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Die Fake-Heimat der Synthesizer
Wir alle kennen das: Man schaut durch virtuelle Kataloge, liest Hochglanz-Testberichte und blättert am Ende Tausende von Euro für namhafte Marken hin.
Wir kaufen nicht nur ein Musikinstrument, sondern auch ein Gefühl von Tradition, Qualität und Ingenieurskunst aus dem Westen oder Japan.
Uns wird eine Geschichte von handgelöteten Platinen in Kalifornien, britischem Design-Erbe oder deutscher Wertarbeit erzählt.
Doch schaut man unter die Haube und hinter die Kulissen der globalen Lieferketten, zerplatzt die Marketing-Blase.
Die ungeschminkte Wahrheit lautet: Fast kein namhafter Hersteller baut seine Geräte heute noch komplett im eigenen Land.
Es wird getäuscht, verschwiegen und ausgelagert.
Wer baut überhaupt noch "Zuhause"?
Access Music (Deutschland)
Der Mythos: Die Benchmark für virtuelle Analogsynthesizer mit dem Prädikat „Made in Germany“.
Der legendäre Virus TI2 stand über 15 Jahre lang für kompromisslose Qualität aus deutschen Landen.
Die Realität: Access Music zeigt das bittere Dilemma der europäischen Industrie. Anstatt die Produktion der sterbenden europäischen Zuliefererketten krampfhaft ins billigere
Ausland zu verlagern, wurde die Hardware-Produktion des Virus am Ende lieber komplett eingestellt. Ein extrem seltener Fall von „Lieber sterben als auslagern“,
der beweist, wie schwer echte Heimatarbeit heute zu halten ist.
Akai Professional (Japan / USA)
Der Mythos: Legendär geworden durch die MPC-Serie aus Japan, die den Hip-Hop der 90er Jahre definierte und als unzerstörbarer Studio-Panzer galt.
Die Realität: Akai gehört heute zum US-Riesenkonzern inMusic. Die modernen Geräte wie die MPC One+, MPC Key oder die Force sind im Grunde nichts anderes als optimierte Android-Tablets im Controller-Gehäuse. Die komplette Produktion – von den Platinen über die Touchscreens bis zum Gehäuse findet unter straffem Spardiktat in China statt. Der Mythos der alten japanischen MPC-Panzer ist längst tot.
Arturia (Frankreich)
Der Mythos: Die kreative Edelschmiede aus Grenoble, Frankreich, bekannt für innovative Sound-Monster wie die MicroFreak-, MatrixBrute- oder PolyBrute-Serie.
Die Realität: Die Franzosen spielen von Anfang an mit relativ offenen Karten und verzichtet auf scheinheiligen Heimat-Voodoo. Entwickelt in Frankreich, gebaut in China.Der entscheidende Unterschied zu reinen Billig-Klonen: Weil Arturia eigene, westliche Qualitätsprüfer direkt in den asiatischen Werken platziert hat, ist die Ausfallrate bei Geräten wie dem PolyBrute trotz Fernost-Fertigung erstaunlich gering.
ASM – Ashun Sound Machines (China)
Der Mythos: Der Newcomer, der mit dem Hydrasynth und dem neuen Leviasynth die Synthesizer-Welt im Sturm erobert hat.
Die Realität: Hier gibt es von vornherein keine Mogelpackung, weil ASM gar nicht erst versucht, sich als westliche Traditionsmarke zu tarnen. ASM ist eine chinesische Firma mit einem international gemischten Design-Team. Sie sitzen direkt an der Quelle der Bauteile, denn der Mutterkonzern ist kein Geringerer als der Elektronik-Riese Medeli. Das Kuriose für die Kritiker: Weil ASM die Fabriken vor Ort perfekt kontrolliert und nicht als Bittsteller auftritt, ist die Hardware-Qualität (stabile Metallgehäuse, exzellente Encoder und die patentierten Polytouch-Tastaturen) oft spürbar besser als bei westlichen Herstellern, die in China einfach nur die billigste Fertigungsstufe einkaufen.
Doepfer & Vermona (Deutschland)
Der Mythos: Die Urgesteine der deutschen Eurorack- und Boutique-Szene.
Die Realität: Diese Hersteller sind die seltene Ausnahme. Sie lassen ihre Platinen tatsächlich oft noch regional in Deutschland (wie zum Beispiel im Erzgebirge) bestücken und von Hand löten. Die mechanische Qualität ist überragend. Das hat allerdings seinen Preis: Für vergleichsweise wenige Funktionen zahlt der Musiker hier einen stolzen, aber ehrlichen Aufpreis. Sie sind jedoch im Kern genauso von asiatischen Mikrochips abhängig wie alle anderen auch.
Elektron (Schweden)
Der Mythos: Die Macher von Digitakt II, Digitone und Octatrack stehen für schwedisches High-End-Design und Gehäuse, die wie Panzer gebaut sind.
Die Realität: Elektron montiert die Geräte tatsächlich physisch im schwedischen Göteborg. Die Hardware fühlt sich extrem robust an. Wer jedoch unter die Haube schaut, stellt fest:Die OLED-Displays, die Hauptprozessoren (CPUs) und die Speicherchips stammen aus den riesigen Halbleiter-Werken in Taiwan, Korea und China. Ohne Asien bleibt auch der schwedische Panzer komplett stumm.
Korg (Japan)
Der Mythos: Korg pflegt das Image der traditionsreichen, schrägen japanischen Entwickler-Genies, die Legenden wie den MS-20 oder die M1 hervorgebracht haben.
Die Realität: Die gesamte Consumer-Masse – von der kleinen Volca-Serie über den Minilogue bis hin zum Dauerbrenner MicroKorg wird komplett in Vietnam oder China gelötet und montiert.Korg besitzt zwar noch eigene Fertigungsstätten in Japan, diese sind heute jedoch fast ausschließlich für absolute High-End-Digitalpianos oder streng limitierte, teure Premium-Reissues reserviert.
Modal Electronics (Großbritannien)
Der Mythos: Die britische Edelschmiede wurde bekannt für ihre modernen Wavetable-Synthesizer wie den Argon8 oder Cobalt8.
Die Realität: Nach harten Insolvenzphasen und dem anschließenden Neustart unter neuem Management zeigt sich das asiatische Herz von Modal überdeutlich. Ihr neuester Coup für Live Performer, der ELEMENT One, wird zwar stolz in UK designt, aber in der Szene ist es ein offenes Geheimnis: Die Produktion läuft zu 100 % in China. Nur so lässt sich der aggressive Kampfpreis von unter 650 Euro für die gebotene Ausstattung überhaupt noch realisieren. Das britische Erbe ist hier nur noch ein Design-Stempel.
Moog Music (USA)
Der Mythos: Der wohl emotionalste und historischste Stolz der amerikanischen Synthesizer-Geschichte. Jahrzehntelang warb man mit Stolz für die Handarbeit in Asheville, North Carolina.
Die Realität: Der wohl härteste Fall der letzten Jahre. Moog wurde 2023 vom Großkonzern inMusic geschluckt. Kurz darauf folgten Massenentlassungen im US-Stammwerk. Bei den neuesten Geräte-Generationen wie dem Moog Muse oder dem Moog Labyrinth sieht man ganz deutlich, wo die Reise hingeht: Die Gehäuse- und Platinenproduktion ist komplett nach China abgewandert. In den USA findet, wenn überhaupt, nur noch ein finaler Test oder das Aufspielen der Firmware statt. Die Qualitätskontrolle schwankt laut Community-Berichten spürbar.
Novation (Großbritannien)
Der Mythos: Ein britisches Schwergewicht im Elektronik- und Synthesizer-Bereich, geprägt durch die Arbeit des legendären Entwicklers Chris Huggett bei Geräten wie dem Peak oder Summit.
Die Realität: Novation vermarktet die Synths stolz als britisches High-End-Design. Wer das Gerät jedoch umdreht und auf das Typenschild schaut, liest schwarz auf weiß: „Made in China“. Novation geht damit zwar transparenter um als manch anderer Konkurrent, der britische Traditions-Vibe bekommt dadurch trotzdem tiefe Risse.
Oberheim (USA)
Der Mythos: Die Rückkehr der analogen Legende Tom Oberheim. Die Marke steht für den fetten, luxuriösen US-Polysynth-Sound.
Die Realität: Der High-End-Bolide Oberheim OB-X8 wird in direkter Kooperation mit Sequential gebaut. Das bedeutet im Klartext: Das Gerät teilt sich exakt dieselben asiatischen Lieferketten. Das analoge Herz, die Platinen wird kostengünstig im Ausland gefertigt, während das edle Metallgehäuse und die Holzwangen im Westen zusammengesteckt werden, um den vierstelligen Premium-Preis zu rechtfertigen.
Roland (Japan)
Der Mythos: Die Väter des Techno und Synthesizer-Klassiker wie dem Juno-106, Jupiter-8 oder der TR-808, die einst komplett in Japan vom Band liefen.
Die Realität: Alles, was für den normalen Musiker bezahlbar ist – von der gesamten Boutique-Zwergenreihe bis hin zur AIRA-Serie (wie der TR-8S) – kommt aus Fabriken in Malaysia oder China. Selbst die sündhaft teuren Fantom-Workstations sehen Japan kaum noch von innen. Roland ist heute im Grunde zu einer Firma geworden, die Software-Emulationen (Zencore) in asiatische Plastik- und Metallgehäuse gießt.
Sequential / ehem. Dave Smith Instruments (USA)
Der Mythos: Gegründet von der verstorbenen Synthesizer-Legende Dave Smith. Die Marke steht wie keine andere für den ultimativen analogen US-Sound von Geräten wie dem Prophet-5 (Rev 4) oder dem Trigon-6.
Die Realität: Wer 3.000 bis 4.500 Euro für einen analogen Prophet ausgibt, glaubt fest an ein rein amerikanisches Produkt. Die Wahrheit ist: Die Platinen (PCBs) und die meisten elektronischen Bauteile werden komplett in Asien gefertigt. In Kalifornien findet bei den meisten Modellen lediglich die Endmontage statt, also das Zusammensetzen der fertigen Baugruppen, das Anschrauben der Holzseitenteile und der finale Werkstest.
Waldorf (Deutschland)
Der Mythos: Werben massiv mit dem Label „High-Quality Synthesizers Made in Germany“ und stehen für klassische deutsche Wertarbeit aus Remagen.
Die Realität: Ein riesiger Streitpunkt in den Foren. Ja, die Entwicklung sitzt in Rheinland-Pfalz, und absolute Edel-Synths wie der Quantum oder Iridium werden tatsächlich in Deutschland final montiert. Aber der ewige Dauerbrenner Blofeld oder die kleineren Desktop-Module nutzen Platinen und SMD-Bauteile, die fix und fertig bestückt im Container aus Asien angeliefert werden. „Made in Germany“ bedeutet hier im Budget-Bereich oft nur noch: Das Gehäuse wurde hierzulande zugeschraubt und verpackt.
Yamaha (Japan)
Der Mythos: Der unangefochtene weltweite Marktführer in Sachen Musikinstrumente mit einer über 130-jährigen Geschichte japanischer Handwerkskunst.
Die Realität: Während die absoluten High-End-Flügel teilweise noch in Japan gefertigt werden, kommen die Synthesizer (wie die Montage M-Reihe oder die kompakten Reface-Synths) aus gigantischen, hochautomatisierten Eigenwerken in Indonesien und China. Das Marketing verweist lieber auf die Tradition als auf die Fließbänder in Jakarta.
Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, werfen wir einen Blick auf den unangefochtenen König des Preis-Leistungs-Wahnsinns:
Behringer
Kein anderer Hersteller zeigt die Schizophrenie der Synth-Community so schön wie die Schnäppchenschmiede von Uli. Das Kaufverhalten der Musiker lässt sich hier in einem ironischen Dreischritt zusammenfassen, den fast jeder im Forum schon mal durchgemacht hat.
Der triumphale Massenkauf (Das Verständnis)
Man sieht den Preis für einen Klon einer legendären analogen Kiste. 250 Euro statt 4.000 Euro für das Original. Das Hirn setzt aus. Man rechtfertigt den Kauf vor sich selbst und der Welt: „Hey, die kochen alle nur mit Wasser! Warum soll ich Moog das Geld in den Rachen werfen, wenn Uli mir denselben Sound für einen Witzpreis liefert? China ist überall, also warum nicht gleich direkt billig kaufen? Schnäppchen des Jahrhunderts!“
Die harte Realität
Das Gerät steht im Studio. Es klingt fett. Aber war da nicht noch die Rede von sauberen Filtern? Das erste Augen/Ohren runzeln, Pechvögel vs Glücksritter: Der erste Poti fängt an zu springen, eine Klinkenbuchse wackelt, oder der Synth gibt beim Einschalten plötzlich nur noch ein hochfrequentes Fiepen von sich.
Das große Unverständnis und die Foren-Wut
Jetzt bricht die Hölle los. Derselbe Musiker, der vor drei Wochen noch das Sparen zelebriert hat, tippt wütend einen 500-Wörter-Rant ins Forum: „Frechheit! Wie kann man so eine minderwertige Qualität ausliefern? Ich habe doch Geld bezahlt! Der Support reagiert seit Tagen nicht!
Die Ironie der Geschichte:
Wir alle wissen, warum es so billig ist. Wir wissen, dass bei diesen Preisen an der Qualitätskontrolle gespart werden muss. Wir haben volles Verständnis für den Impulskauf, sind dann aber völlig fassungslos, wenn der Spar-Traum an der Realität der Fließbandarbeit zerspringt. Am Ende schließt sich der Kreis: Wir schimpfen auf die Billigschiene, schicken das defekte Gerät zurück, warten auf den Umtausch – und schielen beim nächsten Sale trotzdem wieder auf den nächsten Klon. Denn die Sucht nach billigem Silizium ist am Ende stärker als jede Vernunft.
Das Fazit: Willkommen in der RealitätWarum dürfen die Hersteller uns überhaupt so ungestraft täuschen? Die Industrie nutzt ein vollkommen legales, internationales Schlupfloch aus. Wenn der sogenannte „wertschöpfende Schritt“ im Heimatland stattfindet, darf das Label „Made in USA“, „Made in UK“ oder „Made in Germany“ aufgedruckt werden. In der Praxis bedeutet das: Wenn ein westeuropäischer oder amerikanischer Arbeiter eine in China fertig gelötete Platine in ein Gehäuse schraubt und die Firmware aufspielt, gilt das rechtlich bereits als Hauptproduktionsschritt. Dass 90 % des Geräts aus Fernost stammen, wird verschwiegen.
Egal ob es der 200-Euro-Korg für den Schreibtisch oder der 3.000-Euro-Waldorf für das Profi-Studio ist – am Ende des Tages füttern wir alle exakt dieselben Fabriken in Asien. Die Romantik von der gemütlichen Tüftler-Werkstatt im eigenen Land, in der der Chef noch selbst den Lötkolben schwingt, ist endgültig gestorben. Ein Synthesizer ist im Grunde nichts anderes als ein spezialisierter Computer. Und da es im Westen überhaupt keine nennenswerte Massenproduktion von Mikrochips, Kondensatoren, Widerständen oder OLED-Displays mehr gibt, ist jeder moderne Synthesizer im Kern asiatisch.
Wer uns etwas anderes erzählen will, betreibt reinen Marketing-Voodoo.
Wir kaufen nicht nur ein Musikinstrument, sondern auch ein Gefühl von Tradition, Qualität und Ingenieurskunst aus dem Westen oder Japan.
Uns wird eine Geschichte von handgelöteten Platinen in Kalifornien, britischem Design-Erbe oder deutscher Wertarbeit erzählt.
Doch schaut man unter die Haube und hinter die Kulissen der globalen Lieferketten, zerplatzt die Marketing-Blase.
Die ungeschminkte Wahrheit lautet: Fast kein namhafter Hersteller baut seine Geräte heute noch komplett im eigenen Land.
Es wird getäuscht, verschwiegen und ausgelagert.
Wer baut überhaupt noch "Zuhause"?
Access Music (Deutschland)
Der Mythos: Die Benchmark für virtuelle Analogsynthesizer mit dem Prädikat „Made in Germany“.
Der legendäre Virus TI2 stand über 15 Jahre lang für kompromisslose Qualität aus deutschen Landen.
Die Realität: Access Music zeigt das bittere Dilemma der europäischen Industrie. Anstatt die Produktion der sterbenden europäischen Zuliefererketten krampfhaft ins billigere
Ausland zu verlagern, wurde die Hardware-Produktion des Virus am Ende lieber komplett eingestellt. Ein extrem seltener Fall von „Lieber sterben als auslagern“,
der beweist, wie schwer echte Heimatarbeit heute zu halten ist.
Akai Professional (Japan / USA)
Der Mythos: Legendär geworden durch die MPC-Serie aus Japan, die den Hip-Hop der 90er Jahre definierte und als unzerstörbarer Studio-Panzer galt.
Die Realität: Akai gehört heute zum US-Riesenkonzern inMusic. Die modernen Geräte wie die MPC One+, MPC Key oder die Force sind im Grunde nichts anderes als optimierte Android-Tablets im Controller-Gehäuse. Die komplette Produktion – von den Platinen über die Touchscreens bis zum Gehäuse findet unter straffem Spardiktat in China statt. Der Mythos der alten japanischen MPC-Panzer ist längst tot.
Arturia (Frankreich)
Der Mythos: Die kreative Edelschmiede aus Grenoble, Frankreich, bekannt für innovative Sound-Monster wie die MicroFreak-, MatrixBrute- oder PolyBrute-Serie.
Die Realität: Die Franzosen spielen von Anfang an mit relativ offenen Karten und verzichtet auf scheinheiligen Heimat-Voodoo. Entwickelt in Frankreich, gebaut in China.Der entscheidende Unterschied zu reinen Billig-Klonen: Weil Arturia eigene, westliche Qualitätsprüfer direkt in den asiatischen Werken platziert hat, ist die Ausfallrate bei Geräten wie dem PolyBrute trotz Fernost-Fertigung erstaunlich gering.
ASM – Ashun Sound Machines (China)
Der Mythos: Der Newcomer, der mit dem Hydrasynth und dem neuen Leviasynth die Synthesizer-Welt im Sturm erobert hat.
Die Realität: Hier gibt es von vornherein keine Mogelpackung, weil ASM gar nicht erst versucht, sich als westliche Traditionsmarke zu tarnen. ASM ist eine chinesische Firma mit einem international gemischten Design-Team. Sie sitzen direkt an der Quelle der Bauteile, denn der Mutterkonzern ist kein Geringerer als der Elektronik-Riese Medeli. Das Kuriose für die Kritiker: Weil ASM die Fabriken vor Ort perfekt kontrolliert und nicht als Bittsteller auftritt, ist die Hardware-Qualität (stabile Metallgehäuse, exzellente Encoder und die patentierten Polytouch-Tastaturen) oft spürbar besser als bei westlichen Herstellern, die in China einfach nur die billigste Fertigungsstufe einkaufen.
Doepfer & Vermona (Deutschland)
Der Mythos: Die Urgesteine der deutschen Eurorack- und Boutique-Szene.
Die Realität: Diese Hersteller sind die seltene Ausnahme. Sie lassen ihre Platinen tatsächlich oft noch regional in Deutschland (wie zum Beispiel im Erzgebirge) bestücken und von Hand löten. Die mechanische Qualität ist überragend. Das hat allerdings seinen Preis: Für vergleichsweise wenige Funktionen zahlt der Musiker hier einen stolzen, aber ehrlichen Aufpreis. Sie sind jedoch im Kern genauso von asiatischen Mikrochips abhängig wie alle anderen auch.
Elektron (Schweden)
Der Mythos: Die Macher von Digitakt II, Digitone und Octatrack stehen für schwedisches High-End-Design und Gehäuse, die wie Panzer gebaut sind.
Die Realität: Elektron montiert die Geräte tatsächlich physisch im schwedischen Göteborg. Die Hardware fühlt sich extrem robust an. Wer jedoch unter die Haube schaut, stellt fest:Die OLED-Displays, die Hauptprozessoren (CPUs) und die Speicherchips stammen aus den riesigen Halbleiter-Werken in Taiwan, Korea und China. Ohne Asien bleibt auch der schwedische Panzer komplett stumm.
Korg (Japan)
Der Mythos: Korg pflegt das Image der traditionsreichen, schrägen japanischen Entwickler-Genies, die Legenden wie den MS-20 oder die M1 hervorgebracht haben.
Die Realität: Die gesamte Consumer-Masse – von der kleinen Volca-Serie über den Minilogue bis hin zum Dauerbrenner MicroKorg wird komplett in Vietnam oder China gelötet und montiert.Korg besitzt zwar noch eigene Fertigungsstätten in Japan, diese sind heute jedoch fast ausschließlich für absolute High-End-Digitalpianos oder streng limitierte, teure Premium-Reissues reserviert.
Modal Electronics (Großbritannien)
Der Mythos: Die britische Edelschmiede wurde bekannt für ihre modernen Wavetable-Synthesizer wie den Argon8 oder Cobalt8.
Die Realität: Nach harten Insolvenzphasen und dem anschließenden Neustart unter neuem Management zeigt sich das asiatische Herz von Modal überdeutlich. Ihr neuester Coup für Live Performer, der ELEMENT One, wird zwar stolz in UK designt, aber in der Szene ist es ein offenes Geheimnis: Die Produktion läuft zu 100 % in China. Nur so lässt sich der aggressive Kampfpreis von unter 650 Euro für die gebotene Ausstattung überhaupt noch realisieren. Das britische Erbe ist hier nur noch ein Design-Stempel.
Moog Music (USA)
Der Mythos: Der wohl emotionalste und historischste Stolz der amerikanischen Synthesizer-Geschichte. Jahrzehntelang warb man mit Stolz für die Handarbeit in Asheville, North Carolina.
Die Realität: Der wohl härteste Fall der letzten Jahre. Moog wurde 2023 vom Großkonzern inMusic geschluckt. Kurz darauf folgten Massenentlassungen im US-Stammwerk. Bei den neuesten Geräte-Generationen wie dem Moog Muse oder dem Moog Labyrinth sieht man ganz deutlich, wo die Reise hingeht: Die Gehäuse- und Platinenproduktion ist komplett nach China abgewandert. In den USA findet, wenn überhaupt, nur noch ein finaler Test oder das Aufspielen der Firmware statt. Die Qualitätskontrolle schwankt laut Community-Berichten spürbar.
Novation (Großbritannien)
Der Mythos: Ein britisches Schwergewicht im Elektronik- und Synthesizer-Bereich, geprägt durch die Arbeit des legendären Entwicklers Chris Huggett bei Geräten wie dem Peak oder Summit.
Die Realität: Novation vermarktet die Synths stolz als britisches High-End-Design. Wer das Gerät jedoch umdreht und auf das Typenschild schaut, liest schwarz auf weiß: „Made in China“. Novation geht damit zwar transparenter um als manch anderer Konkurrent, der britische Traditions-Vibe bekommt dadurch trotzdem tiefe Risse.
Oberheim (USA)
Der Mythos: Die Rückkehr der analogen Legende Tom Oberheim. Die Marke steht für den fetten, luxuriösen US-Polysynth-Sound.
Die Realität: Der High-End-Bolide Oberheim OB-X8 wird in direkter Kooperation mit Sequential gebaut. Das bedeutet im Klartext: Das Gerät teilt sich exakt dieselben asiatischen Lieferketten. Das analoge Herz, die Platinen wird kostengünstig im Ausland gefertigt, während das edle Metallgehäuse und die Holzwangen im Westen zusammengesteckt werden, um den vierstelligen Premium-Preis zu rechtfertigen.
Roland (Japan)
Der Mythos: Die Väter des Techno und Synthesizer-Klassiker wie dem Juno-106, Jupiter-8 oder der TR-808, die einst komplett in Japan vom Band liefen.
Die Realität: Alles, was für den normalen Musiker bezahlbar ist – von der gesamten Boutique-Zwergenreihe bis hin zur AIRA-Serie (wie der TR-8S) – kommt aus Fabriken in Malaysia oder China. Selbst die sündhaft teuren Fantom-Workstations sehen Japan kaum noch von innen. Roland ist heute im Grunde zu einer Firma geworden, die Software-Emulationen (Zencore) in asiatische Plastik- und Metallgehäuse gießt.
Sequential / ehem. Dave Smith Instruments (USA)
Der Mythos: Gegründet von der verstorbenen Synthesizer-Legende Dave Smith. Die Marke steht wie keine andere für den ultimativen analogen US-Sound von Geräten wie dem Prophet-5 (Rev 4) oder dem Trigon-6.
Die Realität: Wer 3.000 bis 4.500 Euro für einen analogen Prophet ausgibt, glaubt fest an ein rein amerikanisches Produkt. Die Wahrheit ist: Die Platinen (PCBs) und die meisten elektronischen Bauteile werden komplett in Asien gefertigt. In Kalifornien findet bei den meisten Modellen lediglich die Endmontage statt, also das Zusammensetzen der fertigen Baugruppen, das Anschrauben der Holzseitenteile und der finale Werkstest.
Waldorf (Deutschland)
Der Mythos: Werben massiv mit dem Label „High-Quality Synthesizers Made in Germany“ und stehen für klassische deutsche Wertarbeit aus Remagen.
Die Realität: Ein riesiger Streitpunkt in den Foren. Ja, die Entwicklung sitzt in Rheinland-Pfalz, und absolute Edel-Synths wie der Quantum oder Iridium werden tatsächlich in Deutschland final montiert. Aber der ewige Dauerbrenner Blofeld oder die kleineren Desktop-Module nutzen Platinen und SMD-Bauteile, die fix und fertig bestückt im Container aus Asien angeliefert werden. „Made in Germany“ bedeutet hier im Budget-Bereich oft nur noch: Das Gehäuse wurde hierzulande zugeschraubt und verpackt.
Yamaha (Japan)
Der Mythos: Der unangefochtene weltweite Marktführer in Sachen Musikinstrumente mit einer über 130-jährigen Geschichte japanischer Handwerkskunst.
Die Realität: Während die absoluten High-End-Flügel teilweise noch in Japan gefertigt werden, kommen die Synthesizer (wie die Montage M-Reihe oder die kompakten Reface-Synths) aus gigantischen, hochautomatisierten Eigenwerken in Indonesien und China. Das Marketing verweist lieber auf die Tradition als auf die Fließbänder in Jakarta.
Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, werfen wir einen Blick auf den unangefochtenen König des Preis-Leistungs-Wahnsinns:
Behringer
Kein anderer Hersteller zeigt die Schizophrenie der Synth-Community so schön wie die Schnäppchenschmiede von Uli. Das Kaufverhalten der Musiker lässt sich hier in einem ironischen Dreischritt zusammenfassen, den fast jeder im Forum schon mal durchgemacht hat.
Der triumphale Massenkauf (Das Verständnis)
Man sieht den Preis für einen Klon einer legendären analogen Kiste. 250 Euro statt 4.000 Euro für das Original. Das Hirn setzt aus. Man rechtfertigt den Kauf vor sich selbst und der Welt: „Hey, die kochen alle nur mit Wasser! Warum soll ich Moog das Geld in den Rachen werfen, wenn Uli mir denselben Sound für einen Witzpreis liefert? China ist überall, also warum nicht gleich direkt billig kaufen? Schnäppchen des Jahrhunderts!“
Die harte Realität
Das Gerät steht im Studio. Es klingt fett. Aber war da nicht noch die Rede von sauberen Filtern? Das erste Augen/Ohren runzeln, Pechvögel vs Glücksritter: Der erste Poti fängt an zu springen, eine Klinkenbuchse wackelt, oder der Synth gibt beim Einschalten plötzlich nur noch ein hochfrequentes Fiepen von sich.
Das große Unverständnis und die Foren-Wut
Jetzt bricht die Hölle los. Derselbe Musiker, der vor drei Wochen noch das Sparen zelebriert hat, tippt wütend einen 500-Wörter-Rant ins Forum: „Frechheit! Wie kann man so eine minderwertige Qualität ausliefern? Ich habe doch Geld bezahlt! Der Support reagiert seit Tagen nicht!
Die Ironie der Geschichte:
Wir alle wissen, warum es so billig ist. Wir wissen, dass bei diesen Preisen an der Qualitätskontrolle gespart werden muss. Wir haben volles Verständnis für den Impulskauf, sind dann aber völlig fassungslos, wenn der Spar-Traum an der Realität der Fließbandarbeit zerspringt. Am Ende schließt sich der Kreis: Wir schimpfen auf die Billigschiene, schicken das defekte Gerät zurück, warten auf den Umtausch – und schielen beim nächsten Sale trotzdem wieder auf den nächsten Klon. Denn die Sucht nach billigem Silizium ist am Ende stärker als jede Vernunft.
Das Fazit: Willkommen in der RealitätWarum dürfen die Hersteller uns überhaupt so ungestraft täuschen? Die Industrie nutzt ein vollkommen legales, internationales Schlupfloch aus. Wenn der sogenannte „wertschöpfende Schritt“ im Heimatland stattfindet, darf das Label „Made in USA“, „Made in UK“ oder „Made in Germany“ aufgedruckt werden. In der Praxis bedeutet das: Wenn ein westeuropäischer oder amerikanischer Arbeiter eine in China fertig gelötete Platine in ein Gehäuse schraubt und die Firmware aufspielt, gilt das rechtlich bereits als Hauptproduktionsschritt. Dass 90 % des Geräts aus Fernost stammen, wird verschwiegen.
Egal ob es der 200-Euro-Korg für den Schreibtisch oder der 3.000-Euro-Waldorf für das Profi-Studio ist – am Ende des Tages füttern wir alle exakt dieselben Fabriken in Asien. Die Romantik von der gemütlichen Tüftler-Werkstatt im eigenen Land, in der der Chef noch selbst den Lötkolben schwingt, ist endgültig gestorben. Ein Synthesizer ist im Grunde nichts anderes als ein spezialisierter Computer. Und da es im Westen überhaupt keine nennenswerte Massenproduktion von Mikrochips, Kondensatoren, Widerständen oder OLED-Displays mehr gibt, ist jeder moderne Synthesizer im Kern asiatisch.
Wer uns etwas anderes erzählen will, betreibt reinen Marketing-Voodoo.
Das ist halt der Wandel der Zeit.
Analoge Instrumente haben sein gewisses Etwas, aber auch die modernen Sounds
haben ihre Vorteile. Viele Sounds klingen sowieso sehr ähnlich und je nach
Genre benutzt du dann sowieso meistens den gleichen Sound.
Wer sich für Technik interessiert ist genau richtig bei Analogen Instrumenten,
wer aber schnell ein Sound braucht, wird eher zu modernen Sounds greifen, die auf Instrumenten viel als Digital zu Verfügung stehen. Ob diese dann gut klingen ist eine andere Sache, sehr oft nicht. Ein analoges Signal klingt halt mal anders, wie ein künstlich erzeugtes Signal, auch wenn man denkt, man ist nah dran.
Analoge Instrumente haben sein gewisses Etwas, aber auch die modernen Sounds
haben ihre Vorteile. Viele Sounds klingen sowieso sehr ähnlich und je nach
Genre benutzt du dann sowieso meistens den gleichen Sound.
Wer sich für Technik interessiert ist genau richtig bei Analogen Instrumenten,
wer aber schnell ein Sound braucht, wird eher zu modernen Sounds greifen, die auf Instrumenten viel als Digital zu Verfügung stehen. Ob diese dann gut klingen ist eine andere Sache, sehr oft nicht. Ein analoges Signal klingt halt mal anders, wie ein künstlich erzeugtes Signal, auch wenn man denkt, man ist nah dran.
Durch meine Hände gingen unzählige ‚Schlachtschiffe‘ und jeder hat so seine Eigenarten. Was aber alle gemein hatten: eine super Qualität. Es lag ausschließlich an der Art und Weise der Behandlung und an fehlender Pflege, wenn sie den Geist aufgegeben haben und zu mir fanden.
Oh Thomas, welch wahren Zeilen und Worte. Mein Microbrute z.B, ist schon alt. 12 Jahre. Ich kann es nicht glauben, dass er immer noch seinen Dienst macht. Jedes mal bei einer Session denke ich, wann kackt er ab...
Bei meinem Prologue spinnt mittlerweile das Display, aber egal, ich steh ia nicht auf Patch speichern usw.
Bei meinem Drumbrute versagte das Netzteil nach 5 Jahren, aner mein SY 85 läuft wie die Sau und mein Korg Poly sowiso.
Ich ärgere mich gar nicht mehr, wir müssen wohl damit leben...
Bei meinem Prologue spinnt mittlerweile das Display, aber egal, ich steh ia nicht auf Patch speichern usw.
Bei meinem Drumbrute versagte das Netzteil nach 5 Jahren, aner mein SY 85 läuft wie die Sau und mein Korg Poly sowiso.
Ich ärgere mich gar nicht mehr, wir müssen wohl damit leben...



