Staatsgewalt

Staatsgewalt


Fragt man nach dem originellsten Namen des Musikbiz - Staatsgewalt können sich einen der vorderen Plätze sichern. Dabei hat die Namensgebung keinen höheren Sinn, Staatsgewalt erscheint den jungen "Musikern" einfach abstrakt genug und "hat sich wie nichts anderes schon mal Dagewesenes angehört".

Lax (elektrische Gitarre) und Mücke (Gesang) fanden zusammen, als Lax gerade aus der Disko geschmissen wurde. Mücke beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt damit, Betrunkene aus Diskos zu werfen; nicht gerade die ideale Vorbereitung auf das, was dann folgen sollte. Nachdem die beiden mit Bohne den besten Schlagzeuger gefunden hatten, gings auf zur Ochsentour durch die Clubs in und um Deutschland. Sie durften jedoch nirgends spielen. Bis dahin hatte in Europa so gut wie niemand eine Ahnung, wer denn die drei Jungs waren, die da so unverfroren herumpubertierten und ihren derben Humor so hemmungslos zur Schau stellten. Heute jedoch sind sie zu sechst.

Anfangs besorgten Mundpropaganda und illegal mitgeschnittene Bootlegs die Werbung für die Band, die im Verlauf ihrer Karriere den Deutschpunk fast im Alleingang gesellschaftsfähig machte. Brachialer Metal mit engagiertem Rap und hohem Melodieanteil - das ist ganz sicher kein Markenzeichen einer wandlungsfähigen Band. Prügeleien bei Konzerten waren ausdrücklich erwünscht und die sechs Mitglieder der Band mischten auch mal gerne tatkräftig mit. Heute sind sie zu alt dafür. Aber genau das ist es, was Staatsgewalt schon immer sympathisch machte. Eine handvoll proletischer Kaputtniks voller Rock im Hintern, die einfach nicht anders können, als diesen an ihren Instrumenten rauszulassen. Ein Live-Gig wird zur Punkerparty: Feiern, Saufen, Tanzen, Kotzen - ohne Reue.

Dass es sich bei Staatsgewalt um eine echte Band mit Gitarren und Drums handelt, dürfte den Songs live eine zusätzliche Dimension verleihen. "Hier stinktz" war ein durchaus starkes Debüt, dem man den ein oder anderen Fehlgriff gern verzeiht. Das "Badboy Motherfucker"-Image mag ja für ein paar Teenies unterhaltsam sein, aber irgendwann wächst man da auch raus. Die Scheibe will ernst genommen werden: Kein Boygroupkram, kein Indie, kein Dauerwellen-Hardrock, aber genau irgendwo dazwischen - zur Abwechslung mal ein wahrhaft guter Kompromiss. Die einfachen Texte bieten keine würdevollen Gesten oder aufrechten Zustandsbeschreibungen, wie man es etwa von Studentenrockbands wie z.B. Kettcar kennt. Mit einfachen Mitteln soll zum Nachdenken angeregt werden.

Obwohl die Staatsgewalt-Chaoten schon die Allüren ihrer Musikerkollegen annehmen und sich ihre Hits auf den Leib schreiben lassen oder irgendwo klauen (nur wenige Songs auf ihren Alben stammen aus eigener Feder), sind wir gespannt, was da noch kommt.


Album: Bier sind Helden SplitCD

Bier sind Helden SplitCD

Die scheiß SplitCD von 2007
mit den
EXPLODING HEADS
(von denen gibt's was auf die Ohren
hier bei MyOwnMusic oder unter
http://www.exploding-heads.de.tl/ )
01.
2:11 Min
02.
St. Pauli
Punk-Rock - Februar 2008
1:53 Min
Aufrufe 10168 mal aufgerufen
Hörzeit 77:13:22 Stunden angehört    Klicks 14937 mal angehört


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