Rock  Magazin

Crowdfunding finanziert Anodine-Album "Hybrid"

Interview mit ANODINE

Wer kraftvollen, atmosphärischen Rock will, ist bei >>Anodine an der richtigen Adresse. Seit Jahren sind seine stimmungs- und energiegeladenen Tracks mit den unverkennbar charismatischen Vocals Highlights in den MyOwnMusic-Charts. Gegenwärtig produziert der Künstler eine Limited Edition Serie seines neuen Albums "Hybrid" über ein intelligentes Crowdfundingkonzept. Wer interessiert ist kann hier bei MyOwnMusic in die Tracks >>"Run" und >>"Black Bile" reinhören. Mit Achim (>>Mindmovie) und Max (>>stampeed) hat Anodine über den Release, die Band und seine musikalische Arbeit gesprochen. Die Limited Edition CD bekommt ihr hier:

 

Doch nun zum Interview:

Vielleicht kannst Du uns am Anfang mal ein bisschen über Dich und das Projekt Anodine erzählen. Wer steckt dahinter? Wie lange gibt es das Projekt? In welcher Formation tretet ihr live auf?

Unter dem Pseudonym "Anodine" schreibe, produziere und veröffentliche ich bereits seit 2008 Songs, seit etwa drei Jahren fokussiert. Mitte 2012 kam die erste Livebesetzung zustande, die sich seitdem aber mehrmals geändert hat. Die aktuelle Besetzung besteht aus Patrick Heyer (Vocals, Gitarre), Rumen Iliev (Gitarre), Fabian Siepen (Bass) und Boris Frenkel (Drums). Durch die Wechsel spielten wir bislang nur wenige Konzerte, aber das soll sich nun ändern.


Ich errate einfach mal, dass Deine persönlichen musikalischen Vorlieben in der Richtung Muse, Tool, Korn, Deftones liegen dürften. Welche CD hast Du in Deinem Regal, auf die ich garantiert nicht gekommen wäre?

Das ist schon länger her, dass ich mir die genannten Bands angehört habe. Das letzte Album, das ich z.B. von Muse kenne, ist "Absolution" von 2003. Ansonsten kenne ich nur vereinzelte Songs und nutze gelegentlich aktuelle Aufnahmen von Deftones als Mix- oder Masteringreferenz, weil der Produktionssound mich anspricht und zu dem passt, was ich mache. Wenn ich mir überhaupt mal Musik einfach der Musik wegen anhöre, ist es eher Massive Attack, Archive, Björk, Radiohead, Fields Of The Nephilim, Unkle, Lustmord etc. Ansonsten treibe ich mich u.a. auf Vevo und Youtube rum, um zu schauen, was gerade aktuell ist, wie produziert wurde etc.


Wie setzt ihr den Anodine-Sound live um? Kommen viele Electronics vom PC um den typischen Sound zu erzeugen oder spielt ihr alles live? Was erwartet Eure Fans bei einem Livekonzert?

Vocals, Gitarren, Bass und Drums spielen wir live, der Rest wird hinzugemischt und unser Drummer erhält einen Klicktrack. Anders wäre das auch nicht mit vertretbarem Aufwand umsetzbar. Auf der Bühne haben wir angefangen, mit Lichtprojektionen zu experimentieren und das hat auch ziemlich gut gewirkt, es ist allerdings sehr stressig, wenn man sich um alles selbst kümmern muss. Die nächsten Gigs werden wir einfach genießen und versuchen, eine möglichst gute Performance zu liefern.


Du kommst ja aus dem Großraum Düsseldorf, kannst Du uns etwas zur Düsseldorfer Musikszene sagen? Gibt es viele Clubs und Möglichkeiten für Bands aufzutreten?

Die gibt es in der Tat. Das Zakk, das Pitcher, das Stone, The Tube, das AK47 und einige andere. Düsseldorf hat recht viele Spielmöglichkeiten, wobei es aber - wie wohl überall - nicht immer so einfach ist, da auch ran zu kommen. Es gibt im Gegenzug auch Konzertreihen, die unter der Woche stattfinden, z.B. im The Tube und im Till's Eleven und unbekannteren Künstlern eine unkomplizierte Plattform bieten. Die Musikszene in Düsseldorf würde ich als abwechslungsreich ansehen, wobei Punk hier sicherlich eine etablierte Größe ist. Livemusik findet praktisch ständig in erreichbarer Nähe statt, von der Jam-Session über lokale Bands bis hin zu internationalen Acts aus allen Sparten.

    

 


Komponierst Du Deine Stücke in erster Linie für Dich selbst und entscheidest dann auch uns Hörer daran teilhaben zu lassen? Oder machst Du Musik gezielt, um ein Publikum zu unterhalten und zu begeistern?

Gute Frage, die ich mir so noch nie gestellt habe. Wenn ich gezielt Unterhaltungsmusik für "das Publikum" machen wollte, würde das wohl völlig anders klingen. Ich mache einfach meine Form von Kunst, gebe mir dabei viel Mühe und freue mich, wenn andere das zu schätzen wissen.


Eine Besonderheit, die mich bei Deinen Tracks immer wieder begeistert, sind diese tollen Spannungsbögen, die mit tiefgehenden Lyrics einhergehen. Dabei frage ich mich, wie diese Songs bei Dir entstehen. Beginnst Du mit der musikalischen Idee und schaffst so zunächst die Atmosphäre, in die sich die Lyrics anschließend einbetten? Oder steht als erstes der Text oder die textliche Grundidee, die sich dann das zur Stimmung passende musikalische Gerüst suchen?

Da gibt es bei mir kein Rezept. Es kann sein, dass ich mit einem Text anfange, mit einem Gefühl, einem Klang, einem Rhythmus oder auch mit einer kompletten Songidee. Es kam auch schon vor, dass ich in einem Traum Musik gehört und sie nach dem Aufwachen umgesetzt habe. Meist lasse ich mich aber von Dingen außerhalb der Musik inspirieren.


Ein Element, das mir bei Dir immer wieder auffällt, sind diese permanenten Steigerungen, manchmal über den gesamten Track hinweg, die kaum Gebrauch von gewöhnlichen Song-Schemata machen. Dein neues Stück >>"Run" wäre etwa ein Beispiel. Steht da eine gewollte Absicht dahinter konventionelle Strophe-Refrain-Muster zu umgehen oder lässt Du Dich einfach von Deiner Kreativität treiben?

Auch hier habe ich kein Rezept. Für mich ist gut, was funktioniert und die Aussage vermittelt. Steigerung ist natürlich ein wichtiges dramaturgisches Mittel, ganz gleich, wie die unterliegende Struktur aussieht, genauso wie Kontrast etc. Ich habe nichts gegen Schemata, wenn sie dem Zweck dienen. Ich mache einfach das, was mir für meine Kunst sinnvoll erscheint. Manchmal wähle ich meine Werkzeuge ganz bewusst und manchmal lasse ich mich eben auch treiben und schaue, wo es hinführt.


In meiner eigenen zurückliegenden Musikkarriere, ist mir immer wieder aufgefallen, dass ich das Interesse an meinen eigenen Tracks oft in genau dem Augenblick verloren habe, in dem die Aufnahmen abgeschlossen waren, weil ich mit den Gedanken schon beim nächsten Projekt war. Andere hingegen beginnen ihr Material erst dann wirklich zu schätzen und genießen ihre Songs, wenn sie endlich in hoher Qualität recorded sind. Und sind dann für Jahre glücklich mit den Stücken. Wie ist das bei Dir?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der Situation ab. Mein Hauptinteresse richtet sich auf das Projekt, mit dem ich gerade beschäftigt bin. Zukünftige Projekte wälze ich vielleicht nebenbei in Gedanken, verwende aber nicht viel Energie darauf, bis ich das aktuelle Projekt zu meiner Zufriedenheit abgeschlossen habe. Viele Stücke bleiben auch dadurch lebendig, dass wir sie live spielen. Dabei findet man gelegentlich auch einen neuen Zugang. Besonders interessant ist es für mich, wenn ich genug Abstand zu einem Song gewonnen habe, dass ich ihn fast wie ein Unbeteiligter hören kann. Das dauert aber seine Zeit.


Wie gehst Du in der Kompositions- und Aufnahmephase vor? Welche Tools benutzt Du und wie erschaffst du Deinen eigenen sehr speziellen Sound für das Anodine Projekt?

Ich greife mir alles, was gerade so erreichbar ist und schraube so lange dran rum, bis es dem entspricht, was ich mir vorstelle. Oder ich probiere einen Haufen Sounds durch, bis ich was Passendes finde und schraube dann dran herum. Dabei bevorzuge ich Makelhaftes, weil das einfach interessanter und organischer klingt. Zur Not mache ich es eben "kaputt". Wenn ich Gesang und Instrumente einspiele, mache ich oft hunderte Takes und verwende dann nicht die schönsten, sondern die, bei denen irgendwas speziell ist. Mein Sound wird aber auch stark davon geprägt, wie ich mixe und mastere. Die Tools, die ich einsetze sind meist auch recht preiswert. Equipment von Rang und Namen wird man bei mir nicht finden, aber das brauche ich auch gar nicht.


Wie zufrieden bist Du mit dem Ergebnis der Aufnahmen? Hast Du irgendwann einen Punkt erreicht, an dem Du weist, dass Du das optimale aus Deinem Material herausgeholt hast? Oder würdest Du am liebsten auch nach dem Release endlos an den Stücken weiterschrauben?

Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, wer es gesagt hatte, aber "Man stellt einen Mix nicht fertig, man gibt ihn auf" trifft es ganz gut. Man hat nie das Letzte herausgeholt, weil man immer neue Mittel und Wege findet. Das kostet viel Zeit, es besteht immer die Gefahr, dass man sich verirrt, aber man lernt dabei auch sehr viel. Wenn ich mich aber einmal für einen finalen Release entscheide, ist dieser auch final... es sei denn...


Musikalische Veränderungen sind oft riskant, wenn man sich eine Fanbase erarbeiten will, können aber auch ein Perk sein. Und Hörer sind oft extrem gespalten in der Frage, ob sich ihre Lieblingsband verändern sollte. Ich persönlich höre gern auch das achtzehnte Studioalbum von AC/DC mit Freude, auch wenn es genauso klingt wie das erste. Gleichzeitig bewundere ich Bands wie The Faceless, die mit jedem neuen Release völlig anders klingen. Wie stehst Du dazu? Suchst Du die laufende Veränderung oder versuchst Du eher einen unverkennbaren Stil zu etablieren? Oder geht beides?

Ich sehe wenig Reiz darin, mir ein Album anzuhören, das so klingt, wie das vorige und mag Künstler, die sich ständig neu erfinden, weiterentwickeln, experimentieren. Das muss ja nicht bedeuten, dass kein roter Faden durch das Werk führt. Es gibt Künstler, die sehr unterschiedliche Dinge tun, aber trotzdem soviel Charakter besitzen, dass man sie darin wiedererkennt. Dieser Charakter entwickelt sich über einen Zeitraum durch Beschäftigung mit der Sache und Geschmacksbildung. Was ich als kritisch für eine Band empfinde, ist nicht Veränderung, sondern der Wegfall eines solchen Charakters. Radiohead ohne Thom Yorke? Bei mir persönlich löst AC/DC akute Langeweile aus. Oft wird da einfach die Kuh gemolken, indem man ein Schema, mit dem man Erfolg hatte, totreitet. Das mag Kohle bringen, ist aber nicht meine Vorstellung von Kunst.


Ich kenne ja das letzte Anodine-Album und war begeistert von der Vielseitigkeit und den tollen Songs. Erwarten mich auf der neuen CD Überraschungen? Kann man hier bei MyOwnMusic in manche der Tracks reinhören?

Vielen Dank. Von Überraschungen würde ich nicht unbedingt sprechen. Die Qualität hat sich erheblich verbessert, der Sound ist aber immer noch sehr typisch. Ich habe seit dem letzten Album viel dazugelernt und das zeigt sich. Ich würde sagen, dass ich im ersten Anodine-Album meinen Signature Sound verankert habe, den ich im zweiten Album weiterführe, obwohl das nicht mal so beabsichtigt war, sondern sich einfach herauskristallisiert hat. Außerdem habe ich Dinge vermieden, die ich im ersten Album später als Fehler empfand, z.B. die enorme Länge. "Passages" kam mit 16 Tracks und epischen 80 Minuten daher, was einfach anstrengend zu hören ist. "Hybrid" enthält 9 sehr unterschiedliche Tracks, die sich über ca. 45 Minuten erstrecken. MOM nutze ich gerne wegen der hilfreichen Kritiken einiger Teilnehmer, die praktisch schon Teil meines Arbeitsprozesses sind. Fast jeder Track des Albums war schon in einer älteren Version auf MOM und hat seinen "Realitätscheck" hinter sich. Dafür möchte ich mich hier ganz herzlich bei allen Bewertern bedanken.


Ich hatte Gelegenheit mir das Coverartwork für das neue Album anzusehen und war sehr beeindruckt. Kannst Du uns etwas zur Entstehung sagen?

Das Cover bezieht sich auf den Song "Transparent Skin", der den Grundstein des Albums legte. Ich hatte einen vietnamesischen Künstler damit beauftragt, es entsprechend meiner Vorstellungen zu malen. Das Ergebnis entsprach zwar anfangs nicht ganz dem, was ich wollte und erinnerte eher an die kleine Meerjungfrau, aber es war eine hervorragende Basis, die ich mehrmals überarbeitet hatte, bis es passte.


Du finanzierst derzeit Deine neue CD über Crowdfunding. Ich wünschte ich hätte die Idee früher auch mal gehabt. Wie funktioniert das genau? Was bietet ihr den Spendern an?

"Spende" ist nicht das richtige Wort, da die Kapitalgeber ja einen vollen Gegenwert erhalten. Es handelt sich um ein hochwertiges, 6-seitiges Digipak mit einer pechschwarzen, gepressten CD aus Polycarbonat, weshalb die Herstellungskosten etwas höher liegen. Ich denke, dass man schon etwas Besonderes anbieten sollte, wenn man im Streamingzeitalter ein Album als CD veröffentlicht. Je nachdem, wieviel man beisteuern möchte, bekommt man noch verschiedene Extras, von einer persönlichen Widmung bis zur Danksagung über die gesamte Serie. Das Funding läuft bis zum 20. November: >>Klick


Braucht man einen hohen Bekanntheitsgrad, damit ein solches Crowdfunding-Projekt erfolgreich sein kann? Und wie bist Du auf die Idee gekommen?

Die Herstellung des vorigen Albums habe ich selbst finanziert und bereue es, da ich auf den Kosten sitzen geblieben bin. Diesmal mache ich es umgekehrt. Wer eine CD haben möchte, beteiligt sich eben vorher an den Produktionskosten und wenn die Finanzierung steht, gebe ich es in Auftrag. Kommt das Geld nicht zusammen, gibt es keine CD und jeder erhält seinen Anteil zurück. Das wäre natürlich sehr schade und ich würde mich freuen, wenn wir es hinbekommen. Ob sich der Finanzierungserfolg am Bekanntheitsgrad festmachen lässt, kann ich nicht sagen, weil ich bisher keine Erfahrung damit hatte. Ich denke, es kommt auch darauf an, was man dafür bietet, welches Verhältnis man zu seinen Hörern hat und ob man diese erreicht.


Über welche Kanäle vertreibst Du Deine CDs? Verkauft Du in erster Linie in Deutschland oder darf sich ein weltweites Publikum freuen?

Die CD erhalten diejenigen, die sich am Crowdfunding dafür beteiligen. Leider bietet Indiegogo nicht die Möglichkeit einer mehrsprachigen Kampagne an, weshalb ich mich für Deutsch entschied, aber prinzipiell kann jeder mitmachen. Sollten daraus noch CDs übrig bleiben, nutze ich diese zur Promotion, um an Reviews, Konzerte etc. zu kommen. Es gibt also keinen CD-Vertrieb. Ein Digitalvertrieb findet zu späterem Zeitpunkt statt, irgendwann Anfang 2015. Ich habe mich da aber noch für keinen Distributor entschieden. Allerdings lege ich Wert darauf, dass den Künstlern gegenüber unfaire Portale, wie z.B. Spotify, ausgeklammert werden.


Mit „This Moment“ von Deinem letzten Album hast Du ein fettes Video rausgebracht. Sind für den neuen Release auch Videoaufnahmen geplant?

Danke. Der Videoclip war eigentlich nur ein Nebenprodukt eines Fotoshootings. Ich habe ein abstraktes Video zum zweiten Track des Albums erstellt, das auf Vimeo veröffentlich wurde:


Es ist derzeit zwar sonst nichts Konkretes geplant, aber ich hätte zum einen Lust, ein neues Bandvideo zu machen und zum anderen einen aufwändigeren Clip mit Story. Vielleicht ergibt es sich ja. Mein Hauptfokus liegt aber auf der Musik, Konzerten etc.


Dann wünschen wir Dir viel Glück mit der neuen CD und hoffen Dich bald live spielen zu hören. Vielen Dank dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast.


von  Redaktion am 19.10.2014
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EWIAN
EWIAN November 2014
geiler sound, wirklich

Sell The Tab
Sell The Tab Oktober 2014
Sehr interessantes Interview.
Schön, dass nicht mit den üblichen Fragestellungen gearbeitet wurde.
All the best! :-)

Mindmovie
Mindmovie Oktober 2014
Es wäre eine Schande, wenn dieses tolle CD Projekt an finanziellen Aspektne scheitern würde, ich drücke Dir die Daumen !