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Marco Torrance

Blog

Marco Torrance am 30.09.26 um 10:57

OFFTOPIC: Aldi in Amerika - Erfolg durch Inflation


Man kann es sich nicht ausdenken: Ausgerechnet Aldi wird in den USA immer mehr zu einer Art Rettungsanker für Menschen, die beim Wocheneinkauf nicht mehr jeden Preis einfach schlucken wollen.

Ich muss allerdings vorweg sagen: Ich selbst bin kein großer Aldi-Fan. Ich finde viele Produkte dort schlicht nicht besonders toll und mir fehlt teilweise die Auswahl, die ich von größeren Supermärkten gewohnt bin. Das Aldi-Konzept mit den vielen Eigenmarken ist eben Geschmackssache. Trotzdem muss ich zugeben: Was gerade in den USA passiert, ist ziemlich massiv!

Denn während sich viele Amerikaner über die hohen Lebensmittelpreise ärgern, wächst Aldi weiter. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Inflation die Haushalte seit Jahren unter Druck setzt. 2026 will Aldi in den USA mehr als 180 neue Filialen eröffnen. Ende des Jahres soll das Unternehmen fast 2.800 Standorte haben, langfristig sind 3.200 Filialen bis 2028 geplant. Aldi spricht außerdem davon, dass im vergangenen Jahr bereits einer von drei US-Haushalten bei Aldi eingekauft hat.

Und dann gibt es noch diese Szene aus Manhattan.

Im Juni 2026 eröffnete Aldi seine erste Filiale in Midtown Manhattan, direkt an der 42nd Street. Mehr als 500 Menschen standen dort zur Eröffnung Schlange – konkret wurde von einer Warteschlange mit 511 Personen berichtet. In Midtown Manhattan für einen Discounter Schlange zu stehen, ist schon ein ziemlich gutes Bild dafür, wie sich die Wahrnehmung von Aldi in den USA verändert hat.

Natürlich standen die Leute nicht ausschließlich wegen der Inflation dort. Es gab eine Eröffnung, Aktionen und Geschenke für die ersten Kunden. Aber Aldi ist längst kein Geheimtipp mehr. Gerade in einer Stadt wie New York, in der Lebensmittel und das alltägliche Leben ohnehin teuer sind, wird ein Supermarkt mit dauerhaft niedrigen Preisen plötzlich wichtig!

Und genau hier finde ich die Entwicklung ein bisschen witzig: Jetzt muss man sich in Amerika teilweise auf Aldi verlassen, weil die Inflation die Preise so nach oben getrieben hat.

Viele Verbraucher schauen offenbar nicht mehr nur darauf, welche Marke sie früher gekauft haben. Sie schauen auf den Kassenbon. Und wenn der Unterschied groß genug ist, lässt man dem großen Supermarkt eben den Rücken frei.

Das lässt sich auch an konkreten Preisvergleichen sehen.

Eine Untersuchung von Consumer’s Checkbook aus dem Jahr 2025, die einen Warenkorb mit 150 alltäglichen Produkten in mehreren US-Metropolregionen verglich, kam zu einem ziemlich deutlichen Ergebnis: Aldi lag 30 bis 40 Prozent unter dem Durchschnitt aller untersuchten Supermärkte.

Auch ein direkter Vergleich mit Walmart zeigt, wo Aldi besonders stark sein kann. Bei einem im Mai 2025 durchgeführten Vergleich von 29 Produkten war Aldi bei 24 Artikeln günstiger. Besonders deutlich waren die Unterschiede unter anderem bei Fleisch und einigen Haushaltsprodukten.

Der komplette Vergleich kam bei diesem Warenkorb auf 94,21 Dollar bei Aldi und 105,45 Dollar bei Walmart. Das sind nicht Welten bei jedem einzelnen Produkt, aber über einen kompletten Einkauf summiert es sich.

Noch interessanter wird es bei einem anderen Preisvergleich: Eine Analyse von BofA Global Research aus 2025 kam bei ihren untersuchten Märkten auf einen Aldi-Warenkorb, der im Durchschnitt 11 Prozent unter Walmart lag. Gleichzeitig lagen klassische Supermarkt-, Mass-Market- und Spezialanbieter in dieser Untersuchung durchschnittlich 21 Prozent über Walmart.

Man muss solche Zahlen allerdings richtig einordnen. Lebensmittelpreise unterscheiden sich in den USA teilweise erheblich nach Bundesstaat, Stadt, Filiale, Angebot und Zeitpunkt. Außerdem verkauft Aldi überwiegend Eigenmarken. Ein günstiger Aldi-Artikel ist deshalb nicht immer exakt mit einem Markenprodukt bei Walmart oder Kroger vergleichbar.

Aber genau darin liegt auch Aldis Geschäftsmodell.

Aldi braucht nicht fünf verschiedene Marken von Cornflakes, zehn Sorten Tomatensoße und einen halben Gang voller Waschmittel. Das Sortiment ist wesentlich konzentrierter, viele Produkte kommen unter Eigenmarken und die Filialen sind kleiner. Weniger Auswahl, weniger Fläche und weniger Aufwand können dabei helfen, die Kosten niedrig zu halten.

Und während die Amerikaner früher vielleicht gesagt haben: „Ich kaufe lieber die bekannte Marke“, verändert sich diese Einstellung. Reuters berichtete 2026 über einen deutlichen Trend hin zu Eigenmarken. Dieser betrifft längst nicht mehr ausschließlich Haushalte mit niedrigem Einkommen. Auch Menschen mit höheren Einkommen achten stärker darauf, was sie für ihr Geld bekommen.

Das ist wahrscheinlich der entscheidende Punkt.

Aldi muss die Amerikaner nicht davon überzeugen, dass Aldi plötzlich das beste Essen der Welt verkauft. Es reicht, wenn der Kunde an der Kasse merkt, dass sein Einkauf deutlich weniger kostet.

Und genau deshalb finde ich die Entwicklung so bemerkenswert. Aldi war für viele Amerikaner lange einfach ein günstiger deutscher Supermarkt. Heute wird das Konzept in einem Umfeld immer attraktiver, in dem die Preise für Lebensmittel über Jahre gestiegen sind und Verbraucher zunehmend auf ihr Budget achten.

Selbst Aldi reagiert inzwischen weiter auf diesen Preisdruck. Im September 2026 kündigte das Unternehmen zusätzliche Preissenkungen für zahlreiche Produkte in den USA an. Aldi erwartet dadurch Einsparungen von rund 86 Millionen Dollar für seine Kunden.

Das Ganze hat also fast etwas Ironisches: Die Inflation macht das Leben teurer – und gleichzeitig sorgt genau dieser Preisdruck dafür, dass ein Discounter wie Aldi für immer mehr Amerikaner interessant wird.

Ich persönlich werde deshalb wahrscheinlich trotzdem nicht plötzlich zum Aldi-Fan. Wenn mir ein Produkt nicht schmeckt, hilft auch der niedrigere Preis nicht viel.

Aber wirtschaftlich muss man Aldi in den USA mittlerweile ernst nehmen.

Während große Supermärkte darum kämpfen, ihre Kunden mit Rabatten, Eigenmarken und Sonderangeboten bei der Stange zu halten, baut Aldi sein Netz weiter aus. Und wenn die Kunden feststellen, dass sie ihren Einkaufswagen bei Aldi deutlich günstiger vollbekommen, wird die Entscheidung irgendwann ziemlich einfach.

Man geht dorthin, wo der Einkauf weniger weh tut.


Und genau das scheint Aldi in Amerika gerade sehr zugutezukommen.


Henk de Latra
Henk de Latra vor 23 Stunden
Ich gehe hier in Deutschland auch dahin wo der Schmerz des ausgegeben Geldes am geringsten ist :-)
Mittlerweile kaufe ich genau so ein wie meine Oma es früher schon gemacht hat (nur bei größerer Auswahl). Ich studiere am WE die Angebote der kommenden Woche, achte auf verarsche Blender die nur für App- oder Sammelkartenkunden gelten, und plane dann meine Einkäufe den Märkten und Angeboten entsprechend, so das ich wenig fahren muss (sonst rechnet sich das nicht), und bestenfalls dauerhaft spare.
Seit dem ich das genau im Blick habe, spare ich viel Geld ein. Vor allem bei Artikeln wie Kaffeepads, Markenjoghurts, Getränke, Fertiggerichte ... z.B.: 10x Senseo Pads (2,- billiger), 10x J mit d Ecke (0,60 billiger), 10x San Pellegrino 0,33 Dose (0,60 billiger) und 10x Frosta Fertiggerichte (2,50 billiger) - und schon hat man in einer Woche 57,-€ gespart !!!
Ich kaufe auch vieles beim Aldi aber auch Netto oder Kaufland - nur eben nicht jeden Artikel überall, außerdem gehe ich zu Rewe und Edeka.

Bei uns vor Ort haben wir auch einen Boom an Kunden bei Aldi, aber auch bei Kaufland, an Tankstellen (vor allem mit Tankrabatt) und in Tabakläden. Alle aus den Niederlanden (10KM von der Grenze). Dort sind Lebensmittel, Benzin und Tabak deutlich teurer als bei uns.
Auch fast ironisch - das war vor 40 Jahren komplett umgekehrt - da fuhren wir Deutschen noch 2 mal im Monat rüber in die NL um Butter, Kaffee, Kippen und Diesel zu kaufen.