Der Genki Katla: Wie klingt Lava?
Lava sieht man normalerweise – man spürt ihre Hitze, ihre zerstörerische Kraft, ihre langsame, aber unaufhaltsame Bewegung. Doch hören? Genau hier setzt der neue Synthesizer „Katla“ des isländischen Unternehmens Genki Instruments an. Das Instrument versucht nichts Geringeres, als ein Naturphänomen in Klang zu übersetzen. Und es liefert damit eine ebenso poetische wie technische Antwort auf die Frage: Wie klingt Lava eigentlich?
Ein Instrument, geboren aus Feuer und Stein
Der Name „Katla“ ist eine direkte Referenz auf den Vulkan Katla, einen der aktivsten und zugleich gefürchtetsten Feuerberge Islands. Diese Verbindung ist nicht bloß symbolisch. Sie zieht sich durch das gesamte Design des Instruments.
Schon auf den ersten Blick wird klar, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Synthesizer handelt. Die Oberfläche wirkt rau, fast archaisch. Seitenteile und Bedienelemente bestehen aus echtem Lavagestein – Material, das einst selbst Teil eines Ausbruchs war. Dadurch gleicht kein Gerät dem anderen. Jeder Katla trägt gewissermaßen ein Stück geologischer Geschichte in sich.
Doch diese physische Nähe zur Natur ist nur die äußere Schicht. Die eigentliche Innovation liegt im Klang.
Zwischen Kontrolle und Unberechenbarkeit
Technisch handelt es sich beim Katla um einen hybriden polyphonen Synthesizer. Digitale Klangerzeugung trifft auf analoge Klangformung. Diese Kombination ist in der Musiktechnologie nicht neu – doch Genki Instruments geht einen entscheidenden Schritt weiter.
Der Katla ist so konzipiert, dass er sich bewusst der vollständigen Kontrolle entzieht.
Anstatt dass jede gespielte Note exakt reproduzierbar ist, verändert sich der Klang ständig. Die fünf Stimmen des Instruments rotieren, verschieben sich, reagieren unterschiedlich auf denselben Input. Das Ergebnis ist ein lebendiger, sich entwickelnder Sound, der eher an Naturprozesse erinnert als an klassische elektronische Musik.
Man könnte sagen: Der Katla spielt nicht einfach Töne ab – er „verhält“ sich.
Wenn Klang zu einem Prozess wird
Genau hier liegt die eigentliche Stärke des Instruments. Während viele Synthesizer darauf ausgelegt sind, präzise und reproduzierbare Sounds zu erzeugen, setzt der Katla auf das Gegenteil: kontrolliertes Chaos.
Die Klänge entstehen nicht statisch, sondern entwickeln sich im Moment. Kleine Schwankungen in Tonhöhe, subtile Verzerrungen und zufällige Modulationen sorgen dafür, dass kein Klang exakt gleich bleibt. Selbst einfache Akkorde können sich über Sekunden hinweg verändern, wachsen, auseinanderbrechen und neu formen.
Das erinnert stark an das Verhalten von Lava:
Sie fließt nicht gleichmäßig. Sie stockt, beschleunigt, kühlt ab, bricht auf – und genau dieses Wechselspiel findet sich im Klang des Katla wieder.
Wie hört sich Lava also an?
Eine exakte Antwort gibt es nicht, doch der Katla zeichnet ein erstaunlich klares akustisches Bild. Die Klänge, die das Instrument erzeugt, bewegen sich oft in einem Spannungsfeld zwischen Ruhe und Gewalt.
Man hört tiefe, grollende Frequenzen, die an das unterirdische Brodeln eines Vulkans erinnern. Darüber legen sich warme, fließende Klangflächen, die langsam ineinander übergehen – fast wie zähflüssige Lava, die sich ihren Weg bahnt. Und dann, plötzlich, brechen diese Strukturen auf: scharfe, aggressive Klangspitzen durchziehen das Klangbild, unvorhersehbar und intensiv.
Diese Mischung macht den Reiz aus. Der Sound wirkt nicht konstruiert, sondern organisch. Er hat Ecken, Kanten und Überraschungen – Eigenschaften, die man eher von Naturphänomenen als von elektronischen Instrumenten erwartet.
Mehr als nur ein Synthesizer
Mit einem Preis im oberen Segment richtet sich der Katla klar an professionelle Musiker, Sounddesigner und experimentierfreudige Künstler. Doch ihn nur als Werkzeug zu betrachten, greift zu kurz.
Der Katla ist auch ein Kunstobjekt. Ein Statement darüber, wie Technologie und Natur miteinander verschmelzen können. In einer Zeit, in der digitale Perfektion oft im Mittelpunkt steht, setzt dieses Instrument bewusst auf Imperfektion und Unvorhersehbarkeit.
Das macht ihn nicht nur zu einem musikalischen Gerät, sondern zu einer Art philosophischem Experiment: Wie viel Kontrolle braucht Kreativität – und wie viel Chaos?
Die Stimme eines Vulkans
Der Katla liefert keine einfache Antwort auf die Frage „Wie klingt Lava?“. Stattdessen eröffnet er einen Raum, in dem man diese Frage selbst erleben kann.
Lava klingt hier nicht wie ein einzelner Ton oder ein klar definierter Sound. Sie klingt wie ein Prozess. Wie Bewegung. Wie Veränderung.
Und vielleicht ist genau das die treffendste Beschreibung:
Lava klingt nicht – sie passiert.
UVP: entspannte 4.990,00 EUR
➤ Homepage: https://genki.is/katla
➤ Sound-Demo: https://www.youtube.com/watch?v=BpfhsBbgY8M
Kommentare
Nun, an den kann ich mich richtig auslassen.
Als „Geschäftsidee“ dienen hier Unkreativität und die „nicht vorhandene Zeit“ des Schraubers.
Der Katla ist top verarbeitet, das Design und jene verbaute Materialien dürften wohl einmalig sein, aber jene „Einmaligkeit“ der Sound-Engine lässt mich völlig kalt. Die ist aus Synthesizern um die 80´und 90´ziger und bei manchen professionellen heute noch ein Aushängeschild.
Der „selbstlaufende Zufall“ nennt sich Random Automation und ist hier das Herz. Das ist nichts weiter als eine zufällige Anordnung von gesteuerten Parametern, eine Art Zufallsgenerator.
Für den Quasimidi Quasar habe ich mal vor Jahren ein Panel programmiert, um ihn dann als Background-Sound alleine dudeln zu lassen. Was hier als neuer Ansatz verkauft wird ist nicht anderes.
Um nun die ganze verbaute „Kreativität“ die Krone aufzusetzen, beraubte man den Katla aller Nullstellungen (Minimum/Maximum Wert) sämtlicher Parameter. Nichts mit Tuning auf 440Hz, nichts mit „komm mal wieder ins „C“ oder „D“ zurück. Detuning steht ganz oben, aber ohne direkten Eingriff.
Definitive bekommt man spitze Ohren, wenn man auf solchen Soundeskapaden steht. Das macht bestimmt Freude, sich von diesem Teil verleiten zu lassen, die Üppigkeit der Ausstattung ladet ja direkt dazu ein.........
wäre da nicht der abschreckende Preis.
Gut, Innovation und wertige Arbeit haben ihren Preis, aber der hier ist schon eine Hausnummer.
Es gibt Synthesizer im gehobenen Preissegmemt, in dem die RA implementiert ist, bestimmt auch VSTs. Sollte man es nicht auffinden, so schaue man in seine DAW, auch hier sollte es nicht nur einen Hersteller geben, der diese "Zufallsgeneration" als Automation unterstützt.
Sollte alles scheitern, dann braucht man nicht gleich aufgeben, denn auch für jene, die das Vergnügen auskosten möchten, gibt es eine Lösung.
Automation in der DAW öffnen und wild drauf los zeichnen, mindestens 2 Minuten Länge. Ist der „Picasso“ fertig kopiert man diese Spur einfach als Anhängsel dahinter und verändert hier die Timeline, also Strecken oder Stauchen. Hier und da das Minimum und Maximum bearbeiten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Nun kopieren wir diese fertigen Blöcke in die darunter liegenden Spuren. Darauf achten, das die einzelnen Blöcke untereinander vertausch werden sollten pro Spur.
Als nächsten muss man nun die einzelnen Spuren auf die Hardware- oder VST-Parameter routen.
Wer vorher schon eine „Parameter-Automation“ aufgezeichnet hat, ist im Vorteil. Alle betätigten Regler sind hier in den Automations-Spuren zu sehen und tragen auch deren Parameter-Namen.
Hier tauschen wir die aufgezeichnete Automation einfach aus, oder neben diese statt der Kritzelei und machen hier den „Picasso“.
Jetzt den Playbutton an der DAW und ran an die Tasten oder dem VST. Halte ein Akkord oder nur ein zwei Tasten und mache dasselbe Gesicht, wie der Besitzer eines Katlas…. Einfach selber machen…..
Henk de Latra April 2026
Irgendwie war die Kiste aber ziemlich ungenutzt im Setup (ich denke auch mangels KnowHow meinerseits), und so habe ich den recht schnell wieder verkauft. ICH IDIOT
Momentan findet man die Kiste nirgends unter 2000 € und in der Rackversion kann ich nur 2 bei Ebay finden für über 4.500€.... Naja für den MKS70 mit PG würde ich heute auch das 3fache bekommen ..
Aber man kann beim Kauf nie wissen, ob man sich einen späteren Klassiker zugelegt hat oder nicht.
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