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Parser Rhy am 05.07.25 um 11:18Der Metal-Konzerte-Kurzkritik-Blog / Band: Back Sabbath (Folge 29)
Achtung: Dieser Beitrag beruht auf subjektiver Sichtweise, Vorlieben und VorurteilenBack to the Beginning – Black Sabbath
Es ist Samstag, der 5. Juli 2025 und eigentlich sollte ich jetzt nicht hier, sondern in Birmingham im Villa Park sein … eigentlich.
Ein letzter, ein allerletzter finaler Auftritt in der ursprünglichen Originalbesetzung! Ein Abschied der wirklich schmerzt, aber zugleich auch eine großartige Geste, noch einmal, ein allerletztes Mal in ihrer Heimatstadt aufzutreten.
Ca. 44.000 Karten gab es dafür zu kaufen, trotz Pre-Sale war ich der 53.000te ich in der Warteschlange. Dabei hatte ich schon alles drumherum organisiert, Hin- und Rückflug, wie komme ich zum Stadion, Übernachtung, und, und, und … :-(
Also gut, dann eben mein ganz privates Back to the Beginning, ein Rückblick auf mein allererstes Back Sabbath Konzert, mein allererstes Konzert überhaupt:
5. April 1977, Offenbach Stadthalle
Ich sehe es noch heute vor mir: die Hells Angels stehen vor den Türen, schauen jeden furchtbar böse an und kontrollierten die Eintrittskarten - offiziell. Die Stadthalle ist bestuhlt, natürlich, und der Saal bis auf den letzten Platz voll mit GI´s und ihren Freundinnen. Die eine Hälfte die Bierflaschen (aus Glas) in der Hand, die andere Hälfte qualmt und kifft munter vor sich hin. Wohliges Rülpsen und ordentlich Marihuanaschwaden ziehen über mich hinweg und nicht wenige vögeln hinten mit ihren Freundinnen rum.
Die Bühne besteht aus ein paar zusammengestellten Bühnenelementen, vielleicht gerade mal einen Meter hoch, keine Gitter, keine Absperrungen, keine Security. Obenauf ein angewetzter Teppich für Bill Ward, damit er sein Schlagzeug nicht heillos auseinander drischt. Daneben eine Menge Amps und Marshallboxen, ein paar bunte Lampen hängen von der Decke und ein Verfolger als Hauptscheinwerfer von vorne – that´s all.
Irgendwann wird es dann dunkel, die Vorgruppe, an deren Namen ich mich leider nicht mehr erinnern kann, steht auf die Bühne. Niemand interessiert sich wirklich für sie und nach ein paar Songs werden die Jungs mit sehr bescheidenem Applaus wieder von der Bühne komplimentiert.
Dann plötzlich Brandgeruch und dichter Rauch von hinten links der Bühne. Nach ein paar Minuten die Durchsage über die Saallautsprecher: „Wir haben ein kleines Feuer, bleiben Sie sitzen, wir machen jetzt das Licht an und öffnen die Türen. Wenn der Rauch sich verzogen hat geht es weiter.“ Natürlich sind wir alle sitzen geblieben, was denn?
Nach 20 Minuten geht es tatsächlich weiter, das Saallicht geht aus, die bunten Scheinwerfer wieder an die 4 Jungs aus Birmingham betreten unter respektvollem Gegröle die Bühne. „Symptom Of The Universe“ als Opener und Tommi in schwarzer Lederjacke spielte wie noch heute stoisch seine Riffs und Ozzy läßt die langen Fransen an seiner Wildlederjacke fliegen.
Laut ist es! Was, ist es laut? Nein, es ist sehr laut! Und bei „War Pigs“ fast zu laut für meine jungen Ohren und die ausgestellten Hosenbeine meines Jeans flattern unter den Schlägen von Bass und Schlagzeug. Der Stuhl unter meinem Hintern bebt, die GI´s kiffen und saufen und vögeln weiter und mir tun die Ohren weh. Aber mein kleines Herz schlägt bis zum Hals und hüpft vor Freude und der schwarze Hauch des Metals erfüllt meine bis dahin reine und unschuldige Seele: Der Beginn einer großen Liebe.
Fast 50 Jahre ist das nun her und die Jungs von damals stehen heute ein letztes Mal zusammen in Birmingham auf der Bühne, leider ohne mich. Sehr, sehr schade, aber es soll wohl nicht sein.


