakter erheblich verändern. Die eigentliche Klanggestaltung beginnt beim Siluria deshalb nicht unbedingt beim Oszillator, sondern häufig erst beim Zusammenspiel aus Klangerzeugung und Effektbearbeitung.

Sechs Patches für unterschiedliche Arbeitsweisen

Der Siluria bietet mit Firmware-Version 1.2 sechs Patches, die unterschiedliche Ansätze für die Klangerzeugung und Bedienung ermöglichen. Sie heißen:

  • Classic: Die ursprüngliche Betriebsart mit Drone und spielbarer Tastatur.
  • Tanpura: Ausrichtung auf anhaltende, bordunartige Klangstrukturen.
  • Shepard: Bezug zum charakteristischen Shepard-Ton und entsprechenden Tonhöhenillusionen.
  • Formant: Schwerpunkt auf formantartigen Klangfarben.
  • Modal: Eine modal orientierte musikalische Arbeitsweise.
  • Service: Ein Wartungsmodus, der nicht für den normalen musikalischen Betrieb vorgesehen ist.

Die einzelnen Betriebsarten unterscheiden sich nicht nur durch ihre Klangfarben, sondern teilweise auch durch ihre Funktionsweise. Die verschiedenen Patches geben dem Instrument jedenfalls mehr Flexibilität, als es seine spezialisierte Ausrichtung zunächst vermuten lässt.

MIDI, Anschlüsse und technische Ausstattung

Trotz seines ungewöhnlichen Charakters lässt sich der Siluria in ein größeres elektronisches Musiksetup integrieren. MIDI ermöglicht die Steuerung durch externe Geräte und die Verwendung der berührungsempfindlichen Tastatur als Controller. Über den Stereo-Line-Eingang lassen sich externe Audiosignale einspeisen, während der Audioausgang das bearbeitete Signal an ein Mischpult, Audiointerface oder andere geeignete Geräte weitergibt.

Zusätzlich besitzt das Instrument einen separaten Ausgang für das unbearbeitete UKW-Radiosignal. USB-C dient der Stromversorgung und Datenübertragung, während eine Speicherkarte für Aufnahmen und weitere Audiodateien verwendet wird.

Zu den wesentlichen technischen Merkmalen gehören:

  • Digitale Klangerzeugung mit einem Dual-Core-RISC-V-Prozessor.
  • 512 MB Speicher und ein Audio-Codec mit einer Abtastrate von 48 kHz.
  • Zwölf berührungsempfindliche Tasten.
  • MIDI-Steuerung und MIDI-Controller-Funktion.
  • Stereo-Line-Eingang und Audioausgang.
  • Integrierter UKW-Radioempfänger mit separatem Signalausgang.
  • USB-C für Stromversorgung und Datenübertragung.
  • Speicherkarte zur Aufnahme und Verwaltung von Audiodateien.
  • OLED-Display zur Bedienung und Statusanzeige.

Die Ausstattung zeigt, dass der Siluria technisch mehr bietet als ein einfacher Drone-Generator. Trotzdem ersetzt er keinen großen Produktionssynthesizer mit umfangreichem Sequencer und klassischer Keyboard-Spielweise. Sein Schwerpunkt bleibt die Verbindung aus Drone, Klangbearbeitung und direkter Kontrolle.

Aufnehmen und Klänge weiterentwickeln

Der Siluria kann Klangmaterial direkt auf der Speicherkarte aufnehmen. Das ist praktisch, wenn während einer spontanen Improvisation eine interessante Klangkombination entsteht, die sich später nur schwer exakt reproduzieren ließe. Solche Aufnahmen können anschließend angehört, weiterverarbeitet oder in eine Komposition eingebaut werden.

Über USB lässt sich außerdem auf die Dateien zugreifen. Dadurch können längere Drone-Passagen, atmosphärische Hintergrundtexturen oder einzelne Soundeffekte entstehen, die später in einer Digital Audio Workstation weiterbearbeitet werden. Gerade bei Film- und Spielevertonungen ist diese Arbeitsweise interessant, weil dort häufig Klänge benötigt werden, die weniger musikalisch als vielmehr atmosphärisch wirken sollen.

Wie klingt der Siluria in der Praxis?

Der tatsächliche Klang hängt stark von den Einstellungen ab. Die Möglichkeiten reichen von einfachen, lang anhaltenden Tönen bis zu dichten und stark bearbeiteten Klangflächen. Wer einen ruhigen Drone sucht, kann mit einer passenden Grundfrequenz und zurückhaltenden Effekten beginnen. Experimentierfreudige Nutzer können dagegen die Frequenzen verändern, verschiedene Klangbestandteile kombinieren und die Effekte stärker in den Vordergrund rücken.

Die Radiofunktion erweitert dieses Spektrum um Material, das nicht ausschließlich aus den internen Synthesizerstimmen stammt. Durch die Kombination von Radiosignalen mit Hall, Delay und Filterung können Strukturen entstehen, die sich deutlich von gewöhnlichen Synthesizerklängen unterscheiden.

Ein Bericht von Sonic State aus dem September 2024 hob insbesondere die Möglichkeit hervor, UKW-Rundfunksignale in Echtzeit zu bearbeiten. Auch in der Synthesizer-Community wurde das eigenständige Design des Instruments positiv wahrgenommen. Solche Einschätzungen sind allerdings subjektiv. Ob der Siluria überzeugt, hängt vor allem davon ab, ob seine experimentelle Ausrichtung zur eigenen musikalischen Arbeitsweise passt.

Für welche Musik eignet sich der Siluria?

Seine Stärken zeigt der Siluria vor allem dort, wo Klangflächen und Texturen eine wichtige Rolle spielen. Im Ambient bildet ein kontinuierlicher Drone das Fundament, während zusätzliche Töne und Effekte für Bewegung sorgen. In der experimentellen Elektronik lassen sich durch Modulation, Filterung und externe Audiosignale bewusst ungewöhnliche Klangstrukturen erzeugen.

Auch für Sounddesign ist das Instrument interessant, weil sich einzelne Klangexperimente aufnehmen und später weiterverwenden lassen. Besonders geeignet ist es für folgende Bereiche:

  • Ambient und Drone Music: Schwebende Klänge, lang anhaltende Töne und langsame Veränderungen.
  • Experimentelle Elektronik: Ungewöhnliche Frequenzkombinationen und stark bearbeitete Audiosignale.
  • Film- und Spielevertonung: Atmosphärische Geräusche und musikalische Übergänge.
  • Live-Improvisation: Spontane Klangveränderungen und längere Improvisationen.
  • Sounddesign: Ungewöhnliche Texturen aus Radio, Line-Eingang und WAV-Dateien.
  • Musikalische Skizzen: Schnelles Festhalten spontaner Klangideen.

Wer dagegen einen möglichst universellen Synthesizer für klassische Melodien, komplexe Sequenzen und unterschiedlichste musikalische Aufgaben sucht, dürfte mit einem anderen Instrument besser bedient sein.

Bedienung und Verarbeitung

Die zahlreichen Regler vermitteln zunächst den Eindruck einer unmittelbaren Bedienung. Viele Parameter lassen sich direkt verändern, während andere Funktionen über Tastenkombinationen und die Bedienknöpfe IN und OUT aufgerufen werden. Das OLED-Display hilft bei der Orientierung, dennoch ist eine gewisse Einarbeitung notwendig. Wer das Handbuch kennt, kann sich stärker auf das eigentliche Experimentieren konzentrieren, anstatt während des Spielens nach Funktionen suchen zu müssen.

Auch optisch hebt sich der Siluria von vielen gewöhnlichen Synthesizern ab. Das Holzgehäuse und die eigenständige Gestaltung vermitteln einen handwerklichen Eindruck. In einem Erfahrungsbericht aus dem Mai 2025 beschrieb ein Nutzer sein Exemplar als wertig verarbeitet und erwähnte die individuelle Seriennummer im Holz. Solche Eindrücke sind subjektiv und lassen sich nicht auf jedes Exemplar übertragen, zeigen aber, dass das Design zum Charakter des Instruments beiträgt.

Das Handbuch weist außerdem darauf hin, dass der Siluria nicht als Spielzeug gedacht ist. Unter anderem werden mögliche irritierende Rückstände an Schnittkanten der Front- und Seitenplatten erwähnt. Das ist ein praktischer Hinweis zum Umgang mit dem Gerät, ändert aber nichts an seiner grundsätzlichen Ausrichtung als elektronisches Musikinstrument.

Die wichtigsten Vor- und Nachteile

Der Siluria überzeugt vor allem durch seine ungewöhnliche Kombination aus direkter Bedienung und experimentellen Klangquellen.

Vorteile:

  • Eigenständiges Konzept für Drone-Synthese und Sounddesign.
  • Integrierter UKW-Empfänger als ungewöhnliche Klangquelle.
  • Verarbeitung externer Audiosignale und WAV-Dateien.
  • Direkte Steuerung über zahlreiche Drehregler.
  • Berührungsempfindliche Tastatur mit zusätzlichen Ausdrucksmöglichkeiten.
  • Verschiedene Patches für unterschiedliche musikalische Ansätze.
  • MIDI-Unterstützung zur Integration in andere Setups.
  • Direkte Aufnahme von Klangmaterial auf Speicherkarte.

Nachteile:

  • Relativ spezialisierte Ausrichtung auf Drone und experimentelle Musik.
  • Gewisse Einarbeitung für die Bedienung erforderlich.
  • Kein Ersatz für einen vollwertigen Produktionssynthesizer mit umfangreichem Sequencer.
  • Nutzen der Radiofunktion abhängig von Empfang und persönlichem Interesse.
  • Historischer Vorbestellungspreis von 599 Euro als beträchtliche Investition für ein Spezialinstrument.

Die Attraktivität des Siluria entsteht weniger durch die reine Anzahl seiner Funktionen als durch deren Zusammenspiel. Genau diese Kombination macht ihn interessant, kann aber auch bedeuten, dass nicht jeder Musiker einen ausreichenden Nutzen aus ihm zieht.

Siluria im Vergleich zu gewöhnlichen Synthesizern

Viele Klangmöglichkeiten des Siluria lassen sich grundsätzlich auch mit anderen Geräten umsetzen. Ein herkömmlicher Synthesizer kann einen Drone erzeugen, Effektgeräte können Hall und Delay hinzufügen, und ein Sampler kann externe Aufnahmen wiedergeben. Auch ein separates Radio lässt sich in eine solche Signalkette integrieren.

Der Unterschied liegt vor allem darin, dass beim Siluria alle diese Möglichkeiten in einem Instrument zusammengeführt sind. Man muss nicht erst mehrere Geräte verkabeln oder eine komplexe Produktionsumgebung einrichten, bevor man mit der Klanggestaltung beginnen kann. Das kann spontane Ideen fördern und den Einstieg in experimentelle Klangwelten erleichtern.

Natürlich ist ein spezialisiertes Instrument nicht automatisch inspirierender als ein flexibles Setup. Manche Musiker bevorzugen die Freiheit, unterschiedliche Geräte miteinander zu kombinieren. Andere schätzen die klare Ausrichtung und die Einschränkungen eines Instruments, das zu einer bestimmten Arbeitsweise einlädt. Der Siluria gehört eher zur zweiten Kategorie: Er soll nicht jede musikalische Aufgabe übernehmen, sondern eine eigenständige Form des Musizierens ermöglichen.

Fazit: Ein kurioses Instrument mit einer klaren Idee

Der Siluria von PhonicBloom zeigt, dass ein Synthesizer nicht möglichst viele Funktionen besitzen muss, um interessant zu sein. Seine Besonderheit liegt in der Verbindung aus Drone-Synthese, berührungsempfindlicher Tastatur, direkter Parametersteuerung und externen Klangquellen. Das integrierte UKW-Radio ist dabei das wohl kurioseste Merkmal, denn es macht gewöhnliche Rundfunksignale zu einem Ausgangspunkt für experimentelle Klanggestaltung.

Auch ohne Radio bietet der Siluria zahlreiche Möglichkeiten für Ambient, Sounddesign und elektronische Experimente. Seine verschiedenen Klanggeneratoren, die Effekte und die Aufnahmefunktion machen ihn besonders für Musiker interessant, die gerne mit lang anhaltenden Klangflächen und ungewöhnlichen Texturen arbeiten. Wer hingegen einen universellen Synthesizer für klassische Melodien, komplexe Sequenzen und möglichst viele Einsatzgebiete sucht, wird wahrscheinlich andere Geräte bevorzugen.

Der Siluria ist kein Instrument für jeden Geschmack, und genau das macht einen Teil seines Reizes aus. Er lädt dazu ein, weniger über fertige musikalische Ergebnisse nachzudenken und sich stärker auf das Hören, Verändern und Entdecken einzulassen. Manchmal entsteht ein ruhiger, schwebender Klang, manchmal eine raue, fremdartige Textur. Mit etwas Glück führt eine zufällige Kombination aus Radioempfang, Tonhöhe und Effekten sogar in eine Richtung, die man vorher nicht geplant hatte.

Der Siluria ist damit mehr als ein gewöhnlicher Synthesizer: Er ist ein Instrument, das zum Experimentieren einlädt und den Weg zum Klang selbst zum musikalischen Erlebnis macht.

➜ UVP: 699,00 EUR (exkl. VAT)
➜ Homepage: https://phonicbloom.com/siluria
➜ Demo: https://www.youtube.com/watch?v=a0BbVK3LdTk

 



Kommentare

THE EYE
THE EYE vor 5 Tagen
Es lockt ein neuer Exot, und das Interesse ist definitiv geweckt. Vielen Dank für den Beitrag.

Man stürzt sich sofort in die Recherche und stellt spätestens nach einer gefühlten Stunde fest: Hier wurde nichts Neues erfunden. Vielmehr wurde etwas Etabliertes aus kleinen Manufakturen rund um den Globus in abgespeckter Form in ein hübsches Kleid verbaut.

Der Grundsound basiert auf einer verhältnismäßig simplen digitalen Sound-Engine. Die eigentliche Magie und der überwiegende Charakter entstehen erst durch die massive Nachbearbeitung über die eingebauten Effekte, im Inneren schlummert ein reines Pedalsammelsurium.

Was hier vorliegt, ist keine Neuerfindung des Rades in der Synthesizer-Geschichte, sondern ein bekanntes Konzept in einem edlen Boutique-Gewand, das zum Sound-Mangling verführen soll.

Ja, das wird für den einen oder anderen ein Argument sein, sich diesen Exoten ins Haus zu holen. Von der ersten Euphorie völlig erblindet, bekommt das Unikum einen Platz genau im Zentrum des Arbeitsplatzes. Jetzt husch angeschlossen, und nichts kann einen mehr davon ablenken, in einer Orgie aus spitzen Höhen und einem bedrohlich tiefen Erdloch in die Dunkelheit abzutauchen.

Während man sich nun über Tage dieser musikalischen Hexenküche aussetzt, während Außenstehende das Gehirn des Spielers gleich mit in dieser Suppe untergehen sehen, als gäbe es kein Morgen mehr, wird der Verführte im "Darknesshouse", oh Schreck, oh Graus, ein störendes Licht am Ende des Rausches erblicken.

Mit einem Male ist der graue Star von der Linse entflogen, die dreitägige Blindheit, in der man gebadet hat, einfach so abhandengekommen. Die Zeit der Unendlichkeit ist erloschen, verdrängt vom aufkommenden Licht im Hirn. In kürzester Zeit hat man dieses dämonische Etwas komplett durchschaut.

Das Soundlabor durchläuft einen festen Weg, von der Aorta und ihren Arterien über die Venen bis hin zu den Kapillaren. Jener unvermeidliche Punkt, an dem einem bewusst wird, dass hier wohl das Ende erreicht ist......
Wenn da das integrierte UKW-Radio nicht wäre, mit dem sich jeder Output dieses Gadgets zerpflücken und verdrehen lässt.

Alles in allem ein Synth wie für das Staubtuch geschaffen. Der Wert liegt hier immerhin nicht in einer bahnbrechenden Erfindung, sondern im Workflow und bestimmten Nischen-Features. Doch auch hier schlägt das Preis-Leistungs-Verhältnis zu: Eine starre Softwareschicht macht das wahre Modulieren der Sounds einfach unmöglich. Alternativen in dieser Preisklasse sind rar gesät, wie zum Beispiel das Make Noise Strega oder das Neutral Labs Elmyra 2.

Wer ein wenig mehr Freiheit im unendlichen Klanguniversum sucht, muss tiefer in die Tasche greifen, was sich aber definitiv auszahlt.

Sell The Tab
Sell The Tab vor 11 Tagen
Vielen Dank für das Review. Das ließt sich sehr interessant.


von  Redaktion am 21.10.2026
Aufrufe  156



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