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Das Aprikosen-Massaker
Es sollte der
kulinarische Höhepunkt des Sommers werden. Mein Mund wässerte bereits, die
Geschmacksknospen tanzten Tango und im Geiste spürte ich schon den süßen,
samtigen Saft einer perfekt gereiften Aprikose auf der Zunge. Mit beschwingtem
Schritt und voller Vorfreude marschierte ich über das Grundstück, hinunter zu
See. Dort, auf einer idyllischen Anhöhe, thronte es: unser geliebtes
Aprikosenbäumchen, über Jahre unser ganzer Stolz, ein bayerisch-mediterraner
Traum im Wind.
Doch folgen
sollte ein Schock der in Schnappatmung und Fassungslosigkeit endete. Wo eben
noch ein stolzer Stamm gen Himmel ragte, herrschte gähnende Leere. Das Bäumchen
lag flach wie eine Flunder zu meinen Füßen. Der Stamm? Akkurat abgetrennt, als
hätte jemand im Vorbeigehen die Motorsäge geschwungen. Wer bitteschön schleicht
sich auf unseren privaten Acker, um ein wehrloses Obstbäumchen zu exekutieren?
Ein rachsüchtiger Nachbar? Ein illegaler Holzfäller im Miniaturformat?
Eine tiefe,
erbarmungslose Untersuchung des Vorfalls musste her.
Ich ging auf
die Knie, das Smartphone auf Macro im Anschlag, das Ermittler-Gen voll
aktiviert. See, Schilf, Ufer, das riecht natürlich sofort nach der üblichen
aquatischen Mafia. Doch die Beweislage am Tatort sprach eine ganz andere,
höchst mysteriöse Sprache. Meister Bockert fällt flach. Ein echter Biber
hinterlässt epische Zahnspuren von amtlichen 10 bis 20 Millimetern Breite, er
fällt ganze Eichen. Die Kerben an unserem Stamm waren dafür viel zu grazil, schüchterne
5 bis 6 Millimeter. Dieser Täter hatte definitiv ein schmaleres Gebiss. Die
Bisamratte ist auch fein raus, allenfalls knabbert sie an Schilf oder weichem
Ufergemüse. Holziges "Gemüse" wie die Rinde eines Aprikosenbaums
steht bei dieser Gourmet-Ratte absolut nicht auf dem Speiseplan.
Mein Blick wanderte
prüfend über das Schilf. Ein Nutria! Ein fettes Vieh von mindestens zehn Kilo
Kampfgewicht, ausgestattet mit orangefarbenen Beißwerkzeugen des Grauens. Diese
schwimmenden Riesenmeerschweinchen kennen keine Skrupel. Mit ihren 5–6 mm
breiten Nagezähnen passen sie perfekt in das kriminologische Profil. Ein
gefräßiger Sumpfbiber im Fressrausch, der statt schnödem Gras wohl mal Lust auf
exklusives Steinobst hatte.
Die
Indizienkette schließt sich. Wir haben es hier nicht mit einem menschlichen
Saboteur zu tun, sondern mit einem hochgradig organisierten, pelzigen
Holz-Vandalen, der die Früchte meiner Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes
abgesägt hat.
Da saß er,
seelenruhig im Schilf, die Pfoten tief in den Taschen. Ein schwerer Koloss mit
einem Pelz wie ein nasser Badvorleger, die Zähne funkelten wie die Stoßstange
eines Muscle-Cars.
Dieses
Miststück war es, welcher heute Morgen zwischen vier und sechs Uhr das
Aprikosenbäumchen auf der Anhöhe meuchelmörderisch umgelegt hat. Nur er hat das
Profil, das Gewicht und die nötige kriminelle Energie für diesen Kahlschlag.
Nur dieses Vieh kann den Stamm wie eine Motorsäge traktiert haben, nur um sich
an dem Stämmchen zu laben und dessen Früchte ebenfalls in den fetten Pansen
einzuverleiben, jene fruchtig-saftige Liebe, auf die ich mich seit Monaten
gefreut hatte. Das war kein „naturverbundener“ Mundraub, das war eiskalter Vandalismus
auf privatem Acker.
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https://www.mediacellar.de/files/02.jpg
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..... geht nicht.
Henk de Latra vor 2 Tagen
Zunächst mein Mitgefühl. Und nun, nach einer stillen Gedenkminute, mmmh - ein Kriminalfall, aber der Täter ist nicht eindeutig identifiziert. Die Beweislage spricht gegen den Nutria, dieser müsste schon stark entartet sein wenn er mehr als dünne Äste oder einen Rindenteil "benagt". Eventuell war es doch ein anderer invasiver Tiervertreter? Ich vermute der kanadische, verdammte Axtfrosch !!
Ha Tom, das ist ja genau die selbe Überraschung, schön doof steht man da. Mir bleiben nur noch die madigen Äpfel und hartes Steinobst.
Ich fühle mit dir.
Das erinnert mich an das Jahr, als ich meine vollen, reifen Johannisbeeren sah und mir sagte... Morgen. Am nächsten ging ich mit einer großen Schüssel raus nur um festzustellen, dass ein Schwarm Stare die Büsche bis auf die letzte Beere abgefressen hatte.......Mistviecher.
Das erinnert mich an das Jahr, als ich meine vollen, reifen Johannisbeeren sah und mir sagte... Morgen. Am nächsten ging ich mit einer großen Schüssel raus nur um festzustellen, dass ein Schwarm Stare die Büsche bis auf die letzte Beere abgefressen hatte.......Mistviecher.
Nutriats arbeiten mit Bienen zusammen.
Die Bienen waren die Vorhut, haben als ausgekuntschaftet und haben
den Nutriat informiert. :-)
Die Bienen waren die Vorhut, haben als ausgekuntschaftet und haben
den Nutriat informiert. :-)
Hmm, und ich gebe noch einen Daumen hoch.., war aber spannend zu lesen.
Ich fühle mit Dir.
Ich fühle mit Dir.





