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Kaum funktioniert meine Stimme nach meiner Grippe wieder einigermaßen, habe ich mich an ein Gesangsstück herangemacht.
Es ist die Vertonung eines Gedichtes von Gottfried Keller: "Abendlied". Fasziniert hat mich an dem Text schon länger die Schlußzeile: "Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt !" Ein Gedicht, daß sich mit der Endlichkeit unseres Lebens und der Endlichkeit aller sinnlichen Genüsse befasst.
Ich habe das Stück nicht "Abendlied," sondern "Trinkende Augen" genannt, weil ich diesen Titel viel bildhafter finde.
Copyright bei mir, Vocals selbst eingesungen
Es ist die Vertonung eines Gedichtes von Gottfried Keller: "Abendlied". Fasziniert hat mich an dem Text schon länger die Schlußzeile: "Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt !" Ein Gedicht, daß sich mit der Endlichkeit unseres Lebens und der Endlichkeit aller sinnlichen Genüsse befasst.
Ich habe das Stück nicht "Abendlied," sondern "Trinkende Augen" genannt, weil ich diesen Titel viel bildhafter finde.
Copyright bei mir, Vocals selbst eingesungen
Abendlied
Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!
Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh',
Legt sich auch in ihre finstre Truh.
Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn,
Wie zwei Sternlein innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Flügelwehn.
Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Gottfried Keller (1819 -1890)
Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!
Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh',
Legt sich auch in ihre finstre Truh.
Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn,
Wie zwei Sternlein innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Flügelwehn.
Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Gottfried Keller (1819 -1890)
