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Sehr frei nach dem Gedicht "Ansprache an Millionäre" von Erich Kästner (1927)
Es wiad eich koana vogebn (Übersetzung unten / Originalgedicht weiter unten)
Ihr seid so reich, ihr seid de Leit mit Namen und mit Rang.
Ihr sitzts auf eierm Gejd und trotzdem woats ihr vui zu lang.
Irgendwann, do werdn se kemma, blind und voller Zorn
und eich ins Fensta hänga mid dem Gsicht noch vorn.
Wia lang woits wartn, bis se eieren gschminktn Fraun
de Marmorpuppen übern Hougfoaht-Schädl haun.
Machts so weida, dann wird's ned lang dauern,
um eich wird wirklich koana recht lang trauern.
---
Der Mensch is schlecht und er bleibt des sicher künftig.
Ihr soids ned guad sei, sondern nur a wenig vernünftig.
Ihr habts des Gejd, de Macht, doch a de Pflicht,
dass ma de Wejd soweit es geht zum Bessan richt.
Ihr miassts ja ned aus Guadheit handeln, goa koa Red'.
Ihr seids ned guad und a de kemman, san es ned.
Doats eich um, es wiad eich koana wos vogebn.
Es is a Investition in eier Lebn
---
Wia lang woits auf Goid und Silber sitzn und auf Wertpapiern,
ihr hoits eich staad und werds es dennoch dann valiern.
Man kann de Wejd vobessan und aa do no dran vodean,
es werds ned ärmer dabei, eher no vui reicher werdn.
Wenn se des Wossa eierer Pools ins Roud vofabt und kocht,
dann kinnts es ned moi hearn, wenn dann da letzte locht.
Ihr seids ned gscheid und woits no weida wartn.
Schickts aus Himme oder Höll dann a paar Ansichtskartn.
---
Mochts Steppen fruchtbar, legts a Gleis in jedn Ort,
es is ja ned vakehrt, wenn ma statt noch Öl noch Wossa bohrt.
Gabs nua a Dutzend weise Millionäre auf dera Wejd,
es waar eich so vogunnt, des ganze scheene Gejd.
Ihr miassts ja ned aus Guadheit handeln, goa koa Red'.
Ihr seids ned guad und a de, de kemman, san es ned.
Doats eich um, es wiad eich koana wos vogebn.
Es is a Investition in eier Leben.
ÜBERSETZUNG:
Es wird euch keiner vergeben
Ihr seid so reich, ihr seid die Leute mit Namen und mit Rang.
Ihr sitzt auf euerem Geld und trotzdem wartet ihr viel zu lang.
Irgendwann werden sie kommen, blind und voller Zorn
und euch ins Fenster hängen mit dem Gesicht nach vorn.
Wie lang wollt ihr warten, bis sie eueren geschminkten Frauen
die Marmorpuppen über den Hochmut-Schädel hauen.
Macht so weiter, dann wird es nicht lang dauern,
um euch wird wirklich keiner recht lang trauern.
---
Der Mensch ist schlecht und er bleibt es sicher künftig.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern nur ein wenig vernünftig.
Ihr habt das Geld, die Macht, doch auch die Pflicht,
dass man die Welt soweit es geht zum Besseren richtet.
Ihr müsst ja nicht aus Gutheit handeln, keine Rede.
Ihr seid nicht gut, und auch die, die kommen, sind es nicht.
Beeilt euch, es wird euch keiner etwas vergeben.
Es ist eine Investition in euer Leben.
---
Wie lang wollt ihr auf Gold und Silber sitzen - und auf Wertpapieren?
Ihr haltet still und werdet es dennoch dann verlieren.
Man kann die Welt verbessern und auch da noch dran verdienen,
ihr werdet nicht ärmer dabei, eher noch viel reicher werden.
Wenn sich das Wasser euerer Pools ins Rot verfärbt und kocht,
dann könnt ihr nich einmal hören, wenn dann der letzte lacht.
Ihr seid nicht gescheit und wollt noch weiter warten.
Schickt aus Himmel oder Holle dann ein paar Ansichtskarten.
---
Macht Steppen fruchtbar, legt ein Gleis in jeden Ort.
Es ist ja nicht verkehrt, wenn man statt Öl nach Wasser bohrt.
Gäbs nur ein Dutzend weise Millionäre auf dieser Welt,
es wär euch so vergönnt, das ganze schöne Geld.
Ihr müsst ja nicht aus Gutheit handeln, keine Rede.
Ihr seid nicht gut, und auch die, die kommen, sind es nicht.
Beeilt euch, es wird euch keiner etwas vergeben.
Es ist eine Investition in euer Leben.
----------------------------------
Originalgedicht:
Ansprache an Millionäre
von Erich Kästner (1927 !!)
Warum wollt ihr so lange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?
Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.
Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.
Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.
Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.
Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?
Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!
Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.
Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken.
Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…
Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. Ihr werdet’s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.
Ihr seid so reich, ihr seid de Leit mit Namen und mit Rang.
Ihr sitzts auf eierm Gejd und trotzdem woats ihr vui zu lang.
Irgendwann, do werdn se kemma, blind und voller Zorn
und eich ins Fensta hänga mid dem Gsicht noch vorn.
Wia lang woits wartn, bis se eieren gschminktn Fraun
de Marmorpuppen übern Hougfoaht-Schädl haun.
Machts so weida, dann wird's ned lang dauern,
um eich wird wirklich koana recht lang trauern.
---
Der Mensch is schlecht und er bleibt des sicher künftig.
Ihr soids ned guad sei, sondern nur a wenig vernünftig.
Ihr habts des Gejd, de Macht, doch a de Pflicht,
dass ma de Wejd soweit es geht zum Bessan richt.
Ihr miassts ja ned aus Guadheit handeln, goa koa Red'.
Ihr seids ned guad und a de kemman, san es ned.
Doats eich um, es wiad eich koana wos vogebn.
Es is a Investition in eier Lebn
---
Wia lang woits auf Goid und Silber sitzn und auf Wertpapiern,
ihr hoits eich staad und werds es dennoch dann valiern.
Man kann de Wejd vobessan und aa do no dran vodean,
es werds ned ärmer dabei, eher no vui reicher werdn.
Wenn se des Wossa eierer Pools ins Roud vofabt und kocht,
dann kinnts es ned moi hearn, wenn dann da letzte locht.
Ihr seids ned gscheid und woits no weida wartn.
Schickts aus Himme oder Höll dann a paar Ansichtskartn.
---
Mochts Steppen fruchtbar, legts a Gleis in jedn Ort,
es is ja ned vakehrt, wenn ma statt noch Öl noch Wossa bohrt.
Gabs nua a Dutzend weise Millionäre auf dera Wejd,
es waar eich so vogunnt, des ganze scheene Gejd.
Ihr miassts ja ned aus Guadheit handeln, goa koa Red'.
Ihr seids ned guad und a de, de kemman, san es ned.
Doats eich um, es wiad eich koana wos vogebn.
Es is a Investition in eier Leben.
ÜBERSETZUNG:
Es wird euch keiner vergeben
Ihr seid so reich, ihr seid die Leute mit Namen und mit Rang.
Ihr sitzt auf euerem Geld und trotzdem wartet ihr viel zu lang.
Irgendwann werden sie kommen, blind und voller Zorn
und euch ins Fenster hängen mit dem Gesicht nach vorn.
Wie lang wollt ihr warten, bis sie eueren geschminkten Frauen
die Marmorpuppen über den Hochmut-Schädel hauen.
Macht so weiter, dann wird es nicht lang dauern,
um euch wird wirklich keiner recht lang trauern.
---
Der Mensch ist schlecht und er bleibt es sicher künftig.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern nur ein wenig vernünftig.
Ihr habt das Geld, die Macht, doch auch die Pflicht,
dass man die Welt soweit es geht zum Besseren richtet.
Ihr müsst ja nicht aus Gutheit handeln, keine Rede.
Ihr seid nicht gut, und auch die, die kommen, sind es nicht.
Beeilt euch, es wird euch keiner etwas vergeben.
Es ist eine Investition in euer Leben.
---
Wie lang wollt ihr auf Gold und Silber sitzen - und auf Wertpapieren?
Ihr haltet still und werdet es dennoch dann verlieren.
Man kann die Welt verbessern und auch da noch dran verdienen,
ihr werdet nicht ärmer dabei, eher noch viel reicher werden.
Wenn sich das Wasser euerer Pools ins Rot verfärbt und kocht,
dann könnt ihr nich einmal hören, wenn dann der letzte lacht.
Ihr seid nicht gescheit und wollt noch weiter warten.
Schickt aus Himmel oder Holle dann ein paar Ansichtskarten.
---
Macht Steppen fruchtbar, legt ein Gleis in jeden Ort.
Es ist ja nicht verkehrt, wenn man statt Öl nach Wasser bohrt.
Gäbs nur ein Dutzend weise Millionäre auf dieser Welt,
es wär euch so vergönnt, das ganze schöne Geld.
Ihr müsst ja nicht aus Gutheit handeln, keine Rede.
Ihr seid nicht gut, und auch die, die kommen, sind es nicht.
Beeilt euch, es wird euch keiner etwas vergeben.
Es ist eine Investition in euer Leben.
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Originalgedicht:
Ansprache an Millionäre
von Erich Kästner (1927 !!)
Warum wollt ihr so lange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?
Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.
Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.
Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.
Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.
Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?
Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!
Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.
Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken.
Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…
Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. Ihr werdet’s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.
