Rock  Magazin

Lone Wolf, Multi-Instrumentalist und Sänger

Interview mit podder

Ben Podder ist seit 2010 auf MyOwnMusic aktiv. Er produziert seine eigenen Songs zu Hause auf einem 24- Spur-Recorder. Alle Instrumente und Gesang sind hierbei selbst gespielt, E-Drums (Yamaha DTX) oder programmiert (Drums DR 880). Er ist kompletter Autodidakt und sagt von sich selbst, dass er kaum Ahnung von Harmonielehre hat und alles nach Gefühl entwickelt.

Ben hat eine zeitlang in Coverbands gesungen und Gitarre und Saxophone gespielt. Heute macht er seine  Bläserarrangements  mit einem WX 5 Blaswandler.  

In den frühen 70ern und 80ern war Ben Podder Drummer in verschiedenen Rockbands und veröffentlichte mit der Band  Lonewolf auch eine LP.

Ben ist  immer auch an Co-Produktionen und Kollaborationen interessiert, wie man auch seinem Profil entnehmen kann - er kann Gesang, Gitarre, E-Drums und Bläser beisteuern.

Grund genug für MyOwnMusic, ein Interview mit Ben Podder zu führen.

 

Was inspiriert dich Musik zu machen, woher kommen deine Ideen, und welche Instrumente spielst du ?

Die Grundinspiration in der Musik geht für mich vom Rhythmus aus. Der Herzschlag als Urform des Rhythmus,  und das Trommeln als archaischer Ausgangspunkt aller Kreativität des Musischen  hat mich von jeher begeistert. Diesen (eigenen) Rhythmus, gepaart mit Harmonien und Gefühlen, auf andere Menschen überspringen zu lassen, um sie die gleiche, fast hypnotisch synchronisierte  Faszination spüren zu lassen, inspiriert mich zum aktiven Musikmachen. Die Ideen dazu kommen wie von selbst, das ist eher ein passiver, betrachtender Vorgang ,denn ein aktiver. Um den Ideen Ausdruck zu verleihen, benutze ich das Schlagzeug, die Gitarre, den Bass, das Saxophon, und auch besonders gerne meine Stimme.


Was hat dich in deinem musikalischen Werdegang am meisten beeinflusst?

Die unglaubliche Virtuosität und Gefühlstiefe verschiedenster von mir bewunderter Musiker und musikalischer Wegbegleiter beeinflusst mich täglich aufs Neue, regt mich zum Nachahmen an, und bereichert mein Leben enorm. Es sind auch einzelne Live-Konzerte, die hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. (Tower of power....)


Was war dein  schönstes und dein ärgerlichstes Bühnenerlebnis ?

Mein schönstes Bühnenerlebnis hatte ich in der Schulzeit  (1976). Hier durften meine Band (DDT) und ich, (damals  als  Schlagzeuger), auf einem Schulfest spielen. Das Schulfest selbst ging dabei zum Unmut des damaligen Direktors unter, unsere Band wurde jedoch von ca. 800 Leuten in der gefährlich überfüllten Aula frenetisch gefeiert, und ich selbst nach einem viertelstündigen Schlagzeugsolo  als Held auf den Schultern durch die Schule getragen. (Ach, ...war das schön!)

Das ärgerlichste Bühnenerlebnis hatte ich 2004 mit meiner  damaligen Coverband "Earth Rotation Service" als Sänger, als wir auf einer Karnevalsveranstaltung spielten, die offensichtlich andere Musik erwartet hatte und das Ganze noch durch einen unfähigen Tontechniker getoppt wurde. Wir brachen den Auftritt mittendrin ab, und es war eine Katastrophe.


Warum brauchst du Musik?

Musik ist für mich existenziell. Sie erlaubt mir sowohl den  In- als auch den Output extremer Gefühle. Auch stellt sie neben der Fotografie eine Möglichkeit dar, einen mir innewohnenden Drang nach Kreativität und Selbstverwirklichung auszuleben.


Gibt es musikalische Vorbilder, wer sind deine Idole?

Ich denke es wird wohl nirgends auf der Welt einen Musiker ohne Vorbilder oder Idole geben. Immer sind es Einflüsse von solchen, die den Musiker ausmachen. Im Laufe eines Lebens kommen da sicher einige hundert, wenn nicht  tausend Vorbilder zusammen. Ich möchte hier mit einer gebrainstormten Liste antworten, die keinen Anspruch auf irgendeine Vollständigkeit haben kann.

James Brown, Prince, M.J., Earth Wind and Fire, Jaco Pastorius, Victor Wooten,Commodores, Billy Cobham,  Al Jarreau,  James Taylor, Santana, Lee Ritenour,  Larry Carlton,  David Sandborn,  Michael  Brecker,  Brecker brothers, Tower of power, Bootsy collins,  Frank Zappa,  Mariah Carey,  Bruno Mars,  Deep Purple, Led Zeppelin , Bad Company, Queen,  Average white band, Sly Stone, Bob James,   u.s.w......


Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten ?

Auch hier gibt es so viele... Auf MyOwnMusic habe ich bereits mit einigen Musikern zusammengearbeitet, wie man auf meinem Account sehen kann. Aber immer wieder reizen mich neue Kollaborationspartner, und der schnelle Kontakt ist einer der großen Vorteile einer solchen Plattform. Lust hätte ich sonst mal mit dem Bassisten Victor Wooten zusammenzuarbeiten, der für mich eine phänomenale rhythmische Begabung besitzt.


Wie produzierst du deine Musik, wie fängst du an?

Während ich früher zunächst eine rhythmische Struktur erfand, auf der sich das restliche Stück scheibchenweise entwickelte, mache ich heute eher auf dem Sofa mit der Gitarre den Anfang, schreibe die Akkordstruktur und den Aufbau nieder, um das Ganze dann nach dieser Grundvorlage auszuführen. Erst ganz am Schluss schreibe ich dann den Text auf das Stück, allerdings orientiert am Grundtitel, den das Stück dann schon hatte. Bei vielen Kollaborationen habe ich mir Instrumentals verschiedenster Künstler ausgesucht, die mir gefielen, und dann wieder einen Text und einen Gesang darauf entwickelt, wobei  ich es zu einer beachtlichen Routine gebracht habe, über die ich mich selbst wundere. Wie oben bereits gesagt kann ich mir dabei oft selbst zuschauen.


Welches Equipment benutzt du?

Zunächst einmal bin ich kein Produktionsgenie. Cubase und auch alle anderen Programme dieser Art sind mir gänzlich fremd, ebenso gibt es bei meinen Eigenproduktionen keine Samples. Alles wird von Hand  auf einen 24 Spurrecorder (Boss, Tascam) eingespielt, und darauf gemischt. Ich nutze E-Drums, aber auch den Drumcomputer DR 880 von Boss, Saxophon oder Midi-Blaswandler Wx5 von Yamaha, mit dem ich viele Blasinstrumente spielen kann, und so auch  Bläsersätze erzeugen kann. Die Gitarren  und Bässe kommen über verschiedene Effektgeräte (z.B. Boss GT 100), und der Gesang über ein T-Bone sc 450 Microfon und ggfls. einen Vocalisten (Digitec) für den Gesangseffekt.

Zum Abhören und Mixen verwende ich die fantastische  Klein-PA von Syrincs als Studiomonitor,  welche mir vom damaligen MyOwnMusic-Mitglied Markus Roth (Marquette) empfohlen wurde, wofür ich mich nochmals ausdrücklich bedanken möchte.


Hattest du schon Veröffentlichungen?

Ja, 1980 habe ich mit meiner damaligen Rockband "Lone Wolf " eine Deutsch -Rock Langspielplatte produziert, die kommerziell  von eher mäßigem Erfolg gekrönt war. Eines meiner MyOwnMusic -Stücke ("Downup") wurde für eine Fernsehsendung über das Skateboarden benutzt.


Wie sehen deine musikalischen Pläne für die Zukunft aus?

Da ich beruflich sehr angespannt bin, bleibt Musik bei mir ein Hobby, was es auch immer nur war. Aber ich werde sicher weitermachen, solange es mir meine dann möglicherweise  gichtigen Finger und die brüchige Stimme (und die Prostata... haha) erlauben.


Nach welchen Kriterien beurteilst du Musik?

Wie auch  vielen Anderen ist mir die Art der Musik nicht das Wichtigste. Ich verlange ein gewisses Maß an Beherrschung des Instruments, und sie muss gefühlvoll und/ oder rhythmisch sein. Der Klang, Harmonie und die Authentizität spielen für mich auch eine große Rolle.


Wie ist deine Einstellung zu deiner eigenen Musik?

Ich weiß genau was ich kann, aber genau so genau was ich nicht kann.


Was magst du, und was magst du gar nicht?

Ich mag die Möglichkeit, mit Musikern aus der ganzen Bundesrepublik direkt über alle geographischen Grenzen hinaus, ergebnisorientierte Musik machen zu können. Eine fantastische Zusammenkunft unglaublicher Talente.

Was ich nicht mag, ist das hier leider oft zu beobachtende kleinliche Hick-Hack zwischen neid- und missgunsterfüllten Mitgliedern, das gegenseitige Mobbing, sowie krankhafte wadenbeißende Geltungssucht, die schon zum Exodus vieler wirklich sehr guter und sympatischer Musiker geführt hat.


Wie bist du auf MyOwnMusic aufmerksam geworden?

Beim Stöbern im Netz, auf der Suche nach einer Plattform, auf der ich meine Homerecording-Ergebnisse mal einem Publikum vorstellen wollte.

Was gefällt dir an MyOwnMusic besonders gut?


Die Plattform ist recht gut strukturiert und bietet enorme Möglichkeiten. Sie ist ein Ort für Begegnungen, auch wenn sie manchmal  Big Brother-artige Züge aufweist... Gut ist, dass auch reine Hörer von außen Zugang zur Musik haben, ohne sich registrieren zu müssen.


Was sind deine All-time TOP 10?

Also, ohne wirkliche Reihenfolge, und könnte morgen schon wieder komplett anders aussehen:

Papa don`t  take no mess (James Brown)

Serpentine Fire (  EW&F)

Sweet potatoe pie ( Al Jarreau)

Out of the loop (Brecker Brothers)

Dirty gritty (Mingo Fishtrap) 

When I was your man (Bruno Mars) 

Make you feel my love (Adele/ Bob Dylan)

Personal Mountain  (Keith Jarret/ Jan Garbarek)     

Walking man  (James Taylor)

Offramp (Pat Metheny)       

Whole lotta love (Led Zeppelin)


Was ist dein Geheimtipp hier bei MyOwnMusic?

Also geheim ist das nicht. Ich mag den PAZion sehr gerne. Er hat viel Varianz in seinem Musikgeschmack, und lässt es gelegentlich auch mal funky knacken, was mir sehr liegt. Neben seiner Eigenschaft, ein sehr guter Gitarrist zu sein, zeichnet ihn eines besonders aus: Er ist ein besonders netter, ausgeglichener Mensch, auf dessen perfekt verpackte Kritik ich viel Wert lege, und von dem man trotz eindeutiger Standpunkte nie ein böses Wort hört.


Vielen Dank für das Interview, Ben, und viel Spaß und Erfolg mit Deiner Musik!

 

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In eigener Sache:


von  Mindmovie am 18.04.2014
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