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MyOwnMusic

Hermann Voges

Hermann Voges

Blog

Hermann Voges am 28.05.26 um 09:54

20 Jahre MOM

Man glaubt ja gar nicht, wie schnell so zwanzig Jahre vergehen. Kaum schaut man einmal nicht hin, zack!, ist man schon zwei Jahrzehnte auf einer Musikplattform, die „My Own Music“ heißt, aber im Grunde „Unser aller Musik“ meint. Denn wenn’s nur die eigene wär, wär’s ja fad. So aber ist’s ein rechter Umschlagplatz für Töne, Klänge, Meinungen und gelegentliche Verstimmungen, wie es sich für eine gesunde Musikkultur gehört.

Am 28. Mai 2006 hat’s angefangen, damals noch mit dem hochwohlgeborenen Künstlernamen „Gagosian Liga“, der so klang, als wär er entweder ein geheimer Orden oder ein besonders hartnäckiger Hautausschlag. Später dann unter dem bürgerlichen Namen, was ja auch seine Vorteile hat: Man weiß wenigstens, wen man beschimpfen oder loben muß.

In dieser Zeit sind 145 Lieder entstanden, in Sprachen, von denen manche Leute nicht einmal wissen, daß sie existieren. Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch, Japanisch, Finnisch, Slowakisch, Bayerisch, Esperanto – und dann noch solche Idiome, die man selber erfindet, wenn einem die echten Sprachen ausgehen. Das ist wahre Kunst: Wenn die Welt zu klein wird, macht man sie sich eben größer.

136 Freunde haben sich eingefunden, lauter wackere Musikanten, die nicht nur ihre eigenen Werke schätzen, sondern auch die der anderen – und das ist ja das eigentlich Wunderbare. 61 Fans gibt’s auch, und das ist mehr, als manche Boygroups heutzutage zusammenkratzen. Und 66.000 Profilaufrufe! Da wär man früher im Dorf schon als Sehenswürdigkeit ausgeschildert worden ...

Über eine Million Punkte hat’s gegeben, und die Million ist einfach so vorbeigerauscht, ohne Fanfare, ohne Trompetenstoß, ohne Gratulationsschreiben vom Bürgermeister. Das ist schon ein bisserl traurig. Man denkt sich ja: Wenn man schon eine Million hat, dann könnte wenigstens einer kurz „Bravo!“ rufen. Aber nein. Die Million ist wie ein Beamter: Sie kommt, sie geht, und sie sagt nix.

Doch sei’s drum. Viereinhalbtausend Bewertungen hat man bekommen, und viereinhalbtausend hat man gegeben. Das ist ein schöner Ausgleich, fast schon karmisch. „Do ut des“, wie die Lateiner sagen, und die müssen’s wissen, denn die haben das Geben und Nehmen erfunden, lange bevor es Bonuspunkte gab. Auf MOM gilt dieses Prinzip streng: Wer nix gibt, kriegt nix. Das ist wie im richtigen Leben, nur ehrlicher.

Und so hört man Lieder, denkt sich seinen Teil, und schreibt ihn dann hin, manchmal gescheit, manchmal gscheit dahergeredet, aber immer mit Herzblut. Und siehe da: Die Leute freuen sich. Sie lesen’s, sie nicken, sie lachen, sie schütteln den Kopf – und sie kommen wieder. Das ist das Schönste.

Darum hat man auch keine Angst vor der KI. Die wird schon kommen, und sie wird vieles können, aber sie wird nicht das können, was die fünf Prozent der echten Musikanten können: nämlich Musik machen, die nach Mensch schmeckt. Die anderen fünfundneunzig Prozent, die sich für Musiker halten, weil sie einmal auf ein Keyboard gefallen sind, ja, die werden’s schwer haben. Aber das ist halt der Lauf der Welt. Die Kunst ist kein Ponyhof und kommt nicht umsonst von "können" – käme sie von "wollen", hieße sie ja "Wunst" – und MOM auch nicht. Wer lau baden will, soll in die Badewanne gehen.

Und jetzt, nach zwanzig Jahren, steht man da und arbeitet an einem Musical über den verstorbenen Musiklehrer und Mentor: Und siehe da, es findet Anklang. Das ist schön. Das ist rührend. Das ist der Moment, wo man merkt: Die Reise hat sich gelohnt.

Denn MOM ist nicht nur eine Plattform. Es ist ein Wirtshaus ohne Bier, aber mit Musik. Ein Stammtisch ohne Tisch, aber mit Meinung. Ein Konzertsaal ohne Saal, aber mit Applaus. Und vor allem: ein Ort, an dem man wächst. Vom unbeholfenen Anfänger zum Menschen, der weiß, was er tut – oder es zumindest überzeugend so aussehen läßt.

Drum, liebe Leut’, hebt’s die Gläser! Auf die Musik, auf die Freundschaft, auf die vergangenen zwanzig Jahre, auf die nächsten zwanzig, und auf all die Töne, die noch kommen mögen.

Prosit!

https://www.myownmusic.de/hermannvoges


Curare
Curare vor 7 Stunden
Bei mir sind es auch bald mal 24 Jahre

Daranus
Daranus vor 9 Stunden
jau die Zeit fliegt, eh man sich versieht, ist man alt und grau :)

Marco Torrance
Marco Torrance vor 2 Tagen
Bei mir sind es jetzt 25 Jahre... die Zeit fliegt!

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