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Marco Torrance am 13.08.26 um 20:57KI in der Musik: Dickes Ego, keine Eier!
Nach dem Relaunch von MyOwnMusic.de und der Anpassung an die Transparenzanforderungen des EU AI Act wird plötzlich etwas sichtbar, über das hier auf zwar offen aber echt ungern gesprochen wird:
➤ Wie viel KI steckt eigentlich in meinem Song – und warum haben so viele Musiker ein Problem damit, es zu sagen?
KI kann Ideen liefern, Texte formulieren, Melodien entwickeln, Stimmen bearbeiten, Arrangements erzeugen, bei Produktion und Mixing helfen oder einfach nur etwas generieren. Trotzdem scheint bei manchen Musikern die größte Angst nicht darin zu bestehen, dass KI ihren Song verändert. Die Angst besteht offenbar darin, dass andere davon erfahren.
Denn plötzlich könnte das sorgfältig gepflegte Bild vom „echten Musiker“ Kratzer bekommen. Der Künstler möchte als kreativer Kopf wahrgenommen werden – aber bitte ohne den kleinen Hinweis, dass ein Teil des Prozesses aus einem KI-System stammt.
Und genau da wird es interessant:
➤ Was haben Musiker eigentlich vor der KI gemacht?
Sie haben sich Inspiration geholt. Sie haben Samples verwendet, Loops gekauft, Presets benutzt, Songs gemeinsam geschrieben, Vielleicht sogar Produzenten engagiert, Ghostwriter beschäftigt oder sich bei anderen Künstlern Ideen abgeschaut. Niemand hat deshalb automatisch behauptet, diese Menschen seien keine Musiker.
➤ Warum also scheint KI plötzlich eine Art Makel zu sein?
Vielleicht, weil KI einen wunden Punkt trifft: das Ego. Wer sagt „Dieser Song ist komplett von mir“, verkauft nicht nur Musik. Er verkauft eine Geschichte über die eigene Kreativität. Das Problem beginnt dort, wo diese Geschichte wichtiger wird als die Wahrheit. Dabei wäre Transparenz eigentlich die entspanntere Lösung. Ein Musiker könnte schlicht sagen:
- „Der Song enthält KI-generierte Elemente.“
- „Ich habe KI für Textideen und Arrangement genutzt.“
- „Die Vocals wurden teilweise mit KI bearbeitet.“
- „KI war Teil meines Produktionsprozesses.“
➤ Macht das den Song automatisch schlechter?
Nur eins: Es macht ihn lediglich nachvollziehbarer. Was allerdings an Qualität verliert, ist die Glaubwürdigkeit eines Musikers, wenn er KI-Anteile verschweigt, während er gleichzeitig den Eindruck erweckt, alles sei ausschließlich aus seiner eigenen Hand entstanden.
Der Relaunch von MyOwnMusic.de macht damit vielleicht mehr sichtbar, als manche Musiker lieb ist. Transparenz zwingt uns nämlich zu einer unangenehmen Frage:
➤ Geht es wirklich um die Musik – oder geht es darum, weiterhin für das eigene Genie gehalten zu werden?
oder
➤ Ist es richtig oder falsch KI zu nutzen?
Weder noch!
Aber wenn ihr es nutzt, habt wenigstens die Eier und markiert Eure Tracks ordnungsgemäß!
