Künstliche Songs, echte Ablehnung
Die Debatte um künstlich generierte Musik ist seit 2024 zu einem der kontroversesten Themen hier auf MOM und in der Musikbranche geworden. Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction klang, ist heute Realität: Millionen von vollständig KI-erstellten Tracks werden täglich auf Streaming-Plattformen hochgeladen, und die meisten Hörer können nicht erkennen, ob ein Song von einem Menschen oder einer Maschine stammt. Doch gerade diese Unterscheidbarkeit ist Kern der Kritik vieler Musiker, Produzenten und Musikfans.
Ein aktueller Bericht von Deezer und Ipsos zeigt, dass 97 % der Musikkonsumenten in einem Blindtest nicht zwischen menschlicher und KI-Musik unterscheiden konnten – ein Ergebnis, das viele überrascht und bei über der Hälfte der Befragten sogar ein Unbehagen auslöste. Mehr als die Hälfte fühlt sich „unwohl“ dabei, nicht erkennen zu können, wo echte Kreativität endet und künstliche beginnt.
Die Studie belegt auch, dass KI-Musik längst keinen Nischenmarkt mehr darstellt: Auf der Plattform Deezer werden täglich rund 50.000 vollständig KI-generierte Tracks hochgeladen, was etwa einem Drittel aller täglichen Releases entspricht.
Das führt zu einer Vielzahl von Bedenken, die über bloßes Unbehagen hinausgehen:
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Transparenz ist ein zentrales Thema. Rund 80 % der Befragten wünschen sich, dass KI-Musik klar als solche gekennzeichnet wird. Viele wollen außerdem die Möglichkeit, KI-Musik aus Empfehlungen herauszufiltern.
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Kreativität und künstlerische Vielfalt werden infrage gestellt. Fast zwei Drittel glauben, dass KI-Musik zu einem Verlust von Kreativität führt.
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Fairness gegenüber Künstlern ist ein massiver Streitpunkt. Eine große Mehrheit der Befragten hält es für unethisch, wenn KI-Modelle mit urheberrechtlich geschütztem Material trainiert werden, ohne dass die originären Künstler zustimmen oder fair entlohnt werden.
Diese Kritik spiegelt sich in der Haltung vieler Musikprofi wider. Eine globale Studie unter Musikproduzenten zeigt, dass über 80 % der Produzenten gegen vollständig KI-generierte Songs sind. Viele sehen in ihnen eine Bedrohung für das Handwerk und die künstlerische Integrität. Nur ein kleiner Teil nutzt KI-Tools regelmäßig, aber selbst dort beschränken sich die meisten auf assistierende Funktionen wie Stem-Trennung, Mixing oder Mastering – und nicht auf die automatische Generierung kompletter Songs.
Die Zahlen:
Skepsis und Ablehnung
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Rund 64 % glauben, KI-Musik könnte Kreativität zerstören.
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45 % wollen KI-Songs rausfiltern, 40 % würden sie direkt skippen.
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70 % sehen Gefahr für Musiker-Jobs.
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80 % wollen Pflicht-Kennzeichnung.
➡ Viele haben also Bauchschmerzen damit.
Gleichzeitig: Nutzung und Neugier sind hoch
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66 % würden KI-Musik zumindest einmal hören (Neugier).
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45 % sind generell offen, KI-Musik zu hören.
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Milliarden Streams von KI-Tracks existieren schon.
Realer Markt zeigt: noch keine Dominanz
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Teilweise >30 % Uploads sind KI,
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aber Streams sind aktuell nur ein winziger Anteil, weil Leute eher Humans hören oder Plattformen filtern.
Bei Produzenten ist die Ablehnung deutlich stärker
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Nur 17 % klar pro KI-Musik,
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82 % gegen voll generierte Songs per Prompt.
Dieser Widerstand der Produzenten hat mehrere Gründe: Viele sehen ihre künstlerische Arbeit entwertet, wenn Maschinen zunehmend Songs erstellen, die – ohne echte Emotion oder Erfahrung – ebenso marktfähig erscheinen. Außerdem warnen sie vor langfristigen Risiken für Komposition, Kulturerbe und Einkommen von Kreativen, wenn KI-Generatoren ungefiltert auf Archive menschlicher Kunst zugreifen und daraus neue Werke schaffen.
Doch trotz dieser Kritik ist die Realität komplex: Viele Hörer sind neugierig auf KI-Musik, ein großer Teil würde sie zumindest einmal aus Interesse hören. Doch die Stimmung ist ambivalent – die breite Mehrheit fordert klare Regeln, Transparenz und Schutzmechanismen, bevor KI-Musik als gleichwertig mit menschlicher Musik akzeptiert werden kann.
Widerstand ist wichtig
Der Streit um KI-Musik ist kein bloßes Kultur-Trendthema – er berührt grundlegende Fragen:
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Was macht Musik menschlich?
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Wie schützen wir kreative Arbeit und faire Vergütung?
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Welche Rolle soll Technologie im kreativen Prozess spielen?
Dass KI-Musik für so viele Menschen „gegen den Strich geht“, ist ein wertvolles Signal: Es zeigt, dass Kunst nicht nur als Produkt, sondern als Ausdruck menschlicher Erfahrung gesehen wird – und dass viele nicht wollen, dass Technologie diesen Ausdruck verdrängt, sondern sie sinnvoll ergänzt und schützt.
Kommentare
Vocal Voyage vor 1 Tag
Selbst wenn ein Funke da gewesen wäre (was hier nicht der Fall war), kühle ich sofort ab, sobald ich bemerke, dass die Musik aus der KI-Büchse stammt. Ich fühle mich dann schlicht getäuscht – und kann mich emotional nicht mehr darauf einlassen.
Vor allem beim Gesang ist Authentizität unerlässlich. Und egal, wie viele Effekte noch draufliegen: Wenn der Input menschlich ist, bleibt der emotionale Kern echt (auch wenn hier gilt: weniger ist mehr). Du kannst den Klang verändern, so viel du willst – entscheidend ist, dass der Ausdruck authentisch bleibt. Wenn jemand vorgibt, etwas sei „emotional echt“, obwohl keine reale menschliche Emotion dahintersteckt, beginnt der Betrug. Und genau hier hört der Spaß auf. Bei Techno-Produktionen oder ähnlichen Genres spielt das keine Rolle. Alle wissen, dass dort wenig „Seele“ im Spiel ist, und das ist auch in Ordnung, weil es um Energie, nicht um Emotionalität geht. Sie funktionieren weitgehend ohne menschlichen Fingerabdruck. In jedem Fall bin ich für eine Kennzeichnungspflicht überall dort, wo KI vorgibt, persönliche oder menschliche Emotionen wiederzugeben.
Natürlich kann KI-generierte Emotionen auslösen. Das kann ein KI-generiertes Bild auch (siehe die Dame über diesem Bericht). Musikalisches Empfinden ist ein Wechselspiel. Wenn ich weiß, dass es KI war, beeinflusst es entschieden mein musikalisches Empfinden. Wenn meine Freundin den Frühstückstisch deckt, freut mich das eher, als wenn es R2D2 war. Auch wenn es genauso gut schmeckt.
Sturmwind vor 6 Tagen
Ich sehe KI als Fremdkörper, den ich nicht gerne in meinem Leben habe.
lg seebass
Was andere glauben, spielt keine Rolle. Die Tatsache ist, dass Spotify bereits 75.000.000 KI-Songs gelöscht hat.
https://www.delamar.de/news/spotify-loescht-lieder-82234/
Wer also meinen muss, seinen Namen unter eine KI-Produktion setzen zu müssen, wird eines besseren belehrt! ;-)
Alex Oaken vor 7 Tagen
Und eine ganz wichtige Sache wurde in dem Beitrag nämlich auch noch unterschlagen:
51 % glauben, dass KI in den nächsten 10 Jahren eine bedeutende Rolle bei der Musikproduktion spielen wird.
51 % glauben, dass KI zur Produktion von mehr minderwertiger, generisch klingender Musik auf Streaming-Plattformen führen wird.
Letzterer Punkt wird es sein, was zukünftig genutzt werden wird von humaner Musik.
#Umdenken.
T!K vor 7 Tagen
Beispiel:
Michael Bennet (der Sänger und nicht der Politiker) geht momentan in allen Sozial Media Plattformen durch die Decke. Sein Song "After i pass away" erreichte in nur 2 Wochen über 3,5 Millionen, ich wiederhole 3.500.000 Klicks in nur 2 Wochen.
Und der Knaller ist... Michael Bennet ist 100% KI generiert, den Typ gibt es überhaupt nicht und kein realer Mensch hat diesen Text geschrieben. Wer es nicht glaubt, einfach GOOGELN... und das schlimme ist... das Stück ist richtig gut. Und wer glaubt die KI könne keine Emotionen hervorrufen... dann schaut selbst und lest die Kommentare.
https://youtu.be/aGVIV7r8Hdc?si=Cw86iKl-d1YK4Js3
Mir ist schon klar das vielen künstlerisch Tätigen der A**** auf Grundeis geht da die Gefahr besteht, dass sie bald keine ausreichenden Einnahmen mehr generieren können. Der Lauf der Zeit...
Man muss sich halt echt mit dem Gedanken befassen das wir in Zukunft keinen Steuerberater, Rechtsanwalt, Büroangestellte (außer zum Kaffee holen :-)) mehr brauchen werden. Die Digitalisierung treibt das alles voran. Vieles wird sich neu sortieren müssen... auch die Musik.
Was uns aber bleibt... der Spaß daran unsere Musik selbst zu machen, das kann uns keiner nehmen.
Alex Oaken vor 7 Tagen
Alex Oaken vor 7 Tagen
Was mir passt, oder auch nicht, muss nicht Gegenstand deiner Überlegungen sein.
Du darfst jeder Zeit gehen, wenn es dir das "Aushängeschild" nicht passt. ;-)
Achja, es sollte doch ganz einfach sein, dir die Informationen zu ergooglen. Zumal im Text auch steht, wer diese Studie geführt hat. Du kannst auch die KI deines Vertrauens fragen. ;-)
Alex Oaken vor 7 Tagen
Siehe Forum. Das beste Aushängeschild dieser Plattform.
Gefällig wohl eher dir gegenüber..... um zu Spalten?
Quelle: https://newsroom-deezer.com/2025/11/deezer-ipsos-survey-ai-music
Du kannst dir auch mal die Worte "My Own Music" durch den Kopf gehen lassen und überlegen, was diese in Bezug auf KI bedeuten. ;-)
Alex Oaken vor 7 Tagen
Blanke, unbelegte Zahlen sind Polemik und die sollte von einer Redaktion doch wohl vermieden werden. Wir sehen doch gerade beim ZDF, was passiert, wenn unbelegte Dinge ihren Umlauf nehmen.
Ein gefälliger Artikel eines Anti KI Aktionisten für Anti KI Aktionisten zur Selbstbeweihräucherung, der wiedermal zu Unruhen führen soll/könnte.
Neutralität der Redaktion? Fehlanzeige!
Spalten, statt Einen. Ein weltweites Phänomen dieser Tage. Leider nun auch hier.
Ende der 80er Jahren besuchte mich mein Freund Kolja Blacher - http://kolja-blacher.com, den ich seit Kindertagen kannte und meinte, das wohl bald arbeitslos werden würde, da in der Zeit, die ersten Sampler und Rompler aufkamen.
Der Mensch wird einen Weg finden, das beste aus der Technik zu machen
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