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Electro  Magazin

Entertainment, Surrealismus und Dunkelheit

Interview mit guess
Entertainment, Surrealismus und Dunkelheit

Einigen von Euch wird in letzter Zeit ein Künstler aufgefallen sein, der sich über Trip Hop, Chill Out bis hin zum Ambient Genre breit macht und dabei ein auffallend surreales Sound Design hat.
Die Rede ist von Alex aka guess. Zeit, dem Herren mit einigen Fragen auf den Leib zu rücken.

 

Erstmal vielen herzlichen Dank für Deine Bereitschaft, am Interview teil zu nehmen.


Wie bist Du zur Musik gekommen und wann hast Du mit der Musik angefangen?


Gern! Mein erster Schritt in die Richtung ging damals vom Entertainerkeyboard meines Onkels aus. Damals war ich um die 10 Jahre alt. Das Ding hat mich dermaßen begeistert,
vor allem natürlich erst mal die Leucht-Tasten... habe 3 Stunden Piano Man rauf und runter gespielt, irgendwann zum Unmut der Runde *g*. Ein Paar Jahre später fand ich dann spontan zu Magix, glaub da war ich um die 13. Ein paar Sounds gebastelt und dann verlief sich das wieder.
Mit 18 führte mich ein Spezl dann erstmalig in Richtung Reason und DAW.


Insbesondere die surrealen Atmosphären sind bei Dir sehr auffällig. 

Was mich persönlich sehr stark interessiert ist, wie gehst Du an die Song- und Sound Gestaltung ran und was inspiriert Dich dabei?

Ja, bin momentan größtenteils Experimentell unterwegs. Aber auch erst seitdem sich mir erschlossen hat, mit welchen Mitteln man sowas umsetzt. Den Wunsch sowas zu machen hatte ich schon länger, befindet sich sozusagen alles in der Selbstfindungs-Phase noch. Ich fang meistens melodiös an, Drums oder Bass kommen immer erst hinterher, wenn überhaupt. Da viel Loop basiert reichen mir starke Samples/Sounds die eine passende Stimmung verbreiten. Um diesen Grundbaustein herum konzipier ich dann den Song und hab dann meist eine klare Vorstellung wo ich hin will. Vorher ist es reines rumprobieren à la Try & Error.
Ich halte mich so gut es geht fern von Presets, manchmal passen sie aber zu gut in den Song-Kontext, solange sie eine ergänzende Funktion haben geht das klar für mich. Aber gibt so Libraries, da drückt man eine Taste und aus den Boxen kommen ein halber Soundtrack raus... sowas macht zwar Spaß, hat mit selbst Schaffen aber nicht mehr viel gemein, Sampling seh ich ähnlich wenn so rein garnix an eigenem Input zu hören ist.
Inspiriert bin ich größtenteils von Musik, bei der ich selbst ein "Aha" Erlebnis hatte. Ein Track darf für mich niemals zu elektronisch klingen, aber zu akustisch is auch nix (trotzdem das kleinere Übel von beiden *g*). Die Mischung macht's aus im Prinzip.


Welches Equipment nutzt Du?


Cubase als DAW, manchmal immer noch mit Reason im Verbund weil Reason sehr mächtig klingen kann. An Instrumenten sind da Omnisphere/Trilian, Alchemy (momentan mein Liebling), NI Kontakt/Reaktor/Battery... irgendwann vielleicht das neue Complete.
Für's Zerstückeln SliceX, für's schaffen neuer Sounds, vor Allem Pads: "Harmor". FX und Mischen hauptsächlich das Waves Gold Bundle. An Hardware ein Midi-Keyboard (MPK49) und ESI-Monitore. Dann noch 3erlei Gitarren (Steel, Nylon (meine Liebe), und E). Eine Schifferorgel, 'ne Zither und 'ne Geige, denen ich ab und zu mal Sounds entlocken kann für den Sampler. Ein dynamisches Superlux und ein Kondensator T-bone, das mittlerweile leider rumspinnt. Wichtigstes Gimmick ist grad mein Recorder von Zoom, mittlerweile über ein Gig an Material. Macht Laune Sounds zu sammeln, hatte auch mal wieder nen vorgeschobenen Grund in die Tierpark zu gehen. *g*


Welche musikalischen Vorbilder hast Du?

Amon Tobin ist so ein Soundfrickler zu dem ich aufschaue. Spätestens seit Isam hat er bewiesen, dass er nicht "hängen" bleibt auf einer Richtung oder einem Stil und ruhelos nach neuen Möglichkeiten sucht seine Vorstellungen zu verwirklichen ohne jemals an Ästhetik einzubüßen, seine Handschrift hört man einfach. 
Viele mögen das neue Album nicht weil "zu technisch" und nicht mehr das altbackene Jazz-Sample Gedöns. Auch da hat er zwar bewiesen, dass Sampling nicht gleich Sampling ist, weil dieser Prozess bei ihm einfach hoch musikalisch abläuft, aber definitiv auch genug "Evergreens" geschaffen in dieser Richtung. Seine Sounds haben mittlerweile ein Eigenleben sozusagen, das melodiöse wird nie überlagert vom robotischen. Braucht trotzdem viel Aufmerksamkeit beim hören.
Wenn's um Vielfalt geht ist Nitin Sawhney noch einer den ich sehr mag. Bonobo, Morcheeba, Emancipator weil einfach durchweg "angenehme" Musik die nicht anstrengt und eigenen Flair hat der mich einnimmt. Raptechnisch ganz klar Aesop Rock. Und Danger Mouse wenn's um Producer geht... einer der besten zwecks düsterer Melancholie. Der benutzt die Gitarre Chordtechnisch ganz nach meinem Geschmack sozusagen.


Hip Hop ist für mich wichtig, weil...


"but Hip-Hop and Rap, yeah, that's where my Heart's at"


Mit wem würdest Du mal gerne zusammen arbeiten?


Mit einer Sängerin die zu viel raucht und trinkt (muss aber nicht *g*), Moloko mag, texten kann, kein "deutsches" Englisch singt und Bock auf Trip-Hop hat. ;-)


Was ist Dein Geheimtipp hier bei MyOwnMusic?

Da wäre im Triphop Bereich Kernfeld zu nennen, super Kerl und hat mich ein bissl bekehrt in die Richtung "selbermachen". Ansonsten noch Chesavon, verträumte und sehr gute Sounds.
Im Rap-Bereich Harry n Bust sowie Rotten Monkey, beide wahnsinnig gut in dem was Sie so fabrizieren.
Im Post Rock Bereich hat mich Mirage in the Water sehr geflashed, der Youtube Account ist reine Kunst.
Beats und Instrumentals (und teils auch guter Ambient) sind MeMaurice und Julian zu nennen, da braucht's im Prinzip keinen Rap mehr bei den Instrumentals.
Im World Bereich hat's mir vor kurzem Ravaness sehr angetan, Traumstimme.
Im elektronischen Bereich hat mich Ohrchitekt vor einiger Zeit leicht "überrascht".
Spoken Word ist Jack Bello aka 0wls ein Begriff, der ein Begriff sein sollte. *g* 
Gitarrentechnisch fand ich Frank Keil und Vlad immer ziemlich dufte.

Und noch viele andere, deren Namen aufzählen hier wohl alles sprengen würde. Gibt noch genug zu hören auf jedenfall!


Wie sehen Deine musikalischen Pläne für die Zukunft aus?


Uff... keine Ahnung. Musik ist mehr ein "Tagesgeschäft" für mich, je nach Stimmung. Langfristig kommt jetzt ne erste free-"EP" die heissen wird "Darkest of Days", sehr düsterer und schleppender Sound als Aufhänger. Nicht jedermann's Sache aber wenigstens ein Konzept. *g*
Ansonsten gibt's noch viel zu lernen, vor Allem bzgl. Mixing bin ich noch nicht da, wo ich gerne sein würde. Aber bin halt ehrlich gesagt auch 'ne faule Sau diesbezüglich. ;-)
Grade sitz ich an einigen DnB - Teilen die ganz cool werden könnten.


Was ist Dein Lebensmotto?


Ändert sich täglich, je nachdem was der Sprüchekalender so zu bieten hat. ;-)


Was magst Du überhaupt nicht?


Boshaftigkeit, Eitelkeit, Überfluss... ähm... den Münchner Föhn... und Sushi. ;-)


Zum Abschluß noch die obligatorische Frage an Dich nach Deiner All Time Top Ten.

Alltime Top Ten, weiß nicht...Titel die ich immer wieder gern höre, sozusagen nicht loskomme davon:

Feist - Caught for a long Wind
Danger Mouse ft. Jack White - Two against one
Eddie Vedder - Society
Amon Tobin - Deo + Mighty Micro People
Aesop Rock - Daylight/Nightlight
Adam Green - Cigarettes Burn Forever
Gorillaz - Feelgood Inc
Moloko - Familiar Feeling 
Nithin Sawhney - October DazeMorcheeba - Enjoy the Ride


Herzlichen Dank für das interessante und sehr informative Interview.

MyOwnMusic wünscht Dir viel Erfolg und weiterhin viel Spaß an der Musik.

 

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In eigener Sache:



Kommentare


von  Sell The Tab am 26.02.2014
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