Sommerloch 2026: Das ist passiert!
Unsere Redaktion war in der Sommerpause – die Musikbranche offenbar nicht. Während vielerorts die Studios etwas ruhiger liefen und der Sommer genossen wurde, haben sich im Juli und August 2026 einige Entwicklungen gezeigt, die für Musiker, Produzent, DJs und die Audioindustrie relevant sein dürften.
Vor allem ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch die vergangenen zwei Monate: Künstliche Intelligenz und die Frage, wo die Grenze zwischen Werkzeug, Urheber und Täuschung verläuft. Gleichzeitig wurde die Neuordnung rund um Native Instruments konkreter, Unternehmen wechselten den Besitzer und mit Linux-Support für Serum 2 gab es auch eine erfreuliche Nachricht für eine bisher eher stiefmütterlich behandelte Plattform.
Wir haben die wichtigsten Entwicklungen der Sommerpause chronologisch zusammengetragen.
🗓️ 2. Juli: iZotope verlässt Native Instruments und geht zu Boris FX
Den Auftakt der großen Umbruchphase machte Anfang Juli iZotope. Am 2. Juli wurde offiziell bekanntgegeben, dass das Unternehmen künftig Teil von Boris FX wird. Damit verschwindet eine weitere wichtige Marke aus dem bisherigen Native-Instruments- beziehungsweise Soundwide-Konstrukt.
Für iZotope ist das durchaus ein interessanter Schritt. Boris FX ist vor allem aus der Video- und Postproduktionswelt bekannt, unter anderem durch Produkte wie Sapphire, Continuum und Mocha Pro. Mit iZotope kommt nun ein Schwergewicht aus den Bereichen Audiorestauration, Mixing und Mastering hinzu.
Für Nutzer von RX, Ozone, Neutron und Co. dürfte zunächst vor allem eine Frage interessant sein: Was bedeutet der neue Besitzer für die Entwicklung der Produkte?
Boris FX betont, dass beide Unternehmen einen ähnlichen Ansatz verfolgen: Technologie soll kreative Prozesse unterstützen, ohne den eigentlichen kreativen Prozess zu ersetzen. iZotope sieht in der Übernahme wiederum zusätzliche Ressourcen für die Weiterentwicklung seiner Produktpalette.
Damit war bereits Anfang Juli klar: Die Aufspaltung des ehemaligen Soundwide-Konstrukts ist in vollem Gange.
🗓️ Mitte Juli: Rund 100 Jobs bei Native Instruments fallen weg
Wenige Tage später wurde es deutlich unangenehmer. Nach der Übernahme von Native Instruments durch inMusic wurden Mitte Juli Berichte über massive Entlassungen bekannt.
Am 16. Juli berichteten mehrere Quellen von rund 100 betroffenen Mitarbeiter bei Native Instruments. Die Kürzungen sollen nahezu alle Unternehmensbereiche betroffen haben. Besonders schwer wiegt dabei der Bericht, dass offenbar auch das komplette Kundensupport-Team gestrichen wurde.
Die Übernahme selbst war erst am 8. Mai offiziell bestätigt worden. Native Instruments war zuvor im Zuge seiner finanziellen Schwierigkeiten in ein vorläufiges Insolvenzverfahren geraten. Mit inMusic schien schließlich ein Käufer gefunden, der die Zukunft des Unternehmens sichern sollte.
Die Realität nach dem Eigentümerwechsel sah allerdings schnell anders aus.
Besonders bitter ist der Kontrast zu den Aussagen unmittelbar nach der Übernahme. inMusic hatte damals von einer sehr positiven und sicheren Zukunft für Native Instruments gesprochen. Wenige Wochen später folgten die ersten größeren Stellenstreichungen.
Dabei geht es nicht nur um Zahlen auf einem Papier. Hinter den rund 100 Stellen stehen Menschen, die teilweise über Jahre an Produkten wie Kontakt, Maschine, Komplete und Traktor gearbeitet haben.
🗓️ 15. Juli: Dirk Ulrich holt Plugin Alliance und Brainworx zurück
Nur einen Tag vor den ersten größeren Berichten über die Entlassungen bei Native Instruments kam gleichzeitig eine überraschende Nachricht aus einem anderen Teil des ehemaligen Soundwide-Imperiums.
Dirk Ulrich ist zurück.
Der Gründer von Brainworx und Plugin Alliance gab bekannt, dass er beide Unternehmen am 15. Juli 2026 zurückgekauft hat. Die Marken gehören nun zu seiner neu gegründeten beziehungsweise neu aufgestellten Gesellschaft RCKFRC, zu der auch Apogee und Manley gehören.
Damit ist eine der interessantesten Geschichten der vergangenen Jahre beinahe wieder am Ausgangspunkt angekommen.
Plugin Alliance und Brainworx waren ursprünglich von Ulrich aufgebaut worden. Nach mehreren Eigentümerwechseln und der Eingliederung in das Soundwide-/Native-Instruments-Umfeld sind beide Marken nun wieder unter seiner persönlichen Führung.
Für die Szene ist das vor allem deshalb interessant, weil damit drei sehr unterschiedliche Zukunftsmodelle innerhalb weniger Tage sichtbar wurden:
- Native Instruments bleibt unter dem Dach von inMusic.
- iZotope gehört künftig zu Boris FX.
- Plugin Alliance und Brainworx sind wieder bei ihrem Gründer Dirk Ulrich.
🗓️ 31. Juli: GEMA gewinnt gegen Suno – ein wichtiges Signal!
Ende Juli kam schließlich die Nachricht, die für die gesamte KI-Musikbranche vermutlich noch größere Konsequenzen haben könnte.
Am 31. Juli 2026 entschied das Landgericht München I im Verfahren GEMA gegen Suno weitgehend zugunsten der deutschen Verwertungsgesellschaft. Es handelt sich nach Einschätzung von Bird & Bird um den ersten europäischen Gerichtsfall dieser Art rund um einen generativen KI-Musikdienst.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Suno urheberrechtlich geschützte Musikwerke ohne entsprechende Erlaubnis zum Training seiner KI verwenden durfte.
Die GEMA hatte unter anderem sechs bekannte Werke zum Gegenstand des Verfahrens gemacht. Dazu gehören Titel wie „Atemlos“ und „Mambo No. 5“. Das Gericht folgte wesentlichen Argumenten der GEMA und untersagte Suno, bestimmte geschützte Werke ohne Zustimmung zu vervielfältigen oder zur Vervielfältigung zu nutzen – ausdrücklich auch im Zusammenhang mit dem Training der KI.
Für die KI-Musikbranche ist das ein ziemlich deutlicher Warnschuss.
Denn die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr nur: Kann eine KI Musik erzeugen?
Sondern:
Mit welchen Daten darf sie dafür überhaupt trainiert werden?
Genau hier könnte das Urteil weit über Suno hinausreichen. Es ist zwar noch nicht rechtskräftig, dennoch dürfte der Fall für weitere Verfahren gegen KI-Musikdienste eine wichtige Rolle spielen.
🗓️ 2. August: Die EU zieht die absolute Grenze
Während das GEMA-Urteil die juristische Seite der KI-Debatte beleuchtete, trat am 2. August 2026 eine weitere wichtige Regelung in Kraft: Die Transparenzpflichten des europäischen AI Act wurden final wirksam.
Damit beginnt eine neue Phase für den Umgang mit generativen KI-Inhalten innerhalb der EU. Die entsprechenden Regelungen verpflichten Anbieter generativer KI unter anderem dazu, dafür zu sorgen, dass KI-generierte Inhalte grundsätzlich identifizierbar sind. Für bestimmte Inhalte gelten zusätzliche Kennzeichnungsanforderungen.
Für die Musikbranche ist das besonders spannend, weil KI längst nicht mehr nur ein Thema für Entwickler und Start-ups ist. Musikgeneratoren, KI-Stimmen, generierte Instrumente und komplette KI-Tracks sind mittlerweile Teil des normalen Produktionsalltags.
Die praktische Umsetzung bleibt allerdings kompliziert. Denn zwischen einem komplett von einer KI erzeugten Song und einem menschlich produzierten Track, bei dem beispielsweise eine KI beim Mastering, bei der Restaurierung oder bei einzelnen Soundelementen geholfen hat, liegen Welten.
Genau diese Grauzone wird uns vermutlich noch einige Zeit beschäftigen.
🗓️ 11. August: Spotify kennzeichnet KI-Künstler
Im August begann auch Spotify, konkreter auf das Problem künstlicher Künstleridentitäten zu reagieren.
Am 11. August 2026 kündigte Spotify ein neues Label für sogenannte „AI Personas“ an. Damit sollen Künstlerprofile gekennzeichnet werden, die von generativer KI erzeugt wurden und keine reale menschliche Person repräsentieren. Die Kennzeichnung soll unter anderem im Künstlerprofil, bei der Suche und bei einzelnen Tracks sichtbar werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur bloßen Kennzeichnung einzelner KI-Songs.
Denn inzwischen kann nicht nur die Musik künstlich sein. Auch der vermeintliche Künstler dahinter kann vollständig erfunden sein – inklusive Name, Biografie, Bildsprache und Profil.
Spotify will mit dem neuen System genau hier mehr Transparenz schaffen. Der Rollout der „AI Persona“-Kennzeichnung soll ab Mitte September 2026 beginnen.
Spotify setzt dabei offenbar auf eine Kombination aus Angaben der Rechteinhaber und eigenen Prüfungen. Gleichzeitig sollen Nutzer verdächtige Profile melden können.
Die Richtung ist damit klar: KI darf auf Spotify stattfinden – aber sie soll nicht länger so tun müssen, als wäre sie ein Mensch.
🗓️ 18. August: Beatport zieht die Reißleine
Noch härter als Spotify geht Beatport vor.
Am 18. August 2026 wurde bekannt, dass Beatport seine Maßnahmen gegen vollständig KI-generierte Musik deutlich verschärft. Tracks, die vollständig oder mehrheitlich durch KI erzeugt wurden, sollen bereits beim Upload erkannt und zurückgehalten werden.
Dafür baut Beatport seine Zusammenarbeit mit Beatdapp aus. Ziel ist es, KI-generierte Musik bereits während der Aufnahme in den Katalog zu erkennen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen KI-generierter und KI-unterstützter Musik.
Beatport stellt sich nicht grundsätzlich gegen künstliche Intelligenz als Werkzeug. Ein Produzent, der beispielsweise KI für einzelne Arbeitsschritte verwendet, soll nicht automatisch mit einem komplett generierten Song gleichgesetzt werden. Die Plattform will vielmehr verhindern, dass reine „Prompt-to-Publish“-Produktionen den Markt überschwemmen.
Die Entscheidung kommt nicht völlig überraschend. Beatport hatte bereits zuvor eine kritische Haltung gegenüber vollständig KI-generierter Musik. Neu ist vor allem die technische Durchsetzung dieser Position.
Und die Zahlen, die Beatport dazu veröffentlicht hat, sprechen eine deutliche Sprache: In einer eigenen Befragung gaben 60 Prozent der Befragten an, keine KI-generierten Tracks in ihren DJ-Sets spielen zu wollen. 77 Prozent bevorzugten ausdrücklich Musik von menschlichen Kreativen. Nur acht Prozent waren aktuell offen dafür, KI-Tracks zu spielen.
Für den elektronischen Musikmarkt ist das ein ziemlich deutliches Signal.
🗓️ Ebenfalls am 18. August: Serum 2 kommt offiziell auf Linux
Und dann gab es mitten in der KI-Debatte doch noch eine Nachricht, die vielen Musiker ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte.
Xfer Records test Serum 2 für Linux.
Am 18. August 2026 wurde eine Linux-Unterstützung für Serum 2 als Beta-Update bekannt. Damit erhält einer der beliebtesten Software-Synthesizer überhaupt erstmals einen deutlich offizielleren Weg auf die Linux-Plattform.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil Linux im Musikproduktionsbereich traditionell ein schwieriges Pflaster ist. Viele wichtige Plugins und DAWs konzentrieren sich weiterhin auf Windows und macOS.
Serum konnte zwar bereits zuvor über Wine beziehungsweise Kompatibilitätslösungen unter Linux betrieben werden. Eine offizielle beziehungsweise integrierte Linux-Unterstützung von Xfer Records ist jedoch eine ganz andere Hausnummer.
Für Linux-Musiker könnte das ein kleiner, aber wichtiger Schritt sein.
🗓️ Ende August: Auch Apple Music will KI-Musik sichtbar machen
Und als Abschluss dieser Sommerpause setzt nun auch Apple Music auf mehr Transparenz.
Apple plant, noch in diesem Jahr Kennzeichnungen für KI-generierte beziehungsweise maßgeblich mit KI erzeugte Musik einzuführen. Branchenpartner sollen entsprechende Informationen übermitteln können, damit Nutzer erkennen können, ob ein Track in wesentlichem Umfang durch generative KI entstanden ist.
Ganz neu ist das Thema bei Apple allerdings nicht. In den technischen Spezifikationen für Apple Music existiert bereits seit 2026 ein entsprechendes „AI Transparency“-Metadatenfeld. Damit können Inhalte gekennzeichnet werden, bei denen ein wesentlicher Teil beispielsweise eines Musikvideos mit KI erzeugt wurde.
Jetzt soll diese Transparenz offenbar stärker auf die Musik selbst ausgeweitet werden.
🗓️ 25. August: In Australien fliegt KI-Musik aus den Charts
Auch Australien zieht im Streit um KI-generierte Musik eine klare Grenze. Die Australian Recording Industry Association (ARIA) hat ihren „Charts Code of Practice“ überarbeitet: Vollständig mit generativer KI erzeugte Songs sind künftig nicht mehr für die offiziellen australischen Charts zugelassen. Die neuen Regeln gelten ab der Chartwoche vom 31. August.
Ganz ausgeschlossen wird KI aus der Musik allerdings nicht. Songs, bei denen KI lediglich unterstützend eingesetzt wurde, können weiterhin in die Charts kommen. Voraussetzung ist, dass die Aufnahme wesentlich von Menschen geschaffen wurde und keine Bedenken hinsichtlich Streaming- oder Chartmanipulation bestehen. Auch die verwendeten KI-Dienste müssen rechtmäßig eingesetzt worden sein.
Auslöser für die Diskussion war unter anderem eine KI-unterstützte Coverversion von Madonnas „Like a Prayer“ des australischen Produzenten Josh Fawaz. Der Song stieg bis auf Platz zwei der australischen Singles-Charts und blieb insgesamt 16 Wochen in den Top 20. Nachdem bekannt wurde, dass unter anderem Gesang und Schlagzeug mithilfe von KI erzeugt worden waren, nahm die Diskussion über die Grenzen von KI-Musik deutlich an Fahrt auf.
Damit setzt Australien ein weiteres deutliches Signal gegen vollständig künstlich erzeugte Musik – und folgt einer Entwicklung, die sich auch in Europa und bei großen Streamingplattformen beobachten lässt. Nach GEMA gegen Suno, den neuen EU-Transparenzpflichten sowie den geplanten Kennzeichnungen bei Spotify und Apple Music wird immer deutlicher: KI-Musik wird nicht verschwinden, aber sie soll künftig erkennbar sein – und nicht überall die gleichen Chancen wie von Menschen geschaffene Musik erhalten.
🗓️ 27. August: Reason Free – das Reason-Rack wird kostenlos
Zum Abschluss der Sommerpause gibt es noch eine überraschend erfreuliche Nachricht für Produzent:innen: Reason Studios macht sein Reason Rack kostenlos. Mit Reason Free steht seit dem 27. August 2026 eine kostenlose Version des bekannten Rack-Plugins zur Verfügung, die dauerhaft kostenlos genutzt werden kann. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine zeitlich begrenzte Demo oder eine abgespeckte Testversion: Es gibt weder Ablaufdatum noch Wasserzeichen.
Reason Free bringt dabei einen durchaus umfangreichen Ausschnitt aus der Reason-Welt in praktisch jede gängige DAW. Das Plugin läuft unter Windows und macOS als VST3, AU und AAX und kann damit beispielsweise in Ableton Live, Cubase, FL Studio, Logic Pro, Pro Tools, Bitwig oder Reaper eingesetzt werden.
Im kostenlosen Rack stecken insgesamt 15 Instrumente, Effekte und kreative Werkzeuge. Dazu gehören unter anderem der Wavetable-Synthesizer Europa, die Drum Machine Kong, der Bass-Synthesizer Monotone und das Instrumentenmodul ID8. Auch bekannte Reason-Effekte wie Scream 4, The Echo, Audiomatic, der RV7000 MkII und der MClass Maximizer sind enthalten.
Besonders interessant ist allerdings nicht nur die Auswahl der kostenlosen Geräte, sondern das Rack-Konzept selbst. Reason war schon immer dafür bekannt, virtuelle Geräte miteinander zu verkabeln und komplexe Signalwege aufzubauen. Auch in Reason Free lässt sich das Rack auf der Rückseite öffnen, sodass virtuelle Kabel, Audio-Signale, MIDI und Modulationen frei miteinander verbunden werden können. Damit bekommt man nicht einfach eine Sammlung kostenloser Plugins, sondern einen kleinen modularen Baukasten.
Zum kostenlosen Paket gehören außerdem Werkzeuge wie Combinator, Pulsar, Scales & Chords, Spider Audio, Spider CV und MIDI Out. Gerade Combinator macht das Konzept interessant, weil sich damit mehrere Rack-Geräte zu eigenen Instrumenten- oder Effekt-Patches kombinieren lassen.
Noch interessanter wird der Schritt beim Blick auf das Rack-Extension-Ökosystem. Reason Studios öffnet den Zugang zum Rack-Extension-Marktplatz auch für Nutzer:innen von Reason Free. Damit können kostenlose und kostenpflichtige Erweiterungen von Reason Studios und Drittentwicklern innerhalb des kostenlosen Racks verwendet werden.
Das ist für Reason Studios strategisch durchaus clever. Das Rack-Extension-System existiert zwar schon seit Jahren, konnte sich gegenüber dem wesentlich größeren VST-Ökosystem aber nie vollständig durchsetzen. Durch den kostenlosen Einstieg könnte das Unternehmen nun versuchen, dem eigenen Plugin-Ökosystem wieder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Reason Free ist damit nicht nur ein Geschenk an Musiker:innen, sondern gleichzeitig ein neuer Einstiegspunkt in das komplette Reason-Ökosystem.
Wer später mehr benötigt, kann auf die kostenpflichtigen Angebote von Reason Studios wechseln. Die kostenlose Version soll dabei nicht einfach eine Sackgasse sein, sondern einen Vorgeschmack darauf geben, was mit der vollständigen Reason-Umgebung möglich ist. Selbst erstellte Combinator-Patches und Presets können später weiterverwendet werden.
Auch als eigenständige Produktionsumgebung ist Reason Free interessant: Laut Reason Studios kann die kostenlose Version zusätzlich mit bis zu 16 Spuren als DAW genutzt werden. Damit ist sie nicht ausschließlich ein Plugin für bestehende DAWs, sondern kann auch als kleiner, kostenloser Einstieg in die Reason-Produktionsumgebung dienen.
Für unsere Sommerpause ist das deshalb ein schöner Abschluss. Während die vergangenen zwei Monate vor allem von Übernahmen, Entlassungen, KI-Debatten und neuen Regeln geprägt waren, kommt mit Reason Free am Ende noch eine Nachricht, die ganz ohne große Kontroverse auskommt:
Ein etabliertes Musiksoftware-Unternehmen öffnet einen Teil seiner Plattform kostenlos für alle.
Und gerade für Einsteiger:innen ist das interessant. Wer bisher noch nie mit Reason gearbeitet hat, kann das charakteristische Rack-Konzept ausprobieren, ohne zunächst Geld investieren zu müssen. Gleichzeitig bekommen erfahrene Produzent:innen mit Europa, Kong, Scream 4, RV7000 MkII und den weiteren Geräten eine durchaus brauchbare Sammlung kostenloser Werkzeuge.
Damit reiht sich Reason Free perfekt in die positiven Meldungen unseres Sommer-Rückblicks ein – neben Serum 2 für Linux ist es eine der wenigen Nachrichten der vergangenen zwei Monate, bei denen die Musikproduzent:innen am Ende tatsächlich etwas bekommen, statt etwas zu verlieren.
💭 Was bleibt von dieser Sommerpause?
Zwei Monate Sommerpause – und trotzdem hat sich in der Musik- und Audiowelt erstaunlich viel bewegt. Vor allem ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Rückblick: Die Musikbranche beginnt, klare Grenzen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz zu ziehen.
Spotify kündigte mit dem „AI Persona“-Badge eine Kennzeichnung für Künstlerprofile an, deren Identität KI-generiert sein kann. Die Kennzeichnung soll ab Mitte September auf ausgewählten Profilen sichtbar werden. Beatport geht noch einen Schritt weiter und will vollständig KI-generierte Musik aus seinem Angebot heraushalten. Und auch Apple Music arbeitet daran, KI-Musik noch in diesem Jahr eindeutig erkennbar zu machen.
Besonders deutlich wird die Entwicklung mit Blick auf Australien. Die australische Musikindustrie hat festgelegt, dass vollständig mit generativer KI erzeugte Tracks ab der Chartwoche vom 31. August nicht mehr für die offiziellen ARIA-Charts zugelassen sind. KI darf weiterhin als unterstützendes Werkzeug eingesetzt werden – entscheidend ist, dass die Aufnahme weiterhin wesentlich von Menschen geschaffen wurde.
Damit entsteht langsam ein neues Verständnis von „KI-Musik“: Es geht nicht mehr nur darum, ob künstliche Intelligenz bei der Produktion verwendet wurde. Entscheidend wird zunehmend, welchen Anteil die KI tatsächlich an einem Werk hatte und ob das Publikum darüber informiert wird.
Auch rechtlich hat sich einiges getan. Das GEMA-Verfahren gegen Suno hat die Frage nach den Trainingsdaten von Musik-KIs in den Mittelpunkt gerückt. Gleichzeitig gelten seit dem 2. August wichtige Transparenzpflichten des europäischen AI Act. Die kommenden Monate dürften deshalb zeigen, wie konsequent diese neuen Regeln tatsächlich umgesetzt werden – und welche Auswirkungen sie auf Anbieter, Plattformen und Musiker:innen haben.
Doch die Sommerpause bestand nicht nur aus KI.
Auch die Musiksoftware-Branche selbst befindet sich im Umbruch. Die Übernahme von Native Instruments durch inMusic, die anschließenden Stellenstreichungen und die Veränderungen rund um das britische Native-Instruments-Geschäft zeigen, wie stark sich die Strukturen hinter einigen der bekanntesten Marken verändern. Gleichzeitig hat sich das ehemalige Soundwide-Konstrukt weiter aufgelöst: iZotope ist zu Boris FX gewechselt, während Plugin Alliance und Brainworx wieder unter der Führung ihres Gründers Dirk Ulrich stehen.
Und zwischen all diesen wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen gab es auch positive Nachrichten für Musiker:innen. Xfer Records arbeitet mit Serum 2 an Linux-Support, und Reason Studios hat mit Reason Free zum Abschluss der Sommerpause einen kostenlosen Einstieg in sein berühmtes Rack-System veröffentlicht. Reason Free ist seit dem 27. August verfügbar und bringt das Reason Rack kostenlos in andere DAWs.
Das macht den Rückblick vielleicht besonders interessant: Es gibt nicht die eine große Geschichte dieses Sommers.Stattdessen sehen wir mehrere Entwicklungen, die zusammen ein ziemlich klares Bild ergeben.
Die Musikbranche sortiert sich neu.
Unternehmen werden verkauft oder wieder zurückgekauft. Arbeitsplätze verschwinden, während andere Marken neue Eigentümer bekommen. Gleichzeitig verändert KI die Produktion, die Distribution und inzwischen sogar die Definition dessen, was ein „Künstler“ ist. Streamingdienste und Charts beginnen darauf zu reagieren und entwickeln eigene Regeln für Transparenz und Authentizität.
Und trotzdem bleibt Musikproduktion weiterhin eine kreative Spielwiese. Neue Software, neue Plattformen und neue Möglichkeiten entstehen – manchmal sogar kostenlos.
Wenn man also wissen möchte, was von dieser Sommerpause bleibt, dann vielleicht vor allem diese Erkenntnis: Die Musikbranche versucht gerade, ihre Spielregeln für eine neue technologische Realität zu finden.
Die Frage lautet längst nicht mehr, ob KI Teil der Musikproduktion wird. Das ist bereits passiert.
Die entscheidende Frage für die kommenden Monate wird vielmehr sein:
Wie viel KI darf in einem Song stecken, wie muss sie gekennzeichnet werden – und wo ziehen wir die Grenze zwischen menschlicher Kreativität und künstlich erzeugter Musik?
Nach diesem Sommer steht fest: Die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen.
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