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Warum es meine Musik bleibt – auch wenn ich KI benutze
Immer wieder hört man die Aussage: „Wenn du KI für deine Musik benutzt, dann ist das doch gar nicht mehr deine Musik.“
Aber ist das wirklich so?
Für mich ist die Antwort ziemlich klar: Doch, es ist meine Musik. Denn entscheidend ist nicht nur, wer am Ende einen Ton spielt oder eine Stimme singt. Entscheidend ist auch, wer die Idee hat, wer die Richtung vorgibt und wer die Entscheidungen trifft.
Die Musik beginnt bei meiner Idee
Wenn ich einen neuen Song anfange, beginnt er nicht bei der KI. Er beginnt bei mir.
Ich habe eine Vorstellung davon, welche Stimmung der Song haben soll. Ich entscheide über Akkorde, Aufbau, Instrumente, Dynamik und darüber, wohin sich der Song entwickeln soll. Oft steht bereits ein musikalisches Grundgerüst, bevor überhaupt KI ins Spiel kommt.
Erst dann kommt der Punkt, an dem ich mir Unterstützung hole.
Vielleicht möchte ich einen Chor, den ich selbst nicht einsingen kann. Vielleicht fehlt mir eine bestimmte Solo-Gitarre. Oder ich brauche einen Sänger oder eine Sängerin, weil meine eigene Stimme nicht das ist, was ich für diesen Song im Kopf habe.
Hier wird KI für mich zum Werkzeug.
Ich drücke nicht einfach auf einen Knopf
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Ich sage nicht einfach: „KI, mach mir irgendeinen Song“, nehme das Ergebnis und veröffentliche es.
Ich gebe eine Richtung vor.
Und wenn das Ergebnis nicht zu meiner Vorstellung passt, ändere ich es. Vielleicht gefällt mir der Gesang nicht. Vielleicht ist die Stimme richtig, aber die Art zu singen falsch. Vielleicht passt der Chor nicht zur Stimmung. Vielleicht spielt die Solo-Gitarre zu viel oder an den falschen Stellen.
Dann sage ich: Nein. So möchte ich es nicht.
Ich probiere etwas anderes, verändere meine Vorgaben und suche so lange weiter, bis das Ergebnis zu dem Song passt, den ich im Kopf habe.
Genau darin steckt eine kreative Entscheidung.
Vielleicht verändert sich einfach die Rolle des Musikers
Vielleicht müssen wir deshalb ein Stück weit umdenken.
Der Musiker der Zukunft muss nicht zwangsläufig derjenige sein, der jedes Instrument selbst spielt, jede Stimme selbst singt und jeden einzelnen Arbeitsschritt alleine erledigt.
Vielleicht wird er teilweise auch zum musikalischen Leiter seiner eigenen Produktion.
Man könnte es mit einem Manager oder einem Produzenten vergleichen.
Ein Manager erledigt auch nicht jede Aufgabe seines Unternehmens persönlich. Er gibt eine Richtung vor, verteilt Aufgaben, beurteilt Ergebnisse und entscheidet: Das funktioniert – oder das funktioniert nicht. Machen wir es anders.
Niemand würde deshalb behaupten, dass er keine Verantwortung für das Ergebnis trägt.
Ähnlich sehe ich meine Arbeit mit KI.
Ich gebe bestimmte Aufgaben ab, aber ich gebe nicht die kreative Kontrolle ab.
KI entscheidet nicht, was mir gefällt
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.
Eine KI kann mir Möglichkeiten anbieten. Sie kann einen Chor erzeugen, eine Stimme liefern oder eine musikalische Idee ergänzen.
Aber sie weiß nicht, was ich wirklich fühlen möchte, wenn ich meinen Song höre.
Ich entscheide, ob etwas bleibt.
Ich entscheide, ob eine Stimme emotional genug ist.
Ich entscheide, ob die Gitarre zum Song passt.
Ich entscheide, ob der Chor an dieser Stelle überhaupt gebraucht wird.
Und manchmal entscheide ich auch nach mehreren Versuchen: Nein, das funktioniert überhaupt nicht. Wir machen es komplett anders.
Diese Entscheidungen sind ein Teil des kreativen Prozesses.
Musiker müssen nicht alles selbst können
Auch vor KI wurde Musik selten vollkommen alleine geschaffen.
Musiker arbeiten mit Produzenten, Studiomusikern, Tontechnikern, Songwritern, Arrangeuren und Sängern zusammen. Ein Gitarrist muss kein Schlagzeuger sein. Ein Songwriter muss nicht gleichzeitig ein großartiger Sänger sein.
KI erweitert diese Möglichkeiten.
Für jemanden wie mich bedeutet das zum Beispiel: Ich kann musikalische Vorstellungen umsetzen, für die mir sonst bestimmte Musiker, Stimmen oder Möglichkeiten fehlen würden.
Das heißt aber nicht, dass ich meine eigene Kreativität aufgebe.
Im Gegenteil: Plötzlich kann ich Ideen verfolgen, die vorher vielleicht in meinem Kopf geblieben wären.
Aus „Ich mache alles selbst“ wird „Ich gestalte das Ganze“
Vielleicht liegt genau darin die Veränderung.
Früher war die Vorstellung häufig:
Ich bin Musiker, also muss ich möglichst alles selbst machen.
Heute könnte die Vorstellung auch lauten:
Ich bin Musiker, weil ich Musik gestalte.
Ich entwickle die Idee.
Ich lege die Richtung fest.
Ich baue den Song auf.
Ich treffe Entscheidungen.
Ich verwerfe Dinge.
Ich ändere Dinge.
Ich kombiniere meine eigenen Instrumente mit neuen Möglichkeiten.
Und am Ende entscheide ich, wann der Song für mich fertig ist.
KI kann dabei ein Teil meines musikalischen Teams sein.
Aber sie ist nicht derjenige, der sagt, wo die Reise hingeht.
Meine Musik – mit neuen Werkzeugen
Natürlich verändert KI die Art, wie wir Musik produzieren. Und darüber darf und sollte man diskutieren.
Aber vielleicht sollten wir nicht nur fragen:
„Hat der Musiker wirklich jeden einzelnen Ton selbst gespielt?“
Vielleicht sollten wir auch fragen:
„Von wem stammt die musikalische Vision?“
Wenn ich einen Song entwickle, Instrumente einspiele, eine musikalische Richtung festlege, bestimmte Elemente mit KI ergänze, Ergebnisse bewerte, Dinge verwerfe, neu erstellen lasse und so lange daran arbeite, bis der Song meiner Vorstellung entspricht, dann sehe ich mich weiterhin als denjenigen, der dieses Werk gestaltet.
Ich bin vielleicht nicht mehr der Musiker, der jeden einzelnen Arbeitsschritt alleine ausführt.
Ich werde ein Stück weit zum Musiker, Produzenten, Arrangeur und kreativen Leiter in einer Person.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Veränderung durch KI:
Sie nimmt mir nicht meine Musik weg. Sie gibt mir neue Möglichkeiten, die Musik umzusetzen, die vorher schon in meinem Kopf war.

