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MoM-Mitmach-Aktionen - Rolander - Arcanum Fabrica

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Die Geschichte ist sehr lang geraten. Sorry dafür. Ich überlege, ob ich hier nur eine Kurzfassung und einen Link zur ungekürzten Story einfügen soll. Dazu warte ich erst einmal ein paar Reviews ab.

I: Im Museum (0:00)

Fred Johnston arbeitet als Nachtwächter in einem Technikmuseum. Nach seinem routinemäßigen Rundgang durch die Ausstellungshallen beschließt er einen Streifzug durchs Depot im Keller zu machen, wo die nicht ausgestellten Objekte lagern. Es ist ein bisschen unheimlich hier unten.

II. Das Vermächtnis des Ebenezer Smart (1:27)

In der schummrigen Halle findet er eine große, verstaubte Truhe mit der Aufschrift: „Unvollendetes Gerät aus dem Nachlass des Erfinders Ebenezer Smart (1853-1899), Zweck unbekannt. Ausstellungswert: gering. Empfehlung: entsorgen oder einlagern.“

Neugierig öffnet er sie und findet ein Sammelsurium an Einzelteilen: einen großen Kessel und Röhren und Ventile aus Messing, Druckmesser und Voltmeter, mit Porzellanisolatoren versehene Kupferelektroden, Schwung- und Zahnräder, alte Vakuum-Röhren (einige sind kaputt), und ganz unten ein in Wachstuch eingeschlagenes Buch mit dem Titel „Deterministischer Calculator“, ölverschmiert, aber lesbar: die Aufzeichnungen des verstorbenen Genies, darunter einige unverständliche, äußerst komplizierte Differentialgleichungen und eine Bau- und Betriebsanleitung. Der Zweck der Maschine ist nur angedeutet; offenbar geht es darum, verschiedene Zeitverläufe in Abhängigkeit von vorgegebenen Anfangsbedingungen zu simulieren. Aber es kann sich doch nicht um einen Computer handeln? Unmöglich. Der wurde erst im 20ten Jahrhundert erfunden.

Da er technikbegeistert und ihm langweilig ist, nutzt er in den folgenden Tagen die Stunden zwischen seinen Rundgängen, um den Apparat zusammenzubauen. Dabei muss er viel improvisieren. Zum Glück gibt es genügend Schrott im Depot: z.B. alte russische Funkgeräte aus dem zweiten Weltkrieg, wo er passende noch funktionierende Röhren als Ersatz für die zerbrochenen findet. Er schraubt, schmiert, poliert, verdrahtet, und schließlich steht ein mehr als mannshohes Ungetüm vor ihm, das an einen Zwitter aus einer alten Dampfmaschine und einem Tesla-Generator gemahnt.

III. Der Zauberlehrling (2:25)

Wie von Ebenezer Smart beschrieben, füllt Fred den Kessel mit Wasser, einen Kupfertank mit Petroleum und startet den Brenner. Nach einer schier endlos erscheinenden Weile stößt die Maschine etwas Dampf aus, und der Zeiger des Manometers klettert nach oben. Langsam beginnt sich das Schwungrad zu drehen und bewegt einen überdimensionierten Keilriemen, der Reibungselektrizität an einer auf Hochglanz polierten Metallkugel erzeugt. Das Voltmeter zeigt eine steigende Spannung an.

Doch es ist wie in Goethes Zauberlehrling: Fred verliert die Kontrolle über den Apparat, die Maschine lässt sich nicht mehr stoppen. Dampfstrahlen schießen aus dem Überdruckventil. Immer schneller dreht sich das Rad, immer höher steigen Druck und Spannung, bis sich krachende Blitze aus der Metallkugel lösen und in die isolierten Elektroden fahren. Die Vibrationen nehmen zu, und Fred befürchtet, dass die Maschine explodiert. Er sollte fliehen, aber er muss einfach versuchen, den Dämon in die Flasche zurückzuzwängen. Doch eine blaue Aura breitet sich von den Blitze speienden Elektroden aus, hüllt ihn ein, und ihm schwinden die Sinne.

IV. Wegscheiden (3:49)

Plötzlich ist er an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit – in seiner eigenen Vergangenheit:

Fred sieht sich im Zeitraffer aufwachsen, wohlbehütet. Seine Kindheit ist glücklich. Er ist aufgeweckt, wissbegierig, will einmal ein berühmter Forscher werden. Manche seiner Ziele erweisen sich als zu hochgesteckt, aber er wird schließlich ein angesehener Wissenschaftler an einer Technischen Universität. Er lernt die Liebe seines Lebens, Emily, kennen, heiratet sie; das Paar bekommt einen Sohn. Alles scheint perfekt.

Doch dann wird er mit seinem Leben unzufrieden. Es kommt ihm langweilig und schal vor. Seine neue Assistentin an der Uni verspricht da etwas Abwechslung. Sie ist attraktiv, und er hat sich ein wenig in sie verliebt. Nichts Ernsthaftes. Etwas flirten darf man ja wohl.

Dann stoppt die Szene plötzlich, als hätte jemand den Projektor seines Lebens angehalten, und ein Gongschlag ertönt. Ein Schild mit der Aufschrift: „Wichtige Entscheidung!“ taucht in der Luft auf. Er weiß, was er an dieser Wegscheide getan hat: Er hat seine Frau betrogen, und dadurch ist alles aus den Fugen geraten. Also entscheidet er sich jetzt anders und bleibt ihr treu. Der „Deterministische Calculator“ erlaubt ihm einen flüchtigen Blick in diese alternative Realität. Er sieht, dass er seine Unzufriedenheit überwindet und sein Leben wohl glücklicher verlaufen wäre, hätte er diese andere Wahl getroffen.

Doch dann versetzt ihn der Apparat zurück zum Zeitpunkt der Entscheidung. Ein Schild erscheint, auf dem geschrieben steht: „Du hattest einen freien Willen und hast nicht diesen Weg gewählt“, und sein Leben verläuft weiter, wie es tatsächlich war. Er betrügt Emily, sie erfährt es und stellt ihn zur Rede. Sie bietet ihm einen Weg zurück, ist bereit ihm zu verzeihen. Und erneut ertönt der Gong, und Fred steht wieder am Scheideweg.

Wieder weiß er wie es weiterging: Er ist (oder zumindest redet er sich das ein) sexuell abhängig von seiner Geliebten, kann sie, so glaubt er, nicht aufgeben – der nächste Schritt hin zum Desaster.
Doch auch dieses Mal simuliert der Apparat die Alternative: Fred verlässt seine Geliebte, zahlt ihr eine Abfindung und besorgt ihr einen anderen Job, weit von seinem entfernt. Die Zukunft verheißt wieder Zufriedenheit und Erfüllung.

Aber es ist nur ein simuliertes Leben, das ihm der Calculator zeigt. Er hat es im realen Leben wieder verhauen, und das ist kein Schicksal, sondern einzig und allein seine Schuld. Er hatte immer die Wahl und hat jedes Mal den falschen Weg eingeschlagen:
Nach der Trennung und Scheidung greift er zur Flasche, wird Alkoholiker, die Uni entlässt ihn, er wird obdachlos, landet auf der Straße, wird straffällig. Zu seinem Sohn hat er seit Jahren keinen Kontakt mehr.
Immer wenn er die falsche Wahl getroffen hat, zeigt im die Maschine flüchtig, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er sich anders entschieden. Die Alternativen sind nicht so schön wie bei den ersten Wegscheiden, aber immer noch besser als die Hölle, in der er gelandet ist.

V. Unerwartete Hilfe (7:26)

Am tiefsten Punkt seines kümmerlichen Daseins angelangt, begegnet er zufällig Emily. Sie reden, und er erfährt, dass sie inzwischen mit einem anderen verheiratet ist. Fred könnte ihr eigentlich egal sein, aber sie hat Mitleid mit ihm und erkennt, dass er Hilfe braucht.
Also sorgt sie dafür, dass er eine Entziehungskur macht, und als er wieder rückfällig wird, ist sie da, um ihm beizustehen. Schließlich schafft er es, trocken zu bleiben, und sie besorgt ihm den Job als Nachtwächter. Dann verschwindet sie wieder aus seinem Leben. Er weiß nicht einmal, wo sie wohnt. Aber seitdem lebt er wenigstens nicht mehr in purer Verzweiflung.

VI. Der Deterministische Calculator berechnet die Zukunft (8:30)

Er ist bei der Rückschau auf sein Leben nun in der Gegenwart angelangt. Doch dann geschieht etwas Überraschendes: Der Apparat zeigt ihm zum ersten Mal keine alternative Vergangenheit, sondern einen Ausblick in seine Zukunft. Morgen Abend wird er vor seiner Schicht in ein Restaurant gehen, um etwas zu essen, und da sieht er sie: eine gemeinsame Freundin von Emily und ihm aus glücklichen Tagen. Er geht an ihren Tisch und fragt, ob er mit ihr sprechen darf. Sie reagiert abweisend, denn sie hat ihm nie verziehen, wie er seine Ex-Frau behandelt hat, aber sie beantwortet seine Fragen:

Er erfährt, dass sich Emily vorletztes Jahr von seinem Nachfolger hat scheiden lassen, weil auch er sie betrogen hat. Sie sei einsam und verzweifelt, erzählt die Freundin. Ihr Leben sei kaputt, so wie seins. Sie hat niemanden, der sie in schlimmer Not auffangen kann, so wie Emily ihn gestützt hat, als er am Ende war. Er fragt die Freundin nach Emilys Telefonnummer, aber sie ist skeptisch. Sie meint, dass er sie besser in Ruhe lassen soll, er täte ihr nicht gut. Sie weiß von seiner Alkoholsucht und seinem Leben, das beinahe im Abgrund geendet hätte. Doch er sagt zu ihr, jeder Mensch könne sich ändern, und er habe, nicht zuletzt dank Emilys Hilfe, sein Leben wieder in den Griff bekommen. Sie gibt ihm schließlich die Nummer. Als er auf den Zettel blickt, verschwimmen die Zahlen vor seinen Augen, die Umgebung löst sich auf, und es gibt nur noch Dunkelheit.

VII. Erwachen (9:26)

Plötzlich findet er sich im Depot wieder. Er sitzt an die Wand gelehnt auf dem Boden und reibt sich die Augen. Vor ihm steht kein monströser Apparat, sondern nur eine verschlossene verstaubte Kiste mit der Aufschrift: „Unvollendetes Gerät aus dem Nachlass des Erfinders Ebenezer Smart (1853-1899), Zweck unbekannt. Ausstellungswert: gering. Empfehlung: entsorgen oder einlagern.“

Hat er all das geträumt? Er ist völlig verwirrt. Wenn es ein Traum war, dann hat er etwas zu bedeuten. Er beschließt, morgen in dieses Restaurant zu gehen. Wenn die Freundin nicht da sein sollte, wird er auf anderen Wegen versuchen, seine Frau zu finden. Er muss zumindest wissen, ob sie glücklich ist. Falls nicht, ist er entschlossen, ihr das zu geben, was sie ihm gegeben hat: Trost und Hoffnung. Und wenn er großes Glück hat, kann er seine Familie vielleicht wiederbekommen. Einmal im Leben muss er die richtige Entscheidung treffen.

album: Storyteller 2021

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