Pop  Magazin

Von Kanaldeckeln und fliegenden Glitzerkleidern

Interview mit Kerstin Sander

Kerstin Sander stammt aus einer sehr musikalischen Familie und stand bereits mit 6 Jahren auf der Bühne. Seither bestimmten Gesang und die Schauspielkunst ihr Leben. Sie nahm Gesangsunterricht, wurde Sängerin einer Pop/Rock Band (Baton Rouge) und spielte nebenbei Theater.

1998 zog sie nach Berlin. Dort baute sie ihre musikalischen Fähigkeiten durch die Zusammenarbeit mit einem Pianisten und Songwriter aus.

Von 2001 bis 2004 war Kerstin Sängerin der Gitarrenpopband "Connery". Mit der Band nahm sie ihr erstes Studioalbum auf und tourte durch Deutschland um sich in Clubs und auf Festivals live zu präsentieren. 2002 wurde die gemeinsame Single "November" veröffentlicht und von verschiedenen Radiosendern gespielt.

2005 begann Kerstin ihr Solo Projekt als Sängerin und Songschreiberin. Seither komponiert, arrangiert und produziert sie ihre eigenen Songs, um ihr neuestes Demo interessierten Produzenten und Labels vorzustellen. Aufgrund vieler Nachfragen wann es Konzerte gibt, plant Kerstin zurzeit eine Zusammenarbeit mit weiteren bzw. interessierten Musikern, um zukünftig ihre Vielzahl von Hörern auch live zu begeistern.

Ihre erste Promo Maxi Single Mr. John Doe hat auf MyOwnMusic durch eine Menge positives Feedback und eine Empfehlung der Redaktion für Furore gesorgt.

Grund genug für MyOwnMusic uns mit Kerstin zu einem Interview zu verabreden:

 

Danke für Deine Bereitschaft, an einem Interview teilzunehmen. Vielleicht gibst Du uns zunächst mal einen Einblick in Deinen musikalischen Werdegang. Wie bist Du zur Musik gekommen, gab es irgendein musikalisches Schlüsselerlebnis?

Mein Vater war Sänger und Musiker, überhaupt stamme ich aus einer sehr musikalischen Familie. Das allererste Mal sang ich in musikalischer Begleitung meines Vaters vor circa tausend Leuten, als ich sechs Jahre alt war. Ein phantastisches aber auch gleichzeitig beängstigendes Erlebnis, weil mir alles so riesig vorkam. (Der Saal, die Menschenmasse etc.)

Jahre später nahm ich dann Gesangsunterricht und testete mich zunächst durch sämtliche Genres (Pop, Musicals, Oper), bis dass ich meine Stärken im Pop/Rock Bereich erkannte, die ich dann weiter ausbaute. Zunächst die Technik, dann nur noch Hören und Lernen durch Songs anderer großartiger Künstler. Danach ging es dann los mit Bands und jetzt alleine als Sängerin und Songschreiberin.

 

Du hast zuerst mit einem Pianisten und Songwriter zusammen gearbeitet, was hat Dich an dieser Besetzung besonders gereizt?

Das war Zufall. Ich habe nicht bewusst einen Pianisten gesucht. Ich erzählte einer guten Bekannten dass ich eine musikalische Begleitung suche, sie wiederum kannte einen Pianisten, der ebenfalls auf der Suche nach einer Sängerin war. So lernten wir uns kennen und trafen uns regelmäßig im Proberaum. Jeder brachte seine Kompositionen mit und wir probierten uns durch sämtliche Songs. Zum Auftritt kam es jedoch nie.

  

Deine erstes Studioalbum hast Du mit der Band „Connery“ gemacht, wie kamst Du zu Ihnen und was war das für ein Gefühl das erste „professionelle“ Album im Studio einzuspielen?

Connery folgte nach dem Pianisten. Ich brauchte nach all dem Ausprobieren und hartem Lernen nun Action, Power und eine Band. So fand ich in einer Zeitungsannonce die Band Connery, die bereits einen Verlagsvertrag bei einem Majorlabel hatte. Das erste Gefühl, in einem riesen Tonstudio zu singen, war erfüllt von Demut! Ich hatte großen Respekt vor all den Geräten, dem Produzenten und ich wusste: Zeit ist Geld! Zunächst dachte ich, die harte Zeit des Lernens nun hinter mich gebracht zu haben bis ich begriff, dass es jetzt erst richtig los geht ;-). Ich war die dritte Sängerin in dieser Band, somit wurden sehr hohe Anforderungen an mich in sehr kurzer Zeit gestellt. Die Band wohnte in Hamburg, die Aufnahmen wurden in Berlin gemacht. Die Fahrstrecken zwischen Band und Studio waren enorm.

 

Ihr habt anschließend viel getourt, gibt es Erlebnisse an die Du Dich besonders gerne, oder auch weniger gerne erinnerst?

Haha, nun gut, ich will ehrlich sein. Ein sehr unschönes Erlebnis hatte ich nach einem Auftritt, als wir unser Equipment zu unseren Autos brachten die hinter der Location parkten und ich auf einen losen Kanaldeckel trat und bis zum Knie verschwand. Mein Bein schmerzte, war voll Schlamm und stank wie eine Kläranlage. Die Band gab sich große Mühe, nach ner Stunde mit dem Lachen aufzuhören. ;-) Dann noch etwas Lustiges: Als wir mit einer Band aus England gemeinsam tourten und nach dem Konzert nachts mit zwei Autos nach Hause fuhren, sprang deren Dachbox plötzlich vor unserem Auto auf. Sämtliche Glitzerkleider flogen über uns hinweg, die wir dann alle einsammeln mussten. Das schönste Erlebnis war ein Konzert vor zweitausend Menschen in Berlin!

 

Wann hast Du Dich entschlossen Dein „eigenes Ding“ zu machen und es als Solo-Künstlerin zu versuchen und was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Nach dreijähriger Zusammenarbeit mit Connery ging jeder seinen eigenen Weg. Ich wollte mich weiterentwickeln und habe dann als Solokünstlerin weitergemacht.

 

Gibt es andere Künstler oder bestimmte Dinge die Deine Musik besonders beeinflussen, woher ziehst Du Deine Inspirationen?

Ich lerne stets von anderen Künstlern. Die Technik ist die eine Sache wie hauchen, belting oder beispielsweise bewusste Hickser in der Stimme, die Du mit einbaust. Oder ob Du nah oder etwas weiter weg vom Mikro einsingst. Die andere Sache ist das Gefühl, das den Song erst lebendig macht. Meine Inspirationen ziehe ich aus sehr vielen Dingen: Natur, Menschen, Erlebnisse etc., diese fließen dann gebündelt in eine neue Komposition ein. Grundsätzlich brauche ich zum Komponieren, wenn der Song nicht direkt im Kopf entsteht, persönliche und liebevolle Dinge um mich herum, die mir Kraft geben und mein inneres Künstlerkind hervorlocken. An einem Glastisch in einem sterilen Raum könnte ich keinen Song schreiben.

  

Wie produzierst Du Deine Musik – wie fängst Du an?

Die Songs entstehen entweder in meinem Kopf oder ich spiele Melodien bzw. Akkorde kreuz und quer auf der Gitarre oder Klavier. Die Hauptsache ist, während des Schaffensprozess nicht nachzudenken, egal wie einfach die Akkorde oder Melodien auch sein mögen, ausbauen kann man sie später. Ich singe dazu dann zunächst in einer Phantasiesprache, um das Gefühl festzuhalten das dadurch entsteht. Dann weiß ich wo der Song hingeht. Anschließend perfektioniere ich die vier Komponenten zu einem Ganzen: Akkorde, Melodie, Gefühl und Text. Wie ich hörte, haben andere Künstler ähnliche Vorgehensweisen. Anschließend nehme ich den Song mit einer digitalen Workstation, PC, Keyboard und Gitarre auf.

 

Auf welche Songs bist Du besonders stolz und warum?

Ich bin auf jeden meiner Songs stolz, weil ich sehr viel dafür gelernt habe. Nach Verlassen der Band Connery als Frontsängerin konnte ich auf der Gitarre nicht mehr als ein Em Akkord. Ich habe mich dann sehr lange mit Harmonielehre befasst, Gitarre gelernt und bei null wieder angefangen. Ich bin stolz, dass ich das alles geschafft habe und freue mich immer wieder dazuzulernen. Jeder Song hat seine eigene Geschichte, zu der ich unglaublich viel erzählen könnte.

 

Wie bist Du auf MyOwnMusic aufmerksam geworden und welche Erfahrungen hast Du hier gemacht?

Durch Surfen im Internet nach Musikplattformen habe ich MOM gefunden und wahnsinnig positive Erfahrungen gemacht. Die eigenen Kompositionen werden hier sehr kritisch unter die Lupe genommen, was zu meiner stetigen Weiterentwicklung im musikalischen Bereich beigetragen hat und es immer noch tut. Ob Kollabos, Radios oder Musiker die man hier kennenlernt, MOM ist einfach eine super Sache!

 

Nach welchen Kriterien beurteilst Du Deine eigene Musik und die von anderen Künstlern im Allgemeinen?

1. Stimme und Gefühl 2. Hat der Song genug Luft zum Atmen (Arrangement) 3. Songstruktur (gekürzte oder verlängerte Verses, Bridges, Refrains)

 

Gibt es Idole, oder Künstler mit denen Du gerne einmal zusammen arbeiten möchtest?

Ich möchte einfach nur gerne mit Musikern zusammen arbeiten, die eine professionelle Einstellung haben und vor allem zuverlässig sind, die mit mir an einem Strang ziehen! Du glaubst ja gar nicht, wie schwierig das ist, ich habe das alles erlebt. Viele wollen nach oben, aber dann ist Omas Birnenkuchen Sonntags nachmittags wieder wichtiger als produktiv zu sein und zu proben für den nächsten Auftritt.

 

Wie sehen Deine musikalischen Pläne für die Zukunft aus, an was arbeitest Du im Moment und was möchtest Du mit Deiner Musik erreichen?

Ich sortiere gerade meine Werke und wünsche mir eine Band bzw. Musiker für Live Konzerte, da ich viele Songs komponiert habe und sehr viel positives Feedback bekomme. Meine Sachen alleine live umzusetzen empfinde ich als etwas schwierig. Was ich mit meiner Musik erreichen möchte: Ich möchte mit der Musik mein Geld verdienen und mit Musikern erfolgreich zusammenarbeiten.

 

Für Interessenten, wie kann man Dich buchen?

Kontakt über MyOwnMusic oder meine HP.

  

Wir danken Dir ganz herzlich für dieses Interview und wünschen Dir viel Erfolg für die Zukunft.

Vielen Dank auch an Euch!

   

Weiterführende Informationen zu Kerstin Sander :

  

http://www.singersongwriter.de/index.html


von  Mindmovie am 26.12.2013
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Stathi
Stathi Dezember 2013
Tolles Interview mit einer tollen Künstlerin. Ja, die Sache mit Omas Birnenkuchen... ich erinnere mich an solche Situationen und wie frustrierend das ist. Was nützt einem die tollste Band mit den besten Musikern, wenn es an Hingabe und Zielstrebigkeit mangelt. Wer nicht bereit ist, sich den Arsch aufzureißen und mindestens 110 Prozent zu geben, kann noch so talentiert sein - das alleine bringt einen nicht weiter. Du hingegen, Kerstin, und dass macht das Interview deutlich, hast nicht nur das notwendige Talent, sondern auch die richtige Einstellung. Außerdem bist Du auch - um nicht lange um den heißen Brei herumzureden - sehr attraktiv - und gutes Aussehen hat noch keiner Sängerin geschadet :-).