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MOM und das rote Leuchten!

Ein Leitfaden für das verzerrungsfreie Aufnehmen und Abmischen

von Michael Jarosch

Für viele Musiker ist es sicher eine Herausforderung, neben der eigenen Musikalität noch Tontechniker zu sein. Und eigentlich zu viel verlangt..?! Doch anderseits will man doch auch einen guten Sound haben.

Mir sind beim Durchhören von MOMs üppig gedeckten Songtisch viele Tracks - auch in den Charts - aufgefallen die zu stark über die digitale Null getrieben wurden. Das ist schade, denn viele dieser Arbeiten hätten einen guten, einen besseren Ton verdient.

Da nicht jeder eine Audio-Engineer Ausbildung abgeschlossen hat, oder der geborene autodidakte Tontechniker ist, versuche ich, mit so wenig wie möglich technischem Schnickschnack, Euch einen leicht verständlichen Leitfaden für die Einstellungen zur Verhinderung dieser Artefakte zu geben, damit eure Songs künfitg „Great again“ klingen.

Digitales Gain Staging im Mix und Dynamikbegrenzung im Mastering!

Gain Staging:

In den heutigen DAW`s ist die Pegelkontrolle ein wichtiger Faktor um die Signale sauber und verzerrungsfrei für eine ausgewogene Mischung vorzubereiten. Die digitalen Pegelmesser arbeiten hier nicht wie die analogen Pulte, die über spannungsabhängigen Sinus Pegel gefahren werden und moderate Überschreitung der 0dBVU möglich sind und diese Überschreitung auch für Klangeinflüsse genutzt werden, das zu einem obertonreichen, gewollten Soundbild beitragen kann. Bei digitalen Pegel dagegen, ist bei 0 dbfs (Decibel Full Scale ) die absolute Grenze erreicht und alles was über diese 0dB steigt erzeugt -keine Obertöne- sondern digitale Verzerrungen. Es ist absolut ratsam, die Pegel bei der Aufnahme zurückhaltend einzustellen wenn man einen gut klingenden Track produzieren möchte.

Die allgemeine Faustregel dabei ist: -18dBFS als Äquivalent für den Analog-Standard 0dBVU zu nehmen. Deswegen ist es empfehlenswert in jeder Gruppe und auch in den Summenausgängen einen VU Meter (Volt Meter) zu platzieren, die wie oben erwähnt, meist schon am Gain-Regler auf -18 dB eingestellt sind.

VU Meter von der Firma Klanghelm

Für 14 Euro gibt es z.B. einen VU Meter von der Firma Klanghelm.

Der digitale VU Meter arbeitet fast wie im analogen Pult, die Einschwingphasen sind gutmütiger, viel langsamer als die digitalen Pegelmesser und arbeiten immer weit unter dem zu befürchtenden Übersteuerungspegel, was es leichter macht die Pegel im -mittleren- Bereich zu halten (zumal er ja auf -18dB steht) um den Instrumenten einen bequemen Headroom (der freie Spannungsbereich zwischen Pegel und 0 dbfs) zu sichern. Das verhindert schon im Mix eventuelle Verzerrungen.

Gerade bei impulsstarken, dynamischen Instrumenten, wie Drums und Perkussion muss man absolut sicher sein das man den Pegel im Griff hat, denn auch subtile digitale Verzerrungen werden dann später im Master (besonders in den Höhen und Tiefbässen) zum wirklichen Problem, weil auch viele Monitore diese Peaks nur bedingt im Mix erkennbar wiedergeben. Zumal ja noch die eingeschliffenen Plugins, die in ihrer Funktionsweise schon oft nah am analogen Original sind, dazu kommen und wie die analogen Vorbilder ’nicht-lineares‘ Verhalten aufweisen. Dementsprechend gelten hier dieselben Regeln: je mehr du sie pushst, desto mehr Kompression, Sättigung und Verzerrung entsteht, die natürlich auch gewollt sein darf, doch auch hier gilt die Prämisse, es sollte frei von „digitaler“ Verzerrung sein.

Der Headroom ist deswegen so wichtig damit man im Mastering auf einen sauberen Mix zugreifen kann der nicht mit Artefakten belastet ist. Dann sind im Mastering jegliche Klang und Dynamik Optimierungen wesentlich einfacher zu bewerkstelligen und die Wahrscheinlichkeit ist hoch das man den Sound erreicht den man erreichen will. Zumindest theoretisch!

Mastering – Dynamikbegrenzung:

Nun, wenn man jetzt einen sauberen Mix hat, der genug Headroom sein Eigen nennt, sollte man eine optimale Klangstruktur erreicht haben. Gleichzeitig muss man sich gewahr werden das alle, auch die kleinsten, Eingriffe im Mastering Bereich einen Einfluss auf den Track und seinen Klang haben. Ob bei EQ`s oder Kompressoren, es werden Verdichtung, Phasen-Lage, Tiefe und Front – sowie die Seiten von jedem Schritt beeinflusst und klanglich verändert.

Gibt man z.B. mit einem EQ +1oder +2dB im Bassbereich dazu steigt die Lautstäke proportional, abhängig von der Filtergüte, an. Man sollte beachten, dass der Tail bei einem breiten Glockenfilter die anliegenden Frequenzen beeinflusst und ebenfalls im Verhältnis mit anhebt. Meistens sind es ja mehr als ein EQ die in das Material eingreifen. Es ist selten zielführend extreme Eingriffe in der Master-Tonspur vorzunehmen, das sollte sich durch das Gain-Staging im Mix in Grenzen halten. So sind oft „nur“ das Low End, sowie der Elfenstaub im Höhenbereich zu formen oder eben Notchfilter (enger Filter, auch Kerbfilter genannt)  die schmalbandig die  Störfrequenzen entfernen. Wir sprechen hier von Eingriffen die 1-2 dB selten überschreiten, doch auch schon 0,5 dB sind deutlich wahrnehmbar. Alle diese Maßnahmen wirken sich auf die Lautstärke des Klanges und auf den Verlauf des Frequenzgangs aus. Deswegen immer mal alle Effekt-Geräte ausschalten und mit dem puren Mix vergleichen, um zu schauen ob man wirklich seinem Ziel nähergekommen ist.

Egal wie der Mastering–Chain bei euch aussieht muss am Ende dieser eingreifenden Kette ein Limiter stehen um eventuelle Peaks abzufangen. Diese Peaks sind zwar nicht der für die Lautheit entscheidende Anteil, aber zuständig für die Erkennbarkeit eines spezifischen Instrumentes im Mix, für die Bestimmung der Position einer Signalquelle und für die 'Lebendigkeit' eines Klanges. Diese kurzen Ausschläge werden als Transienten bezeichnet und stellen meist Einschwing- vorgänge natürlicher und synthetischer Klangquellen dar. Schneidet man diese Spitzen achtlos weg, wird z.B. eine Bassdrum im Mix nicht so präsent wahrgenommen, klingt eine Snare nicht mehr 'knackig', ist das Attack eines Basses matschig und so tauchen dann zu 100% auch Intersample Peaks auf, die von digitalen Pegelmessern in der DAW sowieso nicht erkannt werden können.

Die Einstellungen im- Limiter- ( Brickwall Limiter) kann im optimalen Fall folgendermaßen aussehen:

Der Output-Gain sollte mindestens auf -0,5 dB eingestellt sein damit auch Intersample Peaks zuverlässig abgefangen werden und sicher Peak-freie mp3 Konvertierung garantiert werden kann.

Der Input–Gain ist dafür verantwortlich wie hoch der Song in das Plugin gefahren wird. Meiner Meinung nach sollte die Lautstärke der Musik nicht aus dem Limiter gedrückt werden, sondern er hat nur die Aufgabe die Überschreitung zu sichern, denn abgeschnitten ist abgeschnitten.

Deswegen ist der Blick auf die Reduzierung (selten mehr wie 1-3dB) der Faktor der auch visuell anzeigt ob Verzerrungen staatfinden werden oder nicht. Auch einen guten Mix bekommt man mit brutalen Einstellungen in die rote Zone. Eine gute Hilfe ist der RMS Pegel (Root mean square) dieser Durchschnittspegel wird in vielen Meter Plugins mit angezeigt und sollte sich im zweistelligen Bereich befinden.

Es gibt einige Engineers (F. Tischmeyer, Bob Katz, ect) die jegliche Überschreitung von -12 RMS ablehnen, doch die meisten Mastering Engineers unterscheiden da nach Genres und sind natürlich ihren Kunden verpflichtet, die immer noch gerne recht laute Ergebnisse bevorzugen und sich nicht wirklich um die neuen empfohlenen Normen (EBU-Norm R128) kümmern, solange sie nicht für öffentliche Sendeanstalten arbeiten. Und einige Portale haben schon nachgezogen. Da werden dann alle Tracks auf eine Lautstärke herunter gezogen.

Solange keine einheitlichen Werte und Eichung (auch in den Meter Plugins) für alle vorgegeben werden, muss man wohl mit dem was man hat experimentieren. Aber wer will schon vereinheitlichte Musik?

Bei Hip Hop, Rock, Dance usw. die von wenig Dynamik leben, kann es immer nochmal mal -10dB RMS sein, nun wenn es gut klingt ?!

Bei Klassik / Soundtracks z.B. werden radikale Eingriffe vermieden, da hier besonders wenig Kompression eingesetzt wird um die Lebendigkeit zu erhalten und den Sound nicht zu verändern.

Da sind RMS Werte von -16dB schon hoch, eher -20dB und darunter, um jeden dynamischen Eingriff zu vermeiden. Das sollte man denen in den Kino-Palästen mal klarmachen, die da nochmals einen Limiter drauf setzten.

Doch im Durchschnitt landet man bei -12dB bis -14 dB RMS was noch reichlich Dynamik zulässt.

 

Pegelreduktion im Limiter:

HOFA 4U Meter

-1 dB Reduzierung sind normal

-3 dB sollten nicht wirklich überschritten werden.

Das ist immer Material und Genre abhängig, doch ist man mit dieser Empfehlung auf der sicheren Seite sein.

Es gibt ein wirkungsvolles Free-Plugin von Hofa (HOFA4UMeter,Fader & MS-Pan) der auch intersample Peaks zuverlässig anzeigt, damit könnte einem verzerrungsfreien Song nichts mehr im Wege stehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

photo credit: dbrothier DJ via photopin (license)

 


von  Redaktion am 31.08.2017
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ArtfulAndy
ArtfulAndy vor 4 Tagen
Sehr informativ! Vielen Dank!

Gerrit Scheel
Gerrit Scheel vor 15 Tagen
Toller Beitrag, vielen Dank!

suedwestlicht
suedwestlicht vor 19 Tagen
Prima geschrieben. Die empfohlenen Werte fürs Limiting kann ich vollkommen nachvollziehen bzw. bin selber zu diesen gekommen.

XANC
XANC vor 19 Tagen
Danke dir

bobgrey
bobgrey vor 19 Tagen
Danke für Deinen Beitrag. Den sollten hier alle mal durchlesen.

lg
bobgrey

Mindmovie
Mindmovie vor 19 Tagen
klasse