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Mischen und Mastern
Mischen und Mastern
Eigentlich müsste dieser Blog „Komponieren und Mischen“ heißen – denn genau dort entsteht die ganze Magie eines schönen Klangs.
Das Mastern ist dagegen erstaunlich unspektakulär: ein sehr gutes Hall-Plugin, ein hochwertiger EQ, mit dem ich fast immer den matschigen Frequenzbereich ein wenig absenke, und zum Schluss der L2 von Waves als Limiter. Natürlich kann man hier noch viel mehr machen – doch das Entscheidende ist zu diesem Zeitpunkt längst geschehen.
Komponieren heißt: Raum schaffen
Während meines achtjährigen Studiums habe ich nicht nur das Konzertexamen als Pianist abgelegt, sondern auch Komposition studiert. Und eines haben alle großen Komponisten beherzigt: Frequenzen dürfen sich nicht bekämpfen.
Emilias Stimme und die Flöte liegen im selben Frequenzbereich. Deshalb komponiere ich lieber einen Dialog zwischen den beiden – nur selten erklingen sie gleichzeitig. Die Streicher liegen mit warmen Klängen darunter und tragen die melodischen Elemente. Besonders gern setze ich die Kontrabässe im Pizzicato ein – das gefällt mir einfach. Und meine große Liebe gehört natürlich den French Horns.
Dabei habe ich einen Vorteil: Ich arbeite ausschließlich mit Orchester-Bibliotheken für Native Instruments Kontakt. Die Instrumente sind dort bereits richtig im Panorama platziert – die Flöten links, die Hörner hinten in der Mitte. Trotzdem muss man jedem Instrument bewusst seinen Platz geben.
Die eigentliche Herausforderung: das Mischen
Grundsätzlich mische ich recht leise. Da ich als Pianist alles selbst einspiele, stimmen die Lautstärkeverhältnisse oft schon beim Einspielen. Mit Modulationsrad und Expression-Pedal verleihe ich den Instrumenten zusätzlich natürlichen Ausdruck.
Warum brauche ich trotzdem mindestens einen Monat, bis ein Stück fertig gemischt ist?
Das liegt an meiner Arbeitsweise. Ich widme mich jedem Teil einzeln: Mal höre ich die Bläser im Zusammenspiel mit den Streichern, ein anderes Mal die Flöte mit den Streichern. Das ist so anspruchsvoll, dass ich höchstens 15 Minuten am Stück mische und dann die Session beende. Zum Glück haben Emilia und ich in den letzten 13 Jahren rund 100 Werke geschrieben – es wartet also immer ein anderes Stück auf mich.
Weniger ist mehr
Früher habe ich einen großen Fehler gemacht: Ich wollte, dass jedes Instrument für sich gut klingt. Heute mische ich zum Beispiel die Streicher deutlich leiser – und vor allem mein eigenes Instrument, das Klavier.
Hört man meine Spuren solo, klingen sie gar nicht gut. Im Zusammenspiel aber fügen sie sich zu einem Ganzen. Das klingt verrückt, doch genau so entsteht die Magie eines schönen Gesamtklangs.
Was ich vermeide
Ich bin kein Freund der iZotope-Werkzeuge – schon gar nicht, wenn man sie auf jede einzelne Spur legt. Dann entsteht zwangsläufig ein Kampf der Frequenzen, den man anschließend mühsam wieder in den Griff bekommen muss. Auch Kompressoren mag ich nicht: Sie nehmen der Musik buchstäblich den Atem.
So viel für heute.
Eigentlich müsste dieser Blog „Komponieren und Mischen“ heißen – denn genau dort entsteht die ganze Magie eines schönen Klangs.
Das Mastern ist dagegen erstaunlich unspektakulär: ein sehr gutes Hall-Plugin, ein hochwertiger EQ, mit dem ich fast immer den matschigen Frequenzbereich ein wenig absenke, und zum Schluss der L2 von Waves als Limiter. Natürlich kann man hier noch viel mehr machen – doch das Entscheidende ist zu diesem Zeitpunkt längst geschehen.
Komponieren heißt: Raum schaffen
Während meines achtjährigen Studiums habe ich nicht nur das Konzertexamen als Pianist abgelegt, sondern auch Komposition studiert. Und eines haben alle großen Komponisten beherzigt: Frequenzen dürfen sich nicht bekämpfen.
Emilias Stimme und die Flöte liegen im selben Frequenzbereich. Deshalb komponiere ich lieber einen Dialog zwischen den beiden – nur selten erklingen sie gleichzeitig. Die Streicher liegen mit warmen Klängen darunter und tragen die melodischen Elemente. Besonders gern setze ich die Kontrabässe im Pizzicato ein – das gefällt mir einfach. Und meine große Liebe gehört natürlich den French Horns.
Dabei habe ich einen Vorteil: Ich arbeite ausschließlich mit Orchester-Bibliotheken für Native Instruments Kontakt. Die Instrumente sind dort bereits richtig im Panorama platziert – die Flöten links, die Hörner hinten in der Mitte. Trotzdem muss man jedem Instrument bewusst seinen Platz geben.
Die eigentliche Herausforderung: das Mischen
Grundsätzlich mische ich recht leise. Da ich als Pianist alles selbst einspiele, stimmen die Lautstärkeverhältnisse oft schon beim Einspielen. Mit Modulationsrad und Expression-Pedal verleihe ich den Instrumenten zusätzlich natürlichen Ausdruck.
Warum brauche ich trotzdem mindestens einen Monat, bis ein Stück fertig gemischt ist?
Das liegt an meiner Arbeitsweise. Ich widme mich jedem Teil einzeln: Mal höre ich die Bläser im Zusammenspiel mit den Streichern, ein anderes Mal die Flöte mit den Streichern. Das ist so anspruchsvoll, dass ich höchstens 15 Minuten am Stück mische und dann die Session beende. Zum Glück haben Emilia und ich in den letzten 13 Jahren rund 100 Werke geschrieben – es wartet also immer ein anderes Stück auf mich.
Weniger ist mehr
Früher habe ich einen großen Fehler gemacht: Ich wollte, dass jedes Instrument für sich gut klingt. Heute mische ich zum Beispiel die Streicher deutlich leiser – und vor allem mein eigenes Instrument, das Klavier.
Hört man meine Spuren solo, klingen sie gar nicht gut. Im Zusammenspiel aber fügen sie sich zu einem Ganzen. Das klingt verrückt, doch genau so entsteht die Magie eines schönen Gesamtklangs.
Was ich vermeide
Ich bin kein Freund der iZotope-Werkzeuge – schon gar nicht, wenn man sie auf jede einzelne Spur legt. Dann entsteht zwangsläufig ein Kampf der Frequenzen, den man anschließend mühsam wieder in den Griff bekommen muss. Auch Kompressoren mag ich nicht: Sie nehmen der Musik buchstäblich den Atem.
So viel für heute.
Hallo LIONWOLF,
Danke dir für die ausführliche Rückmeldung!
Da hast du recht: Gute Orchester-Bibliotheken klingen schon von Haus aus sehr ordentlich, und das ist ein echter Vorteil. Die eigentliche Arbeit beginnt aber, wenn 30 oder 40 Spuren gleichzeitig spielen. Jede für sich klingt gut, doch im Zusammenspiel entsteht schnell Brei. Deshalb sitze ich trotzdem gut einen Monat an einer Mischung.
Was du über die Frequenzen sagst, sehe ich genauso. Im Grunde ist das klassische Instrumentationslehre: Die großen Komponisten wussten genau, welches Instrument in welchem Register mit der Singstimme konkurriert. Dieses Wissen hilft beim Arbeiten mit Sample-Bibliotheken genauso wie beim echten Orchester.
Und ja, bei Effekten bin ich sehr sparsam. Meistens ist weniger mehr.
Viele Grüße
Danke dir für die ausführliche Rückmeldung!
Da hast du recht: Gute Orchester-Bibliotheken klingen schon von Haus aus sehr ordentlich, und das ist ein echter Vorteil. Die eigentliche Arbeit beginnt aber, wenn 30 oder 40 Spuren gleichzeitig spielen. Jede für sich klingt gut, doch im Zusammenspiel entsteht schnell Brei. Deshalb sitze ich trotzdem gut einen Monat an einer Mischung.
Was du über die Frequenzen sagst, sehe ich genauso. Im Grunde ist das klassische Instrumentationslehre: Die großen Komponisten wussten genau, welches Instrument in welchem Register mit der Singstimme konkurriert. Dieses Wissen hilft beim Arbeiten mit Sample-Bibliotheken genauso wie beim echten Orchester.
Und ja, bei Effekten bin ich sehr sparsam. Meistens ist weniger mehr.
Viele Grüße
Hallo SoundMystery,
Danke dir! Genau diese Erfahrung kenne ich auch. Spuren, die man im Gesamtklang gar nicht wahrnimmt, nehmen trotzdem Platz weg und machen das Bild trüber. Deshalb klang es bei dir nach dem Löschen sogar klarer.
Und ja, die Versuchung, immer wieder mehr reinzupacken, bleibt. Mir hilft eine einfache Frage: Was fehlt, wenn ich diese Spur stummschalte? Wenn die Antwort „eigentlich nichts“ ist, fliegt sie raus. Außerdem denke ich lieber in Dialogen als in Schichten. Ein Instrument antwortet dem anderen, statt dass alle gleichzeitig spielen. Das schafft ganz von selbst Luft.
Viele Grüße
Danke dir! Genau diese Erfahrung kenne ich auch. Spuren, die man im Gesamtklang gar nicht wahrnimmt, nehmen trotzdem Platz weg und machen das Bild trüber. Deshalb klang es bei dir nach dem Löschen sogar klarer.
Und ja, die Versuchung, immer wieder mehr reinzupacken, bleibt. Mir hilft eine einfache Frage: Was fehlt, wenn ich diese Spur stummschalte? Wenn die Antwort „eigentlich nichts“ ist, fliegt sie raus. Außerdem denke ich lieber in Dialogen als in Schichten. Ein Instrument antwortet dem anderen, statt dass alle gleichzeitig spielen. Das schafft ganz von selbst Luft.
Viele Grüße
Hallo Rainer das liest sich absolut schlüssig.
Deine Arbeitsweise ist in Sachen Klassik natürlich etwas einfacher gehalten, da im Grunde die Bibliotheken von Orchestralen grundsätzlich ohne EQ Eingriffen schon gut klingen.
Interessant für Leser ist auch das man Frequenzen verschiedener Instrumente kennen muss, damit es sich mit anderen ( Gesang) nicht überschneidet).
Sparsamkeiten in Psychoakustischen Effekten ist auch wichtig.
Insgesamt eine interessante Arbeitsweise deinerseits.
Danke für die Info.
Deine Arbeitsweise ist in Sachen Klassik natürlich etwas einfacher gehalten, da im Grunde die Bibliotheken von Orchestralen grundsätzlich ohne EQ Eingriffen schon gut klingen.
Interessant für Leser ist auch das man Frequenzen verschiedener Instrumente kennen muss, damit es sich mit anderen ( Gesang) nicht überschneidet).
Sparsamkeiten in Psychoakustischen Effekten ist auch wichtig.
Insgesamt eine interessante Arbeitsweise deinerseits.
Danke für die Info.
Danke Rainer. Ja, ich habe früher oft 3-4 Padsounds gehabt, irgendwann fiel mir auf, dass ich 2 davon garnicht wahrnehme. Habe sie gelöscht und klang immer noch wie vorher, sogar etwas klarer. Seit dem heißt es bei mir auch weniger ist mehr.
Nur irgendwie neigt man doch immer wieder dazu, wieder mehr reinzupacken,
wie man eigentlich braucht.
Nur irgendwie neigt man doch immer wieder dazu, wieder mehr reinzupacken,
wie man eigentlich braucht.



