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Marco Torrance am 11.10.26 um 12:34Kunst kommt von Können
KI in der Wirtschaft? Von mir aus. Wenn Unternehmen meinen, sie müssten künstliche Intelligenz einsetzen, um Arbeitsabläufe zu automatisieren, Kosten zu senken und Menschen durch Algorithmen zu ersetzen, dann ist das halt so. Wenn die Buchhaltung künftig eine Maschine erledigt, bitte schön. Wenn der nächste Geschäftsbericht von ChatGPT geschrieben wird, geschenkt. Ich werde deswegen nicht in Jubel ausbrechen. Denn irgendwo hängen ja auch Arbeitsplätze daran. Aber wie argumentiert man hier so gerne? Das ist der Puls der Zeit! Ein Fortschritt. Wenn Apple Music mein Artistfoto ablehnt, aber lieber ein cineastisches KI-Bild akzeptiert, dann muss ich damit leben.
➤ Aber KI in der Kunst? Nein danke...
Ein Musiker lernt jahrelang, sein Instrument zu beherrschen. Er übt Tonleitern, feilt an der Technik, kämpft mit schwierigen Passagen und wiederholt dieselben Takte, bis sie sitzen. Eine Musikerin übt, bis ihre Finger schmerzen. Ein Schriftsteller verwirft Sätze, ringt mit Worten und sitzt manchmal stundenlang vor einem leeren Blatt. Künstler zweifeln, scheitern und fangen wieder von vorne an. Sie entwickeln eine eigene Handschrift und einen persönlichen Blick auf die Welt.
Und dann kommt eine Maschine, die auf Knopfdruck Gedichte schreibt oder Musik komponiert. Ein paar Worte eintippen, kurz warten, fertig ist das vermeintliche Meisterwerk. Was früher jahrelanges Lernen erforderte, scheint plötzlich nur noch eine Frage der richtigen Anweisung zu sein.
Natürlich kann das Ergebnis beeindruckend aussehen. Aber ist es deshalb schon Kunst? Oder verwechseln wir gerade die Fähigkeit, etwas zu produzieren, mit der Fähigkeit, etwas zu erschaffen?
Besonders absurd wird es, wenn KI nicht mehr nur ein Werkzeug ist, sondern gleich den Menschen ersetzt, der die Kunst eigentlich hervorbringen soll. Tools wie Synthesizer V und OmniVocal können künstlich erzeugte Gesangsstimmen produzieren, ohne dass dafür eine Sängerin im Studio stehen muss. Technisch mag das beeindruckend und kreativ sein, da man Melodie und Text selber setzt. Aber was geht dabei verloren? Die individuelle Stimme, die kleinen Unsauberkeiten, das Atmen, das Zittern, die Ecken und Kanten, die einen Gesang unverwechselbar und menschlich machen. Eine Sängerin bringt nicht nur Töne hervor, sondern interpretiert, fühlt und verleiht einem Lied Persönlichkeit. Wenn Kreativtools dazu dienen, genau diese Menschen überflüssig zu machen, ist das für mich kein Fortschritt, sondern ein Verlust. Wir sollten Technik nutzen, um menschliche Kreativität zu unterstützen – nicht, um die Menschen dahinter einzusparen.
➤ Bayreuth macht Hoffnung
Wie weit die Begeisterung für künstliche Intelligenz inzwischen reicht, ließ sich im Sommer 2026 ausgerechnet bei den Bayreuther Festspielen beobachten. Zum 150-jährigen Jubiläum wurde Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ mit KI-generierten Bühnenprojektionen inszeniert. Die Bilder sollten sich laufend verändern und neue Perspektiven auf Wagners Werk eröffnen.
Doch das Publikum war wenig begeistert. Besonders nach der „Götterdämmerung“ wurde das Inszenierungsteam ausgebuht, während die musikalischen Leistungen Applaus erhielten. Die KI-Bilder dagegen ernteten deutlichen Widerspruch.
Und ganz ehrlich? Das macht Hoffnung.
Nicht, weil jedes künstlerische Experiment scheitern sollte. Kunst darf provozieren und neue Wege gehen. Aber neu ist nicht automatisch gut. Und technisch aufwendig ist nicht automatisch bedeutend.
Wenn sich auf einer Bühne pausenlos Bilder verändern, ist das zunächst eine technische Leistung. Wenn diese Bilder aber beliebig wirken und die eigentliche Handlung eher überlagern als vertiefen, darf man fragen, was das Ganze soll.
Die Reaktionen in Bayreuth zeigen, dass sich ein Publikum nicht zwangsläufig von der neuesten Technologie blenden lässt. Menschen gehen in die Oper, um Musik zu erleben und eine künstlerische Interpretation zu entdecken. Sie wollen eine Handschrift, eine Idee, eine Aussage. Sie wollen spüren, dass jemand etwas zu erzählen hat.
➤ Seit wann ist Können plötzlich nebensächlich?
Mich stört an der KI-Kunst vor allem die Vorstellung, dass menschliches Können überflüssig wird, sobald eine Maschine etwas Ähnliches produzieren kann.
Natürlich haben Künstler schon immer neue Werkzeuge benutzt. Niemand muss heute seine Musik ohne technische Hilfsmittel aufnehmen oder seine Bilder mit selbst hergestellten Pinseln malen. Aber ein Werkzeug erweitert die Möglichkeiten des Menschen. Es ist nicht automatisch ein Ersatz für dessen Können.
Wenn ein Künstler KI bewusst als Hilfsmittel einsetzt, ist das eine Sache. Wenn uns dagegen eingeredet wird, dass ein automatisch erzeugtes Bild grundsätzlich denselben künstlerischen Wert besitzt wie ein Werk, hinter dem jahrelange Arbeit und eine eigenständige Entwicklung stecken, dann wird es schwierig.
Dabei geht es nicht darum, jedes menschliche Kunstwerk zum Meisterwerk zu erklären. Auch Menschen produzieren Belangloses, Kitsch und Schund. Aber daraus folgt nicht, dass menschliches Können wertlos wird.
➤ Die Wirtschaft darf experimentieren. Die Kunst muss sich nicht ergeben.
Künstliche Intelligenz wird bleiben. Unternehmen werden sie einsetzen, Arbeitsplätze werden sich verändern und ganze Branchen werden sich neu organisieren. Ob das alles so sinnvoll ist, wie uns die Verantwortlichen versprechen, wird sich zeigen.
Ich muss diese Entwicklung nicht begeistert begleiten. Aber ich möchte auch nicht, dass dieselbe Logik die Kunst beherrscht. Schneller, billiger, effizienter: Das mag in der Wirtschaft zählen. Für Kunst sind diese Maßstäbe bestenfalls zweitrangig.
Ein Musikstück muss nicht in fünf Sekunden fertig sein. Eine Komposition wird nicht besser, weil sie kaum Produktionskosten verursacht. Und ein Theaterabend wird nicht bedeutender, wenn im Hintergrund ein Algorithmus Bilder berechnet.
Vielleicht liegt gerade darin der Wert der Kunst: Sie muss nicht effizient sein. Sie darf Zeit kosten, schwierig sein und scheitern. Sie darf etwas verlangen – von denen, die sie schaffen, genauso wie von denen, die sie betrachten.
Die Buhrufe in Bayreuth waren deshalb mehr als eine misslungene Premiere. Sie waren ein Zeichen dafür, dass sich nicht jeder vom neuesten digitalen Spielzeug blenden lässt. Das Publikum hat zwischen menschlicher musikalischer Leistung und maschinell erzeugten Bildern unterschieden. Es hat nicht einfach alles akzeptiert, nur weil es modern sein sollte.
KI in der Wirtschaft? Von mir aus. KI als Ersatz für menschliches Können? Nein danke.
Denn am Ende geht es nicht nur darum, was eine Maschine hervorbringen kann. Es geht darum, was ein Mensch zu sagen hat.
Und Kunst kommt nun einmal von Können!
"...Natürlich kann das Ergebnis beeindruckend aussehen...."
Und genau das reicht nicht.
Die Gleichgültigkeit und das fehlende Interesse bzgl. Entstehungsprozess und Emotionalität kann man nicht damit entschuldigen, dass es Hörer gibt, für die nur das Ergebnis zählt. Es geht um die Künstler, die eben nicht die KI "bemühen", sondern ihre ganz eigenen Sorgen, Ängste, Erfahrungen und Liebe in Songs auf ihre ganz eigentümliche Art und Weise ausdrücken wollen. Diese Künstler sind untrennbar mit ihren Songs verbunden und bilden gemeinsam das Endprodukt. Hörer, denen dieser Anspruch egal ist, können im Plattenladen gern in der Rubrik " KI" fündig werden. Komplett KI-generierte Musik gehört gefälligst etikettiert, weil Prompten mit Kunst eben nichts zu tun hat.
Jeder KI-Song ist eine Totgeburt. Kann von weitem ganz ok aussehen. Ist aber leider tot.
KI als Ersatz für Menschen, allein der Gedanke erzeugt bei mir in welchen Bereichen auch immer, Gänsehaut.
Ich arbeite mit Menschen und soll für Dokumentation auch KI verwenden. Bisher erschließt sich mir der Sinn dieser Maßnahme nicht. Auch wenn behauptet wird es ginge schneller. Für mich kommt es nicht in Frage irgendwelche Künstliche Intelligenz mit Daten zu füttern.
Ich bin mit Endzeitfilmen wie Terminator aufgewachsen und sie haben mich Damals schon zum nachdenken gebracht.
Wenn ich dann lese das eine KI seine Aufgebenstellung dadurch löst das sie andere IT Firmen hackt macht einem das schon in gewisser Weise Angst und wirft die Frage auf was muss erst passieren damit die Menschen aufwachen.
Gruß lobo
Das Bayreuth Erlebnis hatte ich in ähnlicher Form bei einer Musikveranstaltung.
Die Reaktionen der Leute haben eine klare Sprache gesprochen.


