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Marco Torrance

Blog

Marco Torrance am 19.10.26 um 20:35

Albtraum mit 4 Buchstaben: ASIO


Es gibt Dinge in der Computerwelt, die einen über Jahre verfolgen. Für mich gehört ASIO dazu. Vier Buchstaben, die bei Windows und professioneller Audiotechnik für niedrige Latenzen stehen sollen, bei mir aber vor allem Erinnerungen an Treiberprobleme, Kompatibilitätsfragen und unnötigen technischen Ballast wecken.

2011 bin ich deshalb auf den Mac gewechselt. Ich wollte Musik machen, mit Audio arbeiten und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Statt mich mit dem Betriebssystem und seinen Eigenheiten herumzuschlagen, wollte ich einfach, dass meine Hardware funktioniert. Der Wechsel war für mich auch eine Flucht vor dem ewigen ASIO-Theater unter Windows.

Und jetzt das.

➤ Windows ARM: alter Wein in neuen Schläuchen?

Da entwickelt sich mit Windows auf ARM eine Plattform, die eigentlich die Chance bietet, technische Altlasten hinter sich zu lassen. Eine neue Prozessorarchitektur, moderne Geräte und die Möglichkeit, grundlegende Dinge von Anfang an vernünftig zu gestalten.

Und dann begegnet einem ausgerechnet wieder das alte ASIO-Konzept.

Ernsthaft?

ASIO wurde entwickelt, um unter Windows einen möglichst direkten Audiopfad mit niedriger Latenz zu ermöglichen. Das war zu seiner Zeit sinnvoll. Doch ein Konzept, das aus einer anderen Hardware- und Softwaregeneration stammt, wird nicht automatisch zur idealen Lösung, nur weil man es auf eine neue Prozessorarchitektur überträgt.

Microsoft selbst zeigt in seiner Dokumentation, dass Windows mit WASAPI längst Möglichkeiten für Audio mit geringer Latenz bietet. Entscheidend sind dabei unter anderem passende Treiber, kleine Audiopuffer und eine vernünftige Integration in das Betriebssystem. (⁠Microsoft Learn)

Warum also nicht konsequent weiterdenken?

➤ Ein neuer Flaschenhals für Windows ARM?

ARM ist nicht einfach nur x86 mit einem anderen Prozessor. Die Plattform bietet die Gelegenheit, das Zusammenspiel zwischen Betriebssystem, Hardware und Anwendungen neu zu optimieren.

Stattdessen droht erneut eine Abhängigkeit von einem Konzept, das seine Wurzeln in einer ganz anderen Windows-Welt hat.

Natürlich muss man differenzieren: ASIO selbst ist nicht automatisch langsam, und seine Verwendung bedeutet nicht zwangsläufig, dass Windows ARM zum Flaschenhals wird. Entscheidend ist, wie die jeweilige Implementierung funktioniert, welche Treiber verfügbar sind und wie gut die Audioanwendungen angepasst wurden.

Trotzdem bleiben für mich einige Fragen offen:

  • Warum wird nicht konsequent auf eine moderne, systemnahe Audioarchitektur gesetzt?
  • Wie gut funktionieren professionelle Audiointerfaces ohne zusätzliche Kompatibilitätsschichten?
  • Werden Hersteller ihre Treiber für ARM wirklich optimieren oder lediglich bestehende Lösungen portieren?
  • Und wie viel Zeit werden Musiker wieder damit verbringen, technische Probleme zu lösen, statt kreativ zu arbeiten?

Das sind keine nebensächlichen Fragen. Gerade bei Musikproduktion, Live-Auftritten und professioneller Audiobearbeitung zählen zuverlässige Treiber und niedrige Roundtrip-Latenzen.

➤ Die verpasste Chance

Was mich daran besonders stört, ist nicht ASIO allein. Es ist die grundsätzliche Haltung, alte Lösungen immer weiter mitzuschleppen, anstatt sich zu fragen, ob man es inzwischen nicht besser machen könnte.

Windows ARM hätte die Chance, Audio von Grund auf für eine moderne Plattform zu denken. Mit einer sauberen Treiberarchitektur, einer leistungsfähigen nativen Schnittstelle und einer konsequenten Unterstützung durch Hardwarehersteller.

Aber wenn man ein altes Konzept einfach weiterträgt, ohne seine grundlegenden Schwächen zu hinterfragen, darf man sich über neue Probleme nicht wundern.



Marco Torrance
Marco Torrance vor 13 Tagen
@Filterpad:

ARM ist die neueste Architektur, die die alte x86/64-Struktur ablösen soll. Das ist in etwa dasselbe, wie die M-Chips von Apple.

Filterpad
Filterpad vor 14 Tagen
ARM ist mir neu, aber ASIO war grausam und hat mich auch über sehr lange Zeit zur maximalen Weißglut verholfen. Das schlimme daran. Es hatte keinen Einfluss auf die klangliche Qualität, es ging lediglich, wie du erwähntest, um Latenz. Es war der Horror in der DAW. Ich hoffe, diese Zeiten sind passé. Dinge, die nie mehr wieder kommen müssen. Dazu gehört der Quatsch namens ASIO.